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ZEW-Studie: „Mindestlohn hatte nur geringe Auswirkungen auf die Wettbewerbsbedingungen“

Der Mindestlohn wird ab Oktober 2022 auf 12 Euro pro Stunde erhöht. Etwa 22 Prozent aller Beschäftigtenverhältnisse müssen laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hinsichtlich des Lohns angepasst werden. Doch welche Auswirkungen und Nebeneffekte hat das für die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen? Ein Blick auf vergangene Mindestlohn-Erhöhung könnte eine Antwort liefern. Eine Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim im Auftrag der Mindestlohnkommission zeigt, dass die zurückliegende Mindestlohn-Einführung 2015 sowie die erste Erhöhung im Januar 2017 kaum Marktaustritte von Unternehmen verursacht hat. Die dieses Jahr bereit erfolgte Erhöhung zum 1. Juli auf 10,45 Euro war nicht Bestandteil der Studie. 

„Hauptaspekt unserer Untersuchung waren die Lohnkostenerhöhungen, die durch den Mindestlohn verursacht werden und am Ende die Wettbewerbsbedingungen von Unternehmen beeinflussen“, sagt Moritz Lubczyk, Wissenschaftler im Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“ am ZEW und Co-Autor der Studie. Bei der Einführung des Mindestlohns 2015 hätten zwar manche Kleinstunternehmen mit vier oder weniger Mitarbeitenden den Markt verlassen müssen, da deren Bruttodurchschnittslohn niedriger als die eingeführten 8,50 Euro lag. 

Gesamtwirtschaftlich gesehen hätte dies aber zu keinem arbeitsmarktpolitischen Problem geführt – die Arbeitslosigkeit sei dadurch nicht gestiegen und Betroffene, denen gekündigt wurde, wechselten zu anderen Unternehmen. 

Hat sich der Output der Arbeit verändert? 

Was allerdings unternehmensübergreifend festgestellt werden konnte, ist ein Anstieg der Arbeitsproduktivität – also der Umsatz im Verhältnis zu den eingesetzten Arbeitskräften. Bemerkbar sei dies in von der Einführung des Mindestlohns betroffenen Branchen gewesen wie Spiel-, Wett- und Lotteriewesen, die Werbebranche oder das Verlagswesen. 

„Zum einen kann das damit zusammenhängen, dass Unternehmen verstärkt in Kapital, also Maschinen oder Technologien, investieren und somit ihre Arbeitskräfte produktiver einsetzen“, sagt ZEW-Wissenschaftler Lubczyk. Weiterhin sei denkbar, dass Unternehmen statt auf geringfügige mehr auf sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse setzten und auch somit die Produktivität der Arbeitnehmer gestiegen ist, da Minijobber für die Arbeitgeber im Vergleich zu regulären Arbeitsverhältnissen teurer sind. Zuletzt vermutet er, dass mit der Einführung des Mindestlohns die eher unproduktiven Unternehmen den Markt verlassen haben und somit die durchschnittliche Produktivität der gesamten Branche gestiegen ist. 

Info

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft und schreibt off- und online. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Arbeitsrecht, HR-Start-ups und Recruiting.