Deep Care, ein deutsches BGM-Start-up, konnte eine weitere Finanzierungsrunde abschließen. Der siebenstellige Betrag soll vor allem helfen, die Wachstumspläne voranzutreiben und die eigene Technologie weiterzuentwickeln. Neben Investoren wie einzelnen Sparkassen oder Volksbanken gehört auch der Bund zu den Geldgebern des Start-ups. Dieser stellte zusätzlich 650.000 Euro an direkten Fördermitteln zur Verfügung.
Deep Care brachte 2023 das erste eigene Produkt auf den Markt. Dabei handelt es sich um einen auf künstlicher Intelligenz und Sensortechnologie basierenden Gesundheitsassistenten für Büroangestellte. Das Gerät erkennt und meldet in Echtzeit Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz wie Bewegungsmangel oder schlechte Ergonomie der Arbeitsmittel. Ziel ist es, das Gesundheitsverhalten und die Arbeitsbedingungen des Nutzers oder der Nutzerin langfristig zu verbessern – egal ob im Büro oder zu Hause.
Erschließung des betrieblichen Arbeitsschutzes
In Zukunft wolle man neben der Expansion ins europäische Ausland auch den Schritt in den betrieblichen Arbeitsschutz gehen. Denn im Gegensatz zur betrieblichen Gesundheitsförderung ist dieser in Deutschland für alle Unternehmen verpflichtend. Im Zuge dessen soll die KI-Anwendung im Laufe der nächsten Monate die Durchführung verschiedener Arbeitsschutzmaßnahmen ermöglichen. „Bekanntermaßen ist die technische Ausstattung im Homeoffice häufig nicht mit modern ausgestatteten Büro- und Bildschirmarbeitsplätzen zu vergleichen. Deshalb ist die Gefährdungsbeurteilung nicht nur eine gesetzliche Anforderung, sondern auch eine notwendige Maßnahme zur Verhältnisprävention. Die Methodik von Deep Care ermöglicht eine echte Wahrnehmung der tatsächlichen Verhältnisse und erzielt eine hohe ergonomischen Wirksamkeit.“ sagt Elisabeth Strathaus, leitende Sicherheitsingenieurin bei Phoenix Contact, welche die sensorbasierte Gefährdungsbeurteilung erstmalig pilotiert.
Neben dem Gesundheitsassistenten arbeitet Deep Care auch an zwei weiteren Forschungs- und Entwicklungsprojekten. In einem der Projekte geht es beispielsweise um die Erfassung von Stressparametern am Arbeitsplatz mittels nicht-invasiver Sensorik. Dadurch soll das mentale Wohlbefinden gesteigert und die Anzahl stressbedingter Ausfälle reduziert werden. Eine Umfrage vergangenes Jahr brachte hervor, dass 85 Prozent der Befragten einem mittleren bis hohen Stressniveau ausgesetzt sind.
Deep Care wurde 2020 in Waiblingen gegründet und ist 2022 nach Ludwigsburg umgezogen. Insgesamt arbeiten 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Healthtech-Start-up. Das Jungunternehmen kann bereits Großkunden wie E.ON und die Deutsche Bahn sowie Partner wie Die Techniker und AOK vorweisen.
Frederic Haupt war Volontär der Personalwirtschaft.

