Die 50. Zahl der Woche vom Statistischen Bundesamt war für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eher unerfreulich: 2026 wird es im Schnitt 2,4 Arbeitstage mehr geben als im auslaufenden Jahr. Grund dafür ist, dass viele Feiertage auf ein Wochenende fallen werden, darunter der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober, der Reformationstag am 31. 10. und Allerheiligen am 1. November. Eine Übersicht aller Feiertage 2026 finden Sie hier.
Schlagzeilen machte diese Woche nun die Linkspartei, die sich – nicht zum ersten Mal –für eine Kompensation aussprach. „Menschen werden um ihre verdiente Freizeit betrogen“, sagte Jan van Aken, Vorsitzender der Linkspartie, dem Tagesspiegel. Seine Forderung: „Fällt ein gesetzlicher Feiertag auf ein Wochenende, dann muss ein Ersatztermin her – unter der Woche, für alle.“ Zustimmung gab es von den Grünen: „Für Beschäftigte ist es nicht nur ärgerlich, sondern auch unfair, wenn Feiertage auf das Wochenende fallen“, wird der Grünen-Politiker Timon Dzienus, einstiger Bundessprecher der Grünen Jugend, heute in der Rheinischen Post zitiert,
„Feiertagsmentalität“ sorgt für Kritik
Äußerst kritisch sehen das Abgeordnete der CDU, die teils dramatische Worte finden: „Linke und Grüne verstehen Deutschland als Freizeit- und Spaßgesellschaft, in der Leistung und Einsatz nichts mehr zählen (sollen). Das vernichtet Arbeitsplätze und Wohlstand und führt unser Land in den Abgrund“, schreibt Bundestagsabgeordneter Dr. Jan-Marco Luczak auf Facebook.
„Deutschland kann sich keine Feiertagsmentalität leisten“, sagte auch Gitta Connemann, Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, gegenüber dem Tagesspiegel. Schon im Oktober schlug sie im Podcast Table.Today die Abschaffung des Reformationstages vor, bei dem sie in Niedersachsen leere Kirchen beobachtete. Bereits 2018 beantragte die Linksfraktion das Nachholen von Feiertagen am Wochenende. „Es gibt in mehr als 85 Ländern Kompensationsregelungen für Feiertage, die auf einen Sonntag fallen“, hieß es damals im Antrag.
Was gilt andernorts?
Feiertage werden in der Tat von Land zu Land sehr unterschiedlich gehandhabt – auch weil die Länder mit großzügigerer Feiertagsregelung teils weniger Mindesturlaub ansetzen. Deutschland hat, je nach Bundesland, zehn bis vierzehn Feiertage pro Jahr, von denen einige beweglich sind und auch ersatzlos auf das Wochenende fallen können.
Wer in der Schweiz lebt, bekommt je nach Kanton nur sieben. In Frankreich, wo elf Feiertage das Maximum sind, wenn sie nicht gerade durch ein Wochenende wegfallen, gibt es zudem den „Journée de solidarité“: Am Solidaritätstag wird nicht für den eigenen Lohn gearbeitet, das Geld kommt stattdessen Initiativen für ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung zugute.
Bezahlte Brückentage
In anderen Ländern ist zudem die Regelung gängig, dass alle Mitarbeitende einen Anspruch auf eine feste Anzahl Feiertage haben. Argentinien, das hier fünfzehn bezahlte Feiertage vorgibt, setzt sogar Brückentage gesetzlich fest: Bewegliche, nationalen Feiertage, die auf einen Dienstag oder Mittwoch fallen, werden auf den vorhergehenden Montag verschoben. Die beweglichen nationalen Feiertage, die auf einen Donnerstag oder Freitag fallen, werden auf den folgenden Montag verschoben.
Streit um Feiertage gibt es nicht nur in Deutschland regelmäßig. Im Juli kündigte der französische Premierminister Francois Bayrou an, aus Spargründen den Ostermontag und den Gedenktag an das Ende des Zweiten Weltkriegs abzuschaffen, was heftige Reaktionen auslöste. Die Auswirkungen von Feiertagen auf die Wirtschaftsleistung eines Landes ist bereits in verschiedenen Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen untersucht wurden – zuletzt im März vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Eine eindeutige Antwort konnte auch hier nicht gegeben werden, da auch die jeweiligen Branchen, die Jahreszeit und die Platzierung des Feiertags eine Rolle spielt.
Eines ist jedenfalls klar: Auch 2026 wird die Diskussion um Feiertage sicher weitergehen.
Angela Heider-Willms verantwortet die Berichterstattung zu den Themen Transformation, Change Management und Leadership. Zudem beschäftigt sie sich mit dem Thema Diversity.

