Exklusiv: KI-Einsatz in HR – Status quo und Ausblick

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Künstliche Intelligenz ist inzwischen weltweit in die meisten HR-Abteilungen eingezogen, allerdings ist der Einsatz bislang auf wenige Bereiche beschränkt. Derzeit nutzen Personalabteilungen KI insbesondere bei Aufgaben rund um die Personalgewinnung. Das zeigt die aktuelle „COP AI Survey – Human Resources“ der internationalen Personalberatung Heidrick & Struggles, welche uns exklusiv vorliegt. Dafür wurden weltweit 401 Personalverantwortliche (davon 32 in Deutschland), zumeist CHROs, dazu befragt, wie sie KI in ihrer HR-Arbeit nutzen.

In Europa setzen 87 Prozent der HR-Abteilungen KI ein

Mit 88 Prozent geben fast alle weltweit Befragten an, dass sie in ihrem Unternehmen KI im Personalbereich einsetzen. Nur zwölf Prozent der HR-Abteilungen nutzen die Technologie nicht. Die bisweilen geäußerte These, die USA seien Europa beim Einsatz von KI in HR-Anwendungen deutlich voraus, wird von der Studie nicht bestätigt. Europa liegt etwa gleichauf: In den USA greifen 90 Prozent der Personalabteilungen auf KI zu, in den 15 befragten europäischen Ländern sind es 87 Prozent. Ein größerer Unterschied besteht nur hinsichtlich des Tempos des KI-Einsatzes: Während es in den USA knapp jedem zweiten Befragten (47 Prozent) zu langsam geht, sind es in Europa zwei Drittel (65 Prozent).

KI wird vor allem bei Jobbeschreibungen eingesetzt

Der Schwerpunkt des KI-Einsatzes im HR-Bereich liegt derzeit im Recruiting. Dabei nutzen Personalabteilungen die Technologie am häufigsten, um Jobbeschreibungen zu formulieren; rund die Hälfte (51 Prozent) der Befragten gibt dies an. Ein Drittel (33 Prozent) der Unternehmen setzt KI-Anwendungen zum Screening von Lebensläufen ein. Knapp ein Drittel (30 Prozent) ermittelt damit die Nachfolge-Pipeline sowie die Passung auf Stellenprofile und ein Viertel (25 Prozent) integriert KI-Lösungen in die Zeitplanung für den Recruiting-Prozess. KI unterstützt das HR-Team in zahlreichen Unternehmen aber auch beim Mitarbeiterfeedback und im Bereich Weiterbildung. So nutzen 34 Prozent der Personalabteilungen KI für die Beantwortung von Fragen der Mitarbeitenden und 31 Prozent für die Bewertung der aktuellen Stimmungslage durch Sprachanalyse oder Zuhöreigenschaften. Weitere 27 Prozent greifen auf Künstliche Intelligenz im Bereich Lernen und Mitarbeiterentwicklung zurück.

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Wenn es darum geht, wie KI-Anwendungen den Personalbereich beeinflussen oder diesem nutzen, steht die Erhöhung der Produktivität im Vordergrund; rund drei Viertel (74 Prozent) der HR-Verantwortlichen geben dies an. Fast zwei Drittel (63 Prozent) sehen die Möglichkeit, damit Innovationen zu beschleunigen. Der Aspekt der Kostenersparnis folgt erst auf Platz drei; circa ein Drittel (35 Prozent) der Befragten führt ihn an.

Was künftige Anwendungsfelder von KI in der Personalabteilung betrifft, wird das größte Wachstum nach Ansicht der HR-Professionals in Tools zu folgenden Bereichen liegen: Workforce-Planning (63 Prozent), Automatisierung von Personalinformationssystemen (57 Prozent), Gehaltsabrechnungen (56 Prozent) und Aggregieren von Mitarbeiterfeedback (55 Prozent). In den kommenden Jahren wird KI nach Einschätzung von Nicolas von Rosty, Deutschlandchef von Heidrick & Struggles, ein prägendes Aufgabenfeld für HR-Professionals bleiben.

HR baut KI-Kompetenz vor allem durch interne Weiterbildung auf

Doch man kann nur anwenden, was man selbst beherrscht. Die Personalverantwortlichen wurden auch danach gefragt, wie ihre Unternehmen im HR-Bereich die notwendige KI-Kompetenz aufbauen. Für 60 Prozent und damit die meisten ist die Entwicklung und Schulung des bestehenden Personals die bevorzugte Strategie. Am zweithäufigsten (40 Prozent) setzen sie auf Kooperationen mit Technologiepartnern und -anbietern. Ein kleinerer Teil (20 Prozent) lässt sich von Beratungen unterstützen, um im Personalbereich KI-Fähigkeiten zu entwickeln. Darüber hinaus stellen 14 Prozent KI-erfahrene Managerinnen und Manager ein und zwölf Prozent greifen auf Interims-Führungskräfte zurück.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.