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Coronafall im Betrieb: Was müssen Führungskräfte tun?

Können sich Führungskräfte auf den Fall einer Corona-Infektion im Betrieb vorbereiten?

Ja. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) empfiehlt, einen betrieblichen Pandemieplan zu erstellen. In ihm werden Zuständigkeiten festgelegt und Maßnahmen aufgeführt, die zu ergreifen sind, wenn jemand am Arbeitsplatz Symptome einer Covid-19-Erkrankung zeigt. Falls es im Unternehmen einen Betriebsarzt gibt, sollte er für eine erste Abklärung hinzugezogen werden. Wie man einen Pandemieplan erstellt und was alles reingehört, erklärt die DGUV hier.

Wie steht es mit dem Versicherungsschutz?

Der Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse ist zu melden, wenn

  • ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin an Covid-19 erkrankt ist,
  • eine Infektion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen ist oder
  • es bei der Arbeit zu einem intensiven Kontakt mit einer infizierten Person oder einem größeren Infektionsausbruch kam

Bei Beschäftigten im Gesundheitswesen, in der Wohlfahrtspflege und in Laboren kann eine COVID-19-Infektion als Berufskrankheit anerkannt werden. Hierfür stellen die Unfallversicherungsträger ein eigenes Formular zur Verfügung. In anderen Branchen kann sie ein Arbeitsunfall sein. Er ist meldepflichtig, wenn die Erkrankung zu einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens drei Tagen oder zum Tod geführt hat. Führungskräfte sollten die Beschäftigten über den Versicherungsschutz informieren, etwa per E-Mail oder Aushang. Denn auch sie können einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit anzeigen.

Und was ist, wenn eine Infektion symptomlos oder milde verläuft?

Die DGUV empfiehlt, alle Tatsachen, die mit der Infektion zusammenhängen, zu dokumentieren. Sollte es später doch noch zu einem schweren Verlauf kommen, erleichtert das die Ermittlungen der Unfallkasse oder Berufsgenossenschaft.

Soweit das Organisatorische. Aber wie sollten Führungskräfte mit den Erkrankten umgehen?

Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) hat dazu einen achtseitigen Leitfaden für Führungskräfte veröffentlicht. Sie empfiehlt zunächst einmal, für die Erkrankten da zu sein, ihre Probleme ernst zu nehmen und ihnen zu helfen, wo es geht. Die erfolgreiche Rückkehr an den Arbeitsplatz hänge stark vom Verhalten der Vorgesetzten ab – auch, weil einige Genesene noch mit Langzeitsymptomen zu kämpfen haben, Stichwort: Long Covid.

Gibt es dafür einen Königsweg?

Nein, weil jeder Fall individuell ist. Die EU-OSHA führt aber fünf grundlegende Schritte auf, die in den meisten Fällen erfolgreich angewendet werden können. Sie kommen vor allem bei schwereren Verläufen zum Tragen:

  • Kontakt halten während der Krankschreibung. Am besten vereinbaren Führungskräfte frühzeitig, wann und wie oft das erwünscht ist.
  • Rückkehr an den Arbeitsplatz vorbereiten. Dazu gehört auch, gegebenenfalls Long Covid-Symptome zu berücksichtigen. Sie machen möglicherweise eine Anpassung des Arbeitsplatzes oder der Arbeitsbelastung nötig.
  • Gespräch führen nach der Rückkehr. Wie fühlt sich der oder die Mitarbeitende? Gibt es Sorgen oder Nöte?
  • Unterstützung anbieten in den ersten Tagen nach der Rückkehr. Außerdem ist es ratsam, Genesenen bei Bedarf einen langsamen Wiedereinstieg zu ermöglichen.
  • Aktuellen Stand regelmäßig überprüfen. Symptome und Verlauf einer Corona-Infektion können wechselhaft sein. Laut dem RKI haben Schätzungen zufolge zwischen 2 und 20 Prozent der Genesenen gesundheitliche Langzeitfolgen. Bei stationär Behandelten berichten Studien von bis zu 76 Prozent, die noch sechs Monate nach der Entlassung Symptome haben.

Welche Rolle spielt der erkrankte Mitarbeitende selbst bei seiner Genesung?

Natürlich eine große. Die EU-OSHA hat einen eigenen Leitfaden für Beschäftigte entwickelt. Er beschreibt, wie sie gemeinsam mit ihrem Arbeitgeber eine bestmögliche Genesung und Rückkehr an den Arbeitsplatz sicherstellen können. Führungskräfte können einen Ausdruck oder den Link zur Publikation an die Erkrankten weitergeben.

An was sollten Führungskräfte noch denken?

An die nicht erkrankten Mitarbeitenden. Sie müssen die Ausfälle kompensieren, obwohl sie die Gesamtsituation möglicherweise selbst belastet oder sie auf der Arbeit und den Fahrtwegen eventuell sogar einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Zusätzliche Belastungen sollten daher so gering und so kurz wie möglich gehalten werden. Sinnvoll ist es außerdem, während der Pandemie besonders darauf zu achten, dass Ruhezeiten und Feierabende auch tatsächlich eingehalten werden.

Fehlt da nicht noch jemand?

Doch: die Vorgesetzten selbst. Eine Befragung des Hernstein-Instituts von mehr als 1.000  Führungskräften und Unternehmern hat gezeigt, dass sich fast die Hälfte von ihnen aufgrund der Corona-Krise verunsichert fühlt. Außerdem wiesen zwar 74 Prozent der Befragten ihre Mitarbeitenden an, im Falle von gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht zu arbeiten. Allerdings gaben nur 27 Prozent an, selbst nicht zu arbeiten, wenn sie sich nicht gesund fühlen. Dafür gibt es keinen Grund: Führungskräfte sind auch nur Menschen.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.