Aktuelle Ausgabe neu

Newsletter

Abonnieren

Arbeitsbedingungen systemrelevanter Fachkräfte liegen im Argen

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Zahlreiche Beschäftigte systemrelevanter Berufe verlassen ihre Unternehmen. Eine schlechte Bezahlung und hoher Arbeitsdruck sind belastend für die Mitarbeitenden und diese Faktoren erhöhen auch maßgeblich die Wechselbereitschaft. Das Management weiß oft nicht, was die operativen Arbeitskräfte in ihrer Produktivität einschränkt. Das geht aus dem Frontline Workforce Insights Report 2024 von Beekeeper hervor. Dafür hat der Anbieter von mobilen digitalen Kommunikations- und Produktivitätslösungen im September 2023 weltweit 5.615 Frontline-Beschäftigte, 2.318 Führungskräfte und 210 leitende Mitarbeitende der Unternehmenszentralen von Betrieben systemrelevanter Branchen befragt, davon 3.700 Beschäftigte in der DACH-Region.

Niedriges Gehalt belastet Mitarbeitende am meisten

Gefragt nach den größten Belastungen am Arbeitsplatz, nannte fast jeder zweite Beschäftigte (49 Prozent) der DACH-Region niedrige Gehälter. Etwa ebenso viele sagen, dass die Bezahlung der Inflation hinterherhinkt. Der zweitgrößte Stressfaktor im Job sind unterbesetzte Schichten, also eine unzureichende Personalbesetzung, die fast ein Drittel (31 Prozent) angibt. An dritter Stelle der Stressfaktoren steht die Sicherheit am Arbeitsplatz, die ein Viertel der Mitarbeitenden (25 Prozent) anführt. Laut der Studie erleben operativ tätige Angestellte eine zunehmende Feindseligkeit seitens der Kunden, wodurch sie sich unsicher am eigenen Arbeitsplatz fühlen. Die Führungskräfte und die Unternehmenszentrale sollten ihre Einschätzung zu den größten Stressfaktoren der Mitarbeitenden angeben und sie deckt sich weitestgehend mit den Erfahrungen der Beschäftigten, allerdings unterschätzen sie das Sicherheitsbedürfnis der Frontline-Angestellten.

Unterbesetzung und mangelnde Anerkennung hemmen Produktivität

Was die Faktoren betrifft, die die Produktivität bei der Arbeit negativ beeinflussen, gehen die Vorstellungen des Managements und der operativen Mitarbeitenden deutlich auseinander. Während die Angestellten unterbesetzte Schichten (40 Prozent), fehlende Anerkennung (22 Prozent) und mangelhafte teamübergreifende Kommunikation (19 Prozent) am meisten einschränken, gehen die Führungskräfte davon aus, dass vor allem eine schlechte Arbeitsmoral (49 Prozent), unklare Teamziele (42 Prozent) und fehlende Trainings (33 Prozent) die Produktivität mindern. An diesem Punkt sind Vorgesetzte offenbar zu wenig über das informiert, was ihren systemrelevanten Mitarbeitenden zu schaffen macht und welche Bedürfnisse sie haben. Die Kluft zwischen den Wünschen der Arbeitnehmenden und dem, was das Management vermutet, werde immer größer, so die Studie. Cristian Grossmann, CEO & Co-Founder von Beekeeper, spricht von einer Entfremdung zwischen Arbeitenden und Führungskräften in systemrelevanten Berufen, die vor allem durch fehlende Kommunikation bedingt sei, die Frustration erhöhe und im schlimmsten Fall zu einem Jobwechsel führen könne.

Steigende Wechselbereitschaft in systemrelevanten Berufen

Tatsächlich haben in den zwölf Monaten vor der Befragung 29 Prozent der Teilnehmenden in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Arbeitsstelle gewechselt. Bei Führungskräften ist der Anteil mit 26 Prozent etwas niedriger. Für viele operative Mitarbeitende haben Unterbesetzung und unrealistische Arbeitsanforderungen sowie auch Fehlverhalten von Kunden zu einem toxischen Arbeitsumfeld geführt, so die Studie. Am verbreitetsten war der Wechselwille in der Gesundheitsbranche und im Logistikbereich mit jeweils 31 Prozent – Sektoren, die bekannt für harte Arbeitsbedingungen und geringe Vergütung sind. Es folgen das Bauwesen (30 Prozent), die Gastronomie (28 Prozent), der Einzelhandel und die Hotellerie (je 27 Prozent) sowie die Produktion (26 Prozent).

Eine gute Arbeitsatmosphäre ist der beste Motivator

Die systemrelevanten Beschäftigten wurden auch danach gefragt, was sie im Job am meisten motiviert. An der Spitze mit 41 Prozent der Angaben steht eine gute Arbeitsatmosphäre. Der zweite Top-Motivator ist die Zufriedenheit, die Mitarbeitende empfinden, wenn sie ihre Arbeit gut erledigt haben (32 Prozent). Auf dem dritten Platz rangiert ein positives Kundenfeedback mit 29 Prozent. Bei den Motivationsfaktoren gingen die Einschätzungen der Führungskräfte und die Antworten der Angestellten nicht so weit auseinander wie bei der Frage nach den Faktoren, die die Produktivität beeinträchtigen.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.