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Employee Experience: Da kannst du was erleben

Cartoon von Kai Felmy: Zwei Männer liegen in einem Whirlpool, der in einem Büro steht.
Cartoon: Kai Felmy

Personalern und Führungskräften wird immer häufiger geraten, sich um das Wohlbefinden ihrer Belegschaft zu kümmern. Für eine gute Employee Experience, kurz EX, sollen sie sorgen. Die positive Mitarbeitererfahrung wird allerdings nicht aus Altruismus angestrebt, sondern um das Employee Engagement zu steigern – ein Begriff, der von der EX abgelöst wurde, aber weiter als Motiv dahintersteht. Denn wenn die Mitarbeiter glücklich sind, sind sie auch motivierter, engagierter und produktiver.

Daher sollen sie ihren Arbeitgeber und ihre Schaffensbedingungen positiv wahrnehmen, vom Onboarding über den Arbeitsplatz, die Technikausstattung und das Kantinenessen bis zur Weiterbildung und Karriereförderung. Also gilt es, ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Stimmt alles, fühlt sich der Mitarbeiter emotional an den Arbeitgeber gebunden, erzählt seine positiven Erfahrungen gerne weiter und leistet somit Schützenhilfe fürs Recruiting. Klingt banal? Ist es auch. Aber vielleicht haben viele Employer ihre Employees aus den Augen verloren, weil nur noch der ROI zählt?

Wie auch immer, schön soll sie sein, die Employee Journey, die Reise, auf die Unternehmen ihre Belegschaft mitnehmen. Hört sich an wie lebenslanger Urlaub. Manche Firmen haben ja eigene Animateure eingestellt, Feelgood-Manager genannt. Aber die sind wohl schon wieder out, zumindest sprachlich. Airbnb zum Beispiel beschäftigt längst einen Chief Employee Experience Officer. Bei der EX soll es schließlich nicht nur um Gimmicks gehen wie die Lümmelecke im Büro, den Tischkicker oder die mitgebrachten Haustiere, sondern um ein ganzheitlich positives Arbeitsklima.

Schaut man sich an, was das konkret bedeutet, findet man Schlagworte wie: flexible Arbeitsbedingungen, Teamarbeit, Feedback- Runden und mehr Selbstbestimmung für die Mitarbeiter. Oder es heißt seitens der Arbeitgeber, dass sie nur Menschen einstellen, die auch wirklich zur Unternehmenskultur passen.

Aber nach der Customer Experience, die zuerst da war, und der Candidate Experience musste ja irgendwann die Employee Experience kommen. Erst wurde der Kunde als König ausgerufen, nun soll der Mitarbeiter geadelt werden, nach Kundenerlebnisketten geht es jetzt um Mitarbeitererlebnisketten. Heute soll alles eine Erlebniswelt sein, auch die Arbeitswelt. Als Argumente für die Bedeutung der EX dienen meist der Fachkräftemangel, die Millennials mit ihren vermeintlich anderen Ansprüchen an Arbeit sowie die Digitalisierung und mit ihr verbundene Ängste, die durch positive Erfahrungen gemindert werden sollen.

Apropos Fachkräftemangel: Im Pflegebereich zum Beispiel würde es neben anständiger Bezahlung schon helfen, erst einmal die zusätzlich benötigten Stellen zu schaffen und damit für zumutbare Arbeitsbedingungen zu sorgen. Das würde die Employee Experience ungemein verbessern. Und es gäbe dann vermutlich sogar genügend Bewerber.


Dieser Beitrag ist in Ausgabe 01/19 erschienen. Sie können das gesamte Heft › hier bestellen

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.