Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

So motivierte BMW Mitarbeitende, sich mit dem Thema bAV auseinanderzusetzen

Es sei ihnen nur teilweise um den Wechsel der Beschäftigten in ein neues bAV-System gegangen. Vielmehr sei es das Ziel von Sandra Rubin-Schwarz, Leiterin Vergütung und Zusatzleistungen, und ihrem Kollegen Wolfgang Degel, Leiter betriebliche Altersversorgung Deutschland, gewesen, dass sich die BMW-Mitarbeitenden bewusst mit dem Thema bAV auseinandersetzen. Deshalb motivierten sie die Beschäftigten dazu, sich für eine von zwei Lösungen der betrieblichen Altersvorsorge zu entscheiden. Wie genau sie den Entscheidungsprozess begleiteten, erzählten die beiden beim 6. Praxisforum Total Rewards.

Vor ein paar Jahren führte BMW ein neues Vorsorgesystem ein. Hatte das Unternehmen seinen Mitarbeitenden zuvor eine Festbetragszusage je nach deren Einstufung gemacht, so gab es als neues System ein flexibleres Modell. Dabei zahlen Arbeitgeber einen gewissen Betrag ein, aber auch Arbeitnehmer tun dies und können die beigesteuerte Summe ändern, wenn sie das möchten. Beide Beträge werden in Fonds eingezahlt. Der dritte Bestandteil der bAV sind Fonds. So soll die in der Rente ausgezahlte Endsumme mithilfe des Marktes vergrößert werden. Für das neue Modell war Rubin-Schwarz und Degel Transparenz wichtig. Sie führten ein Tool ein, in dem die Beschäftigten jederzeit sehen können, wie viel Geld sie wann eingezahlt haben und was aktuell die geschätzte Höhe der Auszahlung ist. „Wenn Sie mit Fonds arbeiten, müssen Sie Transparenz herstellen“, sagte Degel. „Einmal im Jahr einen Kontoauszug zu verschicken, ist zu wenig.“

45.000 Mitarbeitende sollten sich entscheiden

Obwohl Rubin-Schwarz und Degel von der neuen und flexibleren bAV überzeugt sind, hätten sie die Mitarbeitenden nicht zwingen wollen, zu dieser zu wechseln. Die Wahl sollte freiwillig für alle Jahrgänge nach dem Geburtsjahr 1965 sein, die älteren Jahrgänge blieben bei der alten Vorsorge. Das stellte rund 45.000 Mitarbeitende vor eine Entscheidung.

Damit die Beschäftigten ihre Wahl begründet treffen konnten, mussten Rubin-Schwarz und Degel ein Wechselangebot formulieren – das mit dem Betriebsrat abgestimmt ist. „Es war schwer, die Balance zwischen rechtssicherer und verständlicher Kommunikation zu finden“, gestand Rubin-Schwarz ein. „Zudem mussten wir eine heterogene Gruppe ansprechen.“ Das Ergebnis der Abwägung war es, der Rechtssicherheit Vorrang zu gewähren. „Das Wechselangebot liest sich nicht als Abendlektüre, ist aber rechtssicher“, sagte die Vergütungsleiterin. Im Angebot stand auch geschrieben, dass sich die Mitarbeitenden innerhalb von eineinhalb Monaten für eines der beiden bAV-Modelle entscheiden sollten.

In die Entscheidungsfindung seien Rubin-Schwarz, Degel sowie die bAV-Kolleginnen und -Kollegen miteinbezogen gewesen. Sie nahmen rund 15.000 Anrufe und 6.000 E-Mails von Mitarbeitenden entgegen, die Nachfragen hatten. Etwa 80 Prozent der Fragen hätten sich geähnelt und das Team konnte sie deshalb per Q&A-Tool im Intranet allen beantworten. Degel berichtete allerdings auch von Beschäftigten, die teilweise 15 Fragen stellten und genau wissen wollten, auf was sie sich bei beiden bAV-Lösungen einließen. Solche Anfragen hätten Zeit gekostet – bis zu zwei Stunden habe das Team in die Beantwortung pro E-Mail gesteckt.

Experten waren mit der Rücklaufquote zufrieden

Für Rubin-Schwarz und Degel hat sich der Einsatz eigenen Aussagen zufolge gelohnt. 79 Prozent der Mitarbeitenden hätten sich aktiv für eine der beiden bAVs entschieden. 80 Prozent davon sind zur neuen Vorsorgeregelung geswitcht. Daraus ergebe sich eine finale Wechselquote von 65 Prozent. Alle, die sich nicht entschieden haben, sind bei der Altersvorsorge geblieben, die sie vorher hatten. „Wir wollten, dass sich die Mitarbeitenden mit dem Thema bAV beschäftigten“, sagte Degel. „Und das haben sie zum Großteil getan.“

Alles zum Thema

Special: 6. Praxisforum TOTAL REWARDS

Nachhaltigkeit, Transformation und Flexibilisierung: Wie wirken sich die Entwicklungen auf Vergütungs- und Benefitssysteme aus? Antworten gab es beim Praxisforum Total Rewards in Frankfurt am Main.

Der Artikel erschien parallel auf unserer Schwesterseite Total Rewards.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.

Themen
Sie wollen uns die Meinung sagen?
Nur zu!
Jetzt Feedback geben & Prämie erhalten »
Sie wollen uns die Meinung sagen?
Nur zu!
Jetzt Feedback geben & Prämie erhalten »