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6. Praxisforum Total Rewards: Das beschäftigt die Comp- & Ben-Experten

Das sechste Praxisforum Total Rewards hat Compensation-and-Benefits-Expertinnen und -Experten einen Überblick über die Trendthemen ihrer Profession und Raum fürs Netzwerken gegeben. Bei acht Vorträgen und Interviews im Marriott Hotel in Frankfurt am Main haben die Rednerinnen und Redner sehr offen und detailliert ihre Projekte vorgestellt, praktische Tipps für die Implementierung neuer Systeme gegeben und sich den Fragen der Teilnehmenden gestellt. Veranstalter war die F.A.Z. Business Media GmbH und die Personalwirtschaft.

Obwohl die Welt der Benefits und Vergütung äußerst divers ist, wurden einige aktuelle Trends sichtbar: So geht es momentan in vielen Unternehmen darum, unterschiedliche, teilweise veraltete Systeme zu standardisieren. Diese neuen Vorgehensweisen gilt es beim Aufbau des neuen Prozesses transparent zu gestalten und ihn nach der Fertigstellung rechtssicher sowie verständlich gegenüber den Mitarbeitenden zu kommunizieren. Das kann auch Diskussionen mit den Beschäftigten nach sich ziehen – auf die es gilt, vorbereitet zu sein.

Die BMW Group war es, als sie von ihren Mitarbeitenden verlangte, sich für eines der beiden bAV-Systeme des Automobilunternehmens zu entscheiden. Dabei stellte sich das Vergütungs- und bAV-Team eigenen Aussagen nach nicht weniger als 15.000 Anrufen und 6.000 E-Mails. Zuvor hatte das Unternehmen für seine Beschäftigten eine neue Altersvorsorge eingerichtet, die nicht mehr eine Leistungszusage ist, sondern eine beitragsorientierte Zusage mit Kapitalauszahlungen, wie Sandra Rubin-Schwarz, Leiterin Vergütung und Zusatzleistungen, und Wolfgang Degel, Leiter der betrieblichen Altersvorsorge im Interview verrieten.

15 unterschiedliche Vergütungssysteme zusammenfügen

Während es BMW eigenen Aussagen nach nicht darum ging, alle Mitarbeitenden durch die neue Altersvorsorge zu unterstützen, wollte Nestlé die bestehenden Vergütungssysteme gezielt standardisieren. Dafür sei Geduld gefragt gewesen, erzählte Heiko Rangwich, Head of CoC Total Rewards and Global Mobility, beim Praxisforum. Denn der Vereinheitlichungsprozess habe rund zehn Jahre in Anspruch genommen. Der Grund: die Unternehmensgröße. Systeme von mehr als 15 Gesellschaften mit 25 Betriebsräten mussten unter den Vorgaben der Konzernzentrale zusammengeführt werden.

Alles andere als eine einfache Aufgabe, die zahlreiche Gespräche mit allen Involvierten benötigte. „Wenn ich etwas ganz schnell haben will, wird es meist teuer“, versuchte Rangwich die harte Verhandlungsarbeit positiv zu sehen. Zum Endprodukt von Nestlé zähle nun auch ein einheitliches IT-System für Vergütungsdaten, ab 2023 sollen die Beschäftigten jeweils ihren Teil davon sehen können – ein Schritt zu mehr Transparenz. „Wir wollen Diskussionen über das Geld mit den Mitarbeitenden führen“, sagte Rangwich.

Mitarbeitenden Entscheidungsmacht geben

Doch bei den Diskussionen hört es vielerorts nicht auf. Denn Beschäftigte können immer mehr mitentscheiden, wie sie ihre Benefits genau nutzen möchten und mit welcher Intensität. Das kann bei der bAV sein, wo Mitarbeitende entscheiden können, wie hoch ihr Beitrag ist und wie sich dementsprechend auch die Beträge der Altersvorsorge erhöhen. Ihr Entscheidungsspielraum kann aber auch darin liegen, für welche Gesundheitspräventionen und -Behandlungen sie ihre Zuschüsse verwenden möchten. Beispiele hierfür lieferten Expertinnen und Experten von des Industriekonzerns GEA-Group und der Krankenversicherung Hallesche.

Dass Gesundheit und das generelle Wellbeing der Mitarbeitenden als Benefit immer wichtiger wird, zeigte der Versicherer und Risikomanagementberater Aon mit der Vorstellung einer eigenen Studie und betonte dabei auch die Wichtigkeit von zwischenmenschlichen Beziehungen und Anerkennung der Leistung: „Ein Gehalt ohne Wertschätzung ist Schmerzensgeld“, ergänzte Volker Nürnberg, Partner für Gesundheitsmanagement, der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO.

Alles zum Thema

Special: 6. Praxisforum TOTAL REWARDS

Nachhaltigkeit, Transformation und Flexibilisierung: Wie wirken sich die Entwicklungen auf Vergütungs- und Benefitssysteme aus? Antworten gab es beim Praxisforum Total Rewards in Frankfurt am Main.

Wer welches Gehalt und welche Vergütung bekommt, hängt oftmals auch mit der Position und der vollbrachten Leistung zusammen – wobei auch hier sich gerade viel in der Szene tut. Denn die Frage „An welche Faktoren soll das Gehalt gekoppelt sein – Unternehmenserfolg oder Einzelziele?“ ist weiterhin aktuell. Auch dafür lohnt es sich, standardisierte Parameter einzuführen. Dies tat auch Keynote-Speakerin Bentje Grünewald, Teammanager Compensation & HR Systems beim Mobilitätsdienstleister DKV Mobility, in ihrem Unternehmen. Sie führte gemeinsam mit dem HR-Team beim Mittelständler ein neues Stellenbewertungssystem und eine einheitliche Vergütungsstruktur ein, und beschrieb den Teilnehmenden des Praxisforums, wie genau ihr das gelungen ist.

Peter Devlin, Partner bei Deloitte, und sein Team stellten gemeinsam mit Tobias Gnaier, Senior Project Manager HR, und Thomas Riedl, Specialist HR Controlling & Organization bei der VW-Tochter Traton, zudem vor, wie eine neue Jobarchitektur aufgebaut werden kann und welche vier Elemente dabei eine zentrale Rolle spielen. Nämlich die Jobfamilie und ihre Subgruppe, die Jobrolle sowie die Jobposition. Auch hier stand erneut die Standardisierung im Zentrum, die wiederum eine neue transparente Kommunikation über Gehälter und Benefits ermöglicht. Und dann gilt es natürlich bei allen Veränderungen das Arbeitsrecht zu berücksichtigen. Welche neuen arbeitsrechtlichen Herausforderungen die Pläne der Koalition bereithalten, erklärte Markus Künzel, Partner der Kanzlei Advant Beiten.

Das nächste Praxisforum Total Rewards findet im Frühjahr 2023 statt.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.