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Lohnlücke bei studentischen Jobs kaum noch vorhanden, danach weitet sich die Schere

Während Frauen insgesamt im Schnitt 18 Prozent weniger Bruttolohn bekommen als Männer, sieht es bei studentischen Nebenjobs besser aus: Hier war der Equal Pay Day dieses Jahr schon am 2. Januar. 2021 verdienten Studenten im Schnitt 11,75 Euro pro Stunde, Studentinnen kamen auf 11,67 Euro – das ergibt eine Lohnlücke von nur noch 0,6 Prozent. Die studentischen Gehälter haben sich in den letzten Jahren immer mehr angenähert: 2013 lag der Gender Pay Gap noch bei 3,6 Prozent, stieg dann 2015 wieder an auf vier Prozent und ging danach fast kontinuierlich zurück. 2020 betrug die Lohnlücke noch 1,6 Prozent. Es bestehen jedoch deutliche Unterschiede je nach Branche. Während es in der Gastronomie gar keinen Gender Pay Gap mehr gibt, erhalten Studenten im Einzelhandel 3,5 Prozent mehr als ihre weiblichen Kollegen.

In zwei Bereichen verdienen jedoch die Frauen besser: In den gefragten Jobs in der IT- und Softwarebranche (wo der Anteil an Frauen in der Belegschaft traditionell klein ist) bekommen sie 2,5 Prozent mehr als Männer, in Marketing und Marktforschung beträgt die Lohnlücke 1,5 Prozent zu ihren Gunsten. Das zeigt die Studienreihe „Fachkraft 2030“ (früher „Fachkraft 2020“), die Jobvalley, eine deutsche digitale Plattform rund um flexible Jobs für Studenten und Absolventen, seit 2012 veröffentlicht. Das Forschungsprojekt steht unter der Schirmherrschaft des Departments of Labour Economics der Maastricht University. Für die Studie wurden bislang über 360.000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen repräsentativ befragt.

Absolventinnen sind in Sachen Gehalt bescheidener als Absolventen

Obwohl Studentinnen inzwischen bei den Gehältern fast mit ihren männlichen Kommilitonen gleichgezogen haben, gehen sie an den Berufseinstieg nicht mit denselben Verdiensterwartungen heran. Bei gleichem Studienfach und gleicher Branche rechnen sich Männer durchschnittlich 7,3 Prozent mehr Geld aus als Frauen. Das macht eine Differenz von 3.100 Euro Jahresgehalt aus. Im Verlauf des späteren Berufslebens übersteigen die Gehaltserwartungen der Männer die der Frauen sogar um 20,4 Prozent – das ergibt 12.500 Euro mehr pro Jahr.

„Frauen sollten bei der eigenen Gehaltserwartung generell etwas höher ansetzen und damit den Männern gleichziehen“, so der Rat von Petra Ehrhard, VP Marketing bei Jobvalley. „Den eigenen Wert nicht unterschätzen, selbstbewusst in Verhandlungen gehen – ein wichtiger Tipp für Frauen, egal ob zum Berufseinstieg oder mit 20 Jahren Berufserfahrung.“ Ehrhard ist allerdings der Ansicht, dass nicht nur Symptome bekämpft werden sollten, sondern dass auch anerzogene Eigenschaften wie stärkere Selbstkritik und Zurückhaltung von Frauen sowie falsche Rollenbilder und gesellschaftliche Erwartungen angegangen werden müssen.

Info

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.