7,5 Millionen Beschäftigte fallen unter die Tarifverträge, die in der Tarifrunde 2025 auslaufen. Das zeigen Daten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung: „Die Tarifrunde 2025 wird eher eine kleine Tarifrunde, die insgesamt deutlich weniger Beschäftigte als gewöhnlich umfasst“, kommentiert Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs. Zum Vergleich: 2024 wurden und werden Tarifverträge von rund 12 Millionen Menschen neu verhandelt, liefen in diesem Jahr doch bestehende Tarifvereinbarungen in nahezu allen großen Branchen aus. So etwa im Bauhauptgewerbe, in der Chemischen Industrie, im Einzelhandel und in der Metall- und Elektroindustrie.
2025 dahingegen werden Vergütungsbedingungen meist in kleinen Tarifbranchen neu verhandelt. Die einzige Ausnahme bildet der Öffentliche Dienst, in dem etwa 3 Millionen Beschäftigte betroffen sein werden.
Info
Die nächsten Kündigungstermine der Tarifverträge
September 2024:
- Metall- und Elektroindustrie (3.728.000 Beschäftigte)
- Maler- und Lackiererhandwerk (ohne Saarland) (132.000 Beschäftigte)
- Gastgewerbe Baden-Württemberg (103.000 Beschäftigte)
- Dachdeckerhandwerk (72.000 Beschäftigte)
November 2024:
- Privates Verkehrsgewerbe Bayern (131.000 Beschäftigte)
- Volkswagen AG (99.000 Beschäftigte)
Dezember 2024:
- Öffentlicher Dienst, Bund und Gemeinden, Nahverkehr (2.940.000 Beschäftigte)
- Gebäudereinigungshandwerk (Arbeiter und Arbeiterinnen) (491.000 Beschäftigte)
- Deutsche Post AG (160.000 Beschäftigte)
- Bewachungsgewerbe Hessen, Baden-Württemberg, Bayern (67.000 Beschäftigte)
- Kunststoff verarbeitende Industrie Hessen, Ost (54.000 Beschäftigte)
Januar 2025:
- Papier, Pappe und Kunststoff verarbeitende Industrie (72.000 Beschäftigte)
März 2025:
- Kfz-Gewerbe (415.000 Beschäftigte)
- Deutsche Bahn AG (180.000 Beschäftigte)
- Versicherungsgewerbe (178.000 Beschäftigte)
- Kunststoff verarbeitende Industrie Bayern (71.000 Beschäftigte)
Juni 2025:
- Gastgewerbe Berlin (60.000 Beschäftigte)
September 2025:
- Zeitarbeit (Gesamtverband der Personaldienstleister) (700.000 Beschäftigte)
- Eisen- und Stahlindustrie (ohne Saarland) (85.000 Beschäftigte)
- Privates Verkehrsgewerbe Niedersachsen (76.000 Beschäftigte)
Oktober 2025:
- Öffentlicher Dienst Länder (ohne Hessen) (1.067.000 Beschäftigte)
- Holz und Kunststoff verarbeitende Industrie (150.000 Beschäftigte)
- Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (64.000 Beschäftigte)
Dezember 2025:
- Ortskrankenkassen (AOK), Barmer, DAK (79.000 Beschäftigte)
- Gastgewerbe Hessen, Brandenburg (79.000 Beschäftigte)
- Bewachungsgewerbe (53.000 Beschäftigte)
Einen detaillierten Überblick über die Kündigungstermine in zahlreichen weiteren Branchen finden Sie hier.
Die Ergebnisse 2024
Für viele der 2024 auslaufenden Tarifverträge gibt es bereits neue Vereinbarungen. In den wichtigsten Branchen wurden folgende Vergütungsvereinbarungen getroffen.
Bauhauptgewerbe
Mit dem Tarifvertrag Bau wurde im Juni 2024 eine Lohn- und Gehaltserhöhung für die Mitarbeitenden der Branche in drei Stufen beschlossen. Insgesamt wird sich so das Gehalt im Westen um 9,3 Prozent bis April 2026 erhöhen, im Osten bis April 2025 um 7,2 Prozent und dann 2026 an die Verhältnisse im Westen angepasst. Zudem wurde die Vergütung der Auszubildenden ab Mai 2024 bundeseinheitlich auf 1.080 Euro erhöht. Im April 2026 soll sie nochmal um 3,9 Prozent angehoben werden. Der neue Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 36 Monaten.
Chemische Industrie
Bis zum April 2025 wird es für die Tarifbeschäftigten in der Chemischen Industrie einen Gehaltsanstieg von 6,85 Prozent in zwei Stufen geben. Die zweite Stufe der Entgelterhöhung (4,85 Prozent mehr) ist flexibilisiert. Heißt: Sie kann aus wirtschaftlichen Gründen bis zu drei Monate verschoben werden. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags liegt bei 20 Monaten.
Einzelhandel
Stufenweise erhalten Beschäftigte im Einzelhandel (je nach Region kann es leichte Abweichungen geben) insgesamt bis zum Mai 2025 13,7 Prozent mehr Gehalt. Auch bekommen sie einen Inflationsausgleich von 1.000 Euro bezahlt. Die neuen Vereinbarungen sind für 36 Monate gültig.
Metall- und Elektroindustrie
IG Metall und Arbeitgeberseite haben sich am 12. November auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Demnach steigen Löhne und Gehälter um 5,1 Prozent, zudem soll es eine Einmalzahlung geben. Bei einer Laufzeit von 25 Monaten gibt es zum April kommenden Jahres zunächst zwei Prozent, zum April 2026 weitere 3,1 Prozent mehr Geld. Dazu kommt eine Einmalzahlung von 600 Euro sowie ab 2026 eine dauerhafte Anhebung des tariflichen Zusatzgeldes, einer jährlichen Sonderzahlung.
Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI, glaubt an den Nutzen von Tarifverhandlungen: „Tarifverhandlungen sind wichtige Orte gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse“, sagt sie. „Eine gelungene Tarifpartnerschaft stärkt den sozialen Frieden.“
Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch das Thema Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit und das HR Forum Banking.

