Frage an die HR-Werkstatt: Wie schaffen es Unternehmen, passende Auszubildende zu gewinnen und zu halten?
Es antwortet: Patrick Löffler, Gründer und Geschäftsführer von givve
Ein erfolgreiches Unternehmen setzt auf eine Personalstrategie, die nicht nur talentierte Nachwuchskräfte anzieht, sondern auch engagierte Mitarbeitende auf die Zukunft vorbereitet. Ansetzen sollten Unternehmen hierfür bereits bei einem durchdachten Onboarding-Prozess für Auszubildende. In einem immer kompetitiveren Umfeld sehen sich Personalverantwortliche allerdings mit sinkenden Zahlen an Bewerbungen konfrontiert. Die Gründe sind vielfältig und reichen von sich verändernden Arbeitsmarktpräferenzen bis hin zu demografischen Verschiebungen.
Angesichts dieser tiefgreifenden Veränderungen ist Employer Branding für Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Es geht nicht mehr nur um qualitativ hochwertige Ausbildungsprogramme, sondern auch um eine inklusive Unternehmenskultur und attraktive Benefits für Mitarbeitende. Transparenz und Fairness sind dabei Kernpunkte einer jeden Talent-Management-Strategie und sollten unter anderem eine marktkonforme Vergütung sowie kontinuierliche Weiterbildungsmöglichkeiten umfassen.
Im Folgenden werden einige Schlüsselinitiativen beleuchtet, die Unternehmen ergreifen können, um sich als führende Ausbilder zu positionieren und die besten Talente von morgen anzuziehen.
Employer Branding und Corporate Identity
Ein Unternehmen sollte nicht nur für seine Produkte oder Dienstleistungen bekannt sein, sondern auch als attraktiver Arbeitgeber. Digitale Präsenz und Employer Branding spielen in der heutigen hypervernetzten Welt eine entscheidende Rolle. Professionell gestaltete Social-Media-Profile mit authentischen Einblicken in die Unternehmenskultur können als effektive Talentmagneten dienen. Employer Value Propositions (EVP) sollten klar formuliert und über verschiedene Kommunikationskanäle hinweg konsistent vermittelt werden.
Recruitment Process Outsourcing (RPO) und Bewerbermanagement
Effiziente und effektive Bewerbungsprozesse durch RPO- und Applicant-Tracking-Systeme (ATS) sind entscheidend, um talentierte Auszubildende frühzeitig zu identifizieren und etwa durch Personalentwicklungspläne – die mit den Beschäftigten besprochen werden – zu binden. Neben Standardprozessen sollten innovative Ansätze wie gamifizierte Auswahlverfahren und AI-gestützte Skills-Assessments in Betracht gezogen werden.
Arbeitskultur und Organisationsentwicklung
Es ist wichtig, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich Auszubildende willkommen und geschätzt fühlen. Eine dynamische Unternehmenskultur, die auf kontinuierlicher Weiterentwicklung, Feedback, Teamarbeit und offener Kommunikation basiert, ist hier ein Schlüsselfaktor, um junge Menschen als Auszubildende anzuziehen und langfristig zu binden. Es zeigt, dass das Unternehmen ein unterstützendes und attraktives Arbeitsumfeld bietet, in dem sich junge Talente entwickeln können.
Vergütungsmanagement und Benefits
Neben einer angemessenen Ausbildungsvergütung sind variable Vergütungsmodelle und nicht-monetäre Zusatzleistungen wichtige Differenzierungsmerkmale im Wettbewerb und ein attraktiver Anreiz für junge Talente.
Der steuerfreie Sachbezug im Rahmen der 50 Euro Freigrenze ist hier eine der beliebtesten und weitverbreitetsten Formen. Arbeitgeber können auch das Mittagessen mit bis zu 6,90 Euro bezuschussen. Diese Art von Zusatzleistungen ermöglicht es, die täglichen Bedürfnisse, etwa im örtlichen Supermarkt oder den Mittagstisch im Restaurant nebenan, einfacher zu decken und entlasten Auszubildende finanziell.
Fortschrittliche Unternehmen gehen noch einen Schritt weiter und bieten Mobilitätszuschüsse – Zuschüsse für den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV-Tickets) oder das Leasing von Fahrrädern an.
CSR und Nachhaltigkeit
Nachhaltiges Handeln und soziale Verantwortung sind in der heutigen Zeit nicht nur ethisch, sondern auch für die Arbeitgeberattraktivität von entscheidender Bedeutung. Unternehmen, die diese Werte in ihre Unternehmenskultur integrieren und sie aktiv leben, werden wahrscheinlich besser in der Lage sein, die Generation Z als Auszubildende zu gewinnen. Bemühungen in diesen Bereichen sollten klar kommuniziert und ehrlich gelebt werden.
Flexibilität und Work-Life-Integration
Flexible Arbeitsmodelle sind heute für viele Auszubildende von zentraler Bedeutung bei der Auswahl eines Arbeitgebers. Es zeigt, dass das Unternehmen ein modernes und mitarbeiterorientiertes Arbeitsumfeld schafft, in dem die individuellen Bedürfnisse und Wohlbefinden der Auszubildenden geschätzt werden. Zusätzlich ist es wichtig, eine Unternehmenskultur zu fördern, die die Wertschätzung von Freizeit und Erholung betont. Dazu gehören klare Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit, die Förderung von Pausen und Erholungszeiten sowie die Vermeidung von Überstunden.
Info
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Insgesamt stehen Ausbildungsbetriebe vor der Herausforderung, sich in vielfältiger Weise um geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu bemühen. Eine erfolgreiche Positionierung erfordert eine gelungene digitale Präsenz, authentische Einblicke in das Unternehmen, attraktive finanzielle Anreize und transparente Kommunikation. Nur durch diese ausgewogene Kombination aus strategischem Human-Capital-Management, digitalem Employer Branding und einer nachhaltigen Talent-Pipeline-Strategie können Unternehmen nicht nur erfolgreich ausbilden, sondern auch langfristige Bindungen zu ihren Auszubildenden aufbauen und sich in einem wettbewerbsintensiven Markt behaupten.
Autor
Patrick Löffler ist CEO und Mitgründer von givve, einem Unternehmen, das Produkte für den steuerfreien Sachbezug entwickelt und vertreibt.

