Am ersten Märzwochenende eskalierte der Konflikt, der schon Jahrzehnte zwischen den USA, Israel und Iran schwelt – mit Luftangriffen auf iranische Städte wie Teheran. Der Iran reagierte mit Rückschlägen auf US-Militärbasen, unter anderem in Dubai. Die Bundesregierung plant aktuell, Flieger nach Maskat im Oman und in die saudische Hauptstadt Riad zu schicken, um deutsche Staatsbürger aus dem Land zu holen.

Auch Unternehmen, die derzeit Mitarbeitende im iranischen Auslandseinsatz haben, müssen jetzt ihrer Fürsorgepflicht nachkommen. International SOS hat sich auf internationale Sicherheits- und Gesundheitsdienste für Unternehmen spezialisiert und ist derzeit vor Ort im Iran tätig. „Wir haben uns seit geraumer Zeit auf diese Eskalation vorbereitet. Der genaue Zeitpunkt war uns jedoch nicht bekannt“, sagt Wolfgang Hofmann, Regional Security Manager, Germany & Austria bei International SOS. Mitarbeitende werden derzeit lokalisiert, und falls möglich, entweder im Iran an einen sicheren Ort oder außer Land gebracht. „Dies wird für den Iran durch das Sanktionsregime zusätzlich erschwert“, erklärt Hofmann. Er betont die Wichtigkeit von Prävention bei Auslandsentsendungen in potenzielle Krisengebiete.
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Prävention für Krisengebiete: Was Unternehmen tun können
Wolfgang Hofmann, Regional Security Manager, Germany & Austria, International SOS, rät Unternehmen dazu, bereits vor Eintritt einer Krise Eskalations- oder Evakuierungspläne auszuarbeiten und zu implementieren.
Weitere Präventionsmaßnahmen:
– Personalabteilungen sollten Unternehmen die Notwendigkeit von Fürsorge einerseits und Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften des Arbeitsschutzes und der arbeitsmedizinischen Vorsorge anderseits klarmachen.
– Grundlage durch ein individuelles Risk Assessment schaffen, welches die Risiken und Gefahren, die ein Land mit sich bringt, vereint mit dem Profil der reisenden Personen und des entsendenden Unternehmens sowie dem Zweck der Reise.
– Mitarbeitende vor Abreise umfassend schulen, beispielsweise über das Gesundheits- und Rettungswesen vor Ort.
Mehr zum Thema lesen Sie im ausführlichen Interview mit Wolfgang Hofmann.
Risikomanagement bei politischen Krisen
Das Bewusstsein für das Risiko von geopolitischen Spannungen ist in Unternehmen zwar stark, dennoch wird es beim Risikomanagement oft nicht berücksichtigt. Das ergab die von International SOS durchgeführte Umfrage „Risk Outlook 2026“ unter 860 Führungskräften. Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, in ihrem Risikomanagement politische Krisen zu berücksichtigen. Gleichzeitig waren sie in der Umfrage der am häufigsten genannte Treiber für Unsicherheiten in der globalen Risikolandschaft. Dies bestätigt die Umfrage des World Economic Forum von 2026. Auch hier ist die Geopolitik der am häufigsten wahrgenommene Risikofaktor. Die Umfrage wurde unter rund 1.300 Expertinnen und Experten weltweit aus verschiedenen Bereichen der Wissenschaft, Wirtschaft, Regierung, internationalen Organisationen und Zivilgesellschaft durchgeführt.
Orientierung für die Gefährdungsbeurteilungen auf Reisen bietet seit 2021 die ISO 31030, ein internationaler Leitfaden, nach dem Unternehmen sich richten können. Das Auswärtige Amt hat für deutsche Staatsbürger im Ausland zudem als Krisenvorsorge den Service der Elektronischen Erfassung Deutscher im Ausland (ELEFAND) eingerichtet. Derzeit sind laut Angaben des Amtes eine mittlere dreistellige Zahl deutscher Staatsbürger im Iran registriert.
Sorgen der Belegschaft auffangen
Globale Krisen haben auch Auswirkungen auf Mitarbeitende, die nicht direkt davon betroffen sind. Sie können Sorgen und Ängste verursachen oder verstärken, die sich wiederum negativ auf das psychische Befinden auswirken. Bereits Anfang 2024 gaben in einer Umfrage des E-Learning-Anbieters Pinktum unter rund 1.000 befragten Erwerbstätigen 43 Prozent an, dass die andauernden globalen Krisen der Grund für ihre wachsende Erschöpfung sei.
Dr. Neşe Oktay-Gür berät Unternehmen zu gesunder Arbeitskultur. Aufgrund der aktuellen Weltlage verzeichnet sie einen Anstieg von Anfragen, denn „Unsicherheit ist zum Kontext fast aller Personal- und Führungsthemen geworden.“ Themen seien beispielsweise die Stärkung von Resilienz in Krisenzeiten, der Umgang mit eigenen Ängsten und das Aufrechterhalten des Teamgeists bei unsicheren Zukunftsaussichten. „Unsere Antwort darauf beginnt mit einem Perspektivwechsel“, sagt Oktay-Gür. Unsicherheit sei eine reale Belastung, kein Defizit der einzelnen Mitarbeitenden. „Es geht nicht darum, härter zu werden, sondern handlungsfähig zu bleiben.“

Der erste Schritt für HR sollte also sein, die Sorgen der Belegschaft als Thema anzunehmen. Denn Unsicherheit entstünde nicht nur durch globale Krisen, sondern auch durch unternehmensinterne Faktoren wie Restrukturierungen und Arbeitsplatzsorgen. „Was wir in der Praxis beobachten: Führungskräfte sind unsicher, was sie sagen dürfen und sagen im Zweifel lieber weniger. Doch genau das verstärkt Unsicherheit.“ Transparenz heißt laut Oktay-Gür dabei nicht, dass man auf alles eine Antwort parat haben müsse.
HR kann Kommunikation öffnen
HR sieht die Expertin hier als Übersetzerin zwischen Unternehmensentscheidungen und menschlichen Bedürfnissen. „Ein offenes Ohr, ehrliche Kommunikation und sichtbare Ansprechbarkeit sind entscheidende Stabilitätsfaktoren.“ Strategische Entscheidungen könnten von HR häufig nicht beeinflusst werden, „doch wie Menschen durch diese Phasen begleitet werden, sehr wohl.“
Sie rät dazu, Räume für informellen Austausch zu schaffen und Meetings so zu gestalten, dass auch Unsicherheiten ausgesprochen werden dürfen. Es sei schließlich nie klar, wie viele Sorgen einzelne Mitarbeitende beruflich und privat gleichzeitig tragen. Umso wichtiger sei eine Kultur der Fürsorge, der Gesprächsbereitschaft und der realistischen Erwartungen. „Das ist der zentrale Stabilitätsanker in volatilen Zeiten.“
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Im Zuge des Ukraine-Krieges hatten wir mit Mental-Health-Expertin Kimberly Breuer darüber gesprochen, wie Arbeitgeber mit den Kriegsängsten von Beschäftigten umgehen können.
Angela Heider-Willms verantwortet die Berichterstattung zu den Themen Transformation, Change Management und Leadership. Zudem beschäftigt sie sich mit dem Thema Diversity.

