Trotz Gewinnrückgang zahlt Mercedes Erfolgsbeteiligung

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Der Autobauer Mercedes-Benz zahlt in diesem Jahr seinen rund 85.000 Mitarbeitenden im Tarifbereich in Deutschland eine Ergebnisbeteiligung. Diese bemisst sich an den Ergebnissen des Jahres 2025. Demnach erhält jeder Beschäftigte laut Aussagen des Unternehmens voraussichtlich bis zu 3.139 Euro. Die Höhe der Beteiligung hängt von den Ergebnissen des Geschäftsjahres 2025 ab. Die genauen Zahlen werden erst im März vorliegen.

Mit der Beteiligung will das Unternehmen eigenen Aussagen zufolge das Engagement seiner Mitarbeitenden „in einem weiterhin herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld“ anerkennen. Britta Seeger, Vorstand für Personal und Arbeitsdirektorin der Mercedes-Benz Group, würdigte den „Pioniergeist und den unbedingten Willen zum Erfolg“, den die Mitarbeitenden gezeigt hätten.

Bei Mercedes-Benz gibt es seit 1997 eine Ergebnisbeteiligung für die Tarifbeschäftigten. Diese fällt parallel zu den Gewinneinbrüchen seit ein paar Jahren immer kleiner aus. Ob es für das Jahr 2026 überhaupt noch eine Erfolgsbeteiligung geben wird, steht laut Medienberichten noch aus. Denn dann läuft die entsprechende Betriebsvereinbarung aus.

Für 2025 wird die Beteiligung noch gezahlt. Da der Konzern aber im Jahr 2025 einen deutlichen Rückgang bei seinem Umsatz verzeichnet, ist auch die Beteiligung am Gewinn gesunken. Bei der vorherigen Ergebnisbeteiligung, also für das Jahr 2024, konnte sich jeder Beschäftigte noch über einen Bonus von bis zu 5.220 Euro freuen. Eine Rekordprämie in Höhe von 7.300 Euro hat Mercedes-Benz im Jahr 2024 für das Jahr 2023 an seine Belegschaft ausgezahlt.

Zusätzlich zur Ergebnisbeteiligung will Mercedes-Benz in diesem Jahr seinen Beschäftigten in Deutschland – anlässlich des 140. Firmenbestehens – eine Jubiläumsaktie schenken. Damit lässt das Unternehmen seine Mitarbeitenden direkt am Unternehmenserfolg, zukünftigen Dividenden und Wertsteigerungen teilhaben.

Betriebsrat darf mitreden

Die Höhe der Ergebnisbeteiligung bei Mercedes richtet sich, wie es in einer Pressemitteilung des Konzerns heißt, nach einer transparenten Berechnungslogik, welche die finanzielle Zielerreichung des Unternehmens – EBIT und (Free) Cash Flow – sowie die konsequente Umsetzung der nachhaltigen Geschäftsstrategie berücksichtigt. Sie ist nicht vom individuellen Gehalt abhängig.

Aus dem Unternehmen heißt es auf Nachfrage, „Unternehmensleitung und Gesamtbetriebsrat legen gemeinsam die Berechnungslogik für die Ergebnisbeteiligung im Rahmen einer Gesamtbetriebsvereinbarung fest“. Bei dem Autokonzern haben alle Mitarbeitenden einen vollen Anspruch auf die Ergebnisbeteiligung, die im gesamten Geschäftsjahr in einem aktiven Vollzeit-Arbeitsverhältnis bei bestimmten Konzerngesellschaften beschäftigt waren. Mitarbeitende, die im betreffenden Geschäftsjahr neu eingetreten sind oder in Teilzeit gearbeitet haben, erhalten die Beteiligung anteilig.

Generell müssen Unternehmen bei der Ergebnisbeteiligung den Betriebsrat – wenn es einen gibt – einbeziehen. Dieser hat bei der Einführung einer solchen Beteiligung ein Mitbestimmungsrecht (§ 87 Abs. 1 Nr. 10 BetrVG). Demnach darf er bei den Verteilungsgrundsätzen mitbestimmen. Konkret heißt das, er darf mitreden, welche Arbeitnehmergruppen beteiligt werden, in welcher Form die Beteiligung ausgegeben werden soll – etwa in Geld oder Aktien – und nach welchen Kriterien ausgeschüttet wird, beispielsweise nach Betriebszugehörigkeit oder Leistung.

Ob eine Beteiligung eingeführt wird und in welcher Höhe Mitarbeitende beteiligt werden, ist dagegen allein die Entscheidung des Arbeitgebers. Die Einigung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat zur Erfolgsbeteiligung halten beide Seiten üblicherweise gemäß §77 BetrVG in einer Betriebsvereinbarung fest. Sollten Unternehmen entscheiden, eine bestehende Gewinnbeteiligung zu ändern oder zu streichen, muss wiederum der Betriebsrat einbezogen werden – wie bei allen Grundsätzen zur Entlohnung.

Erfolgsbeteiligung trotz Gewinneinbruch

Die Ergebnisbeteiligung bei Mercedes für das Jahr 2025 überrascht, denn die Zahlen des Unternehmens sind alles andere als rosig: Der Gewinn von Mercedes ist im Jahr 2025 massiv eingebrochen und hat sich gegenüber dem Vorjahr beinahe halbiert (–48,8 Prozent). Lag er im Jahr 2024 noch bei 10,4 Milliarden Euro, sank er 2025 auf 5,3 Milliarden Euro, wie der Autobauer mitteilte. Zuletzt hatte Mercedes im Jahr 2019 einen gegenüber dem Vorjahr sinkenden Überschuss erzielt.

Ursachen für die aktuellen Rückgänge sind laut Unternehmensangaben Zölle, negative Wechselkurseffekte und der intensive Wettbewerb in China. China ist weiterhin das wichtigste Abnehmerland für Mercedes. Fast ein Drittel aller Pkw verkauft der Stuttgarter Autobauer dorthin.

Sparprogramm stärkt Profitabilität

Auf die angespannte Lage hat das Unternehmen bereits vor einem Jahr reagiert und ein Sparprogramm ausgerufen, um den Autobauer profitabler zu machen. Das zeigte Wirkung: Durch Kosteneinsparungen von mehr als 3,5 Milliarden Euro in der Pkw-Sparte konnte ein Teil des Gewinnverlustes kompensiert werden. Die weiterhin schlechten Zahlen veranlassen das Unternehmen allerdings, das Sparprogramm fortzusetzen. CEO Ola Källenius sagte: „Mit einem klaren Plan und einem sehr wettbewerbsfähigen Produktportfolio treibt Mercedes die Transformation konsequent voran.“

Für 2026 rechnet die Mercedes-Benz-Gruppe damit, dass der Konzernumsatz etwa auf Vorjahresniveau stagnieren wird. Der Gewinn dürfte aufgrund der im Vorjahr angefallenen Restrukturierungsaufwendungen jedoch deutlich über dem des Vorjahres liegen. Ziel ist es, bis 2027 die Produktionskosten um 10 Prozent zu senken. Auch die Fixkosten sollen bis 2027 um weitere 10 Prozent sinken. Helfen soll dabei auch ein Abfindungsprogramm für Beschäftigte in indirekten Bereichen, also nicht in der Produktion.

Kirstin Gründel beschäftigt sich mit den Themen Compensation & Benefits, Vergütung und betriebliche Altersvorsorge. Zudem kümmert sie sich als Redakteurin um das Magazin "Comp & Ben". Sie ist redaktionelle Ansprechpartnerin für das Praxisforum Total Rewards.