Deutsche HR-Fachleute fühlen sich weniger in der Lage, Herausforderungen zu bewältigen, als ihre internationalen Kollegen und Kolleginnen. Das zeigt eine dreijährige, vergleichende Untersuchung von Culture Amp, einer Plattform für Employee Experience, und Thrive an der Monash Business School in Australien.
2020, zu Beginn der Corona-Pandemie, fühlten sich 45 Prozent der Personalverantwortlichen weltweit in der Lage, ihre persönlichen und beruflichen Herausforderungen zu bewältigen. In den folgenden Jahren, 2021 und 2022, sank diese Zahl auf 40 Prozent. Während sie sich 2023 weltweit wieder bei 44 Prozent einpendelte, fiel sie in Deutschland auf 38 Prozent. Deutschen Personalverantwortlichen fällt es im internationalen Vergleich also schwerer, unterschiedliche berufliche und private Anforderungen zu meistern.
Deutsche Personalverantwortliche sind widerstandsfähiger geworden
Dennoch empfinden sich HR-Fachkräfte in Deutschland inzwischen als widerstandsfähiger. 2020 fühlten sich nur 31 Prozent von ihnen für schwierige Zeiten am Arbeitsplatz gewappnet; 2023 stieg diese Zahl auf 57 Prozent. Mehr als die Hälfte der deutschen Personalverantwortlichen fühlt sich also für schwierige Zeiten gerüstet – dies könnte ein Nebeneffekt der durchgestandenen Herausforderungen der Pandemiezeit sein.
In der Lage, den Anforderungen ihrer beruflichen Rolle gerecht zu werden, fühlten sich dieses Jahr allerdings weniger Befragte, nämlich 42 Prozent. Mehr als die Hälfte hat also nicht das Gefühl, am Arbeitsplatz die Unterstützung zu erhalten, die sie benötigen. Das trägt vielleicht auch dazu bei, dass nur mehr als ein Drittel (37 Prozent) von deutschen HR-Fachkräften angeben, von der Arbeit abschalten zu können und sich Zeit für Erholung und Entspannung zu nehmen. Zum Vergleich: In Großbritannien stimmen dieser Aussage fast die Hälfte (49 Prozent) der Personalverantwortlichen zu.
Dr. Arne Sjöström, Lead People Scientist bei Culture Amp, kommentiert die Ergebnisse: „Diese Daten sollten ein klarer Aufruf an die Unternehmen sein, sich vermehrt um ihre HR-Teams zu kümmern und ihnen die nötige Unterstützung zu bieten. HR-Fachkräfte sollten sich zudem in Erinnerung rufen, dass sie auf Selbstfürsorge achten müssen, um ihre eigene psychische Gesundheit zu schützen, damit sie ihre Organisation bei der Bewältigung aktueller und zukünftiger Herausforderungen unterstützen können.“
Info
Culture Amp und Thrive an der Monash Business School, die größte Universität Australiens, führten zusammen die Umfrage durch. Die Daten erhoben sie weltweit zwischen dem 3. Juni 2020 und dem 4. Juni 2023. Befragt wurden 9.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Personalabteilungen, 296 von ihnen aus der DACH-Region.
Stefanie Jansen war 2022 und 2023 Volontärin in der Redaktion der Personalwirtschaft. Ihre Themenschwerpunkte waren Aus- und Weiterbildung, der Job HR und neue Arbeitszeitmodelle.

