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Kindernotfallbetreuung: So können Arbeitgeber ihre Beschäftigten unterstützen 

Mit einem kranken Kind zu Hause – oder einer kurzfristig geschlossenen Betreuungseinrichtung – stehen viele Eltern vor einem Problem. Denn eigentlich müssten sie ja arbeiten, haben vielleicht sogar einen wichtigen Termin. Manch ein Arbeitgeber greift hier unterstützend ein. Natürlich nicht aus Altruismus, wird doch die Familienfreundlichkeit im Kampf um die Talente immer wichtiger. Und natürlich hilft es auch dem Arbeitgeber, wenn der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin das Kind gut betreut weiß – und viel konzentrierter arbeiten kann. Zu den Vorreitern zählen hier öffentliche Einrichtungen. Dort haben wir drei Arbeitgeber gefunden, die zeigen, wie eine solche Unterstützung aussehen kann: etwa in Form einer Vermittlung von externen Nannys, eines Zusatzurlaubs, flexiblen Arbeitsmodellen und eines Betriebsferienlagers.

Externe Hilfe für plötzlich auftretende Betreuungsnot

Beschäftigte in der Verwaltung des Bremer Landtags können aufgrund von Veranstaltungen, Ausschuss- und Abendsitzungen schon einmal vor einer Herausforderung stehen, was die Betreuung ihrer Kinder betrifft. Durch die ungewöhnlichen Arbeitszeiten kann es schwer werden, eine Aufsichtsperson für den eigenen Nachwuchs zu finden. „Wir haben deshalb für unsere Beschäftigten nach externen Angeboten für Notfallbetreuung in Zeiten gesucht, in denen es sonst kaum etwas gibt“, sagt Landtagssprecherin Rebekka Stuhrmann. „Außerdem war es uns wichtig, dass die Betreuung kurzfristig verfügbar ist und stundengenau abgerechnet werden kann.“ Die Lösung: Der Bremer Landtag handelte eine Zusammenarbeit mit den „Notfallmamas“ aus, einem bundesweiten Anbieter für Kindernotbetreuung.

Die Notfallmamas bieten Unternehmen die Betreuung von Kindern der Mitarbeitenden an, wenn deren Nachwuchs krankheitsbedingt nicht in die Kita oder zur Tagesmutter kann oder wenn eine Betreuungsperson erkrankt. Das Angebot erstreckt sich von Notfallbetreuung im elterlichen Zuhause bis hin zur Ferien- und Online-Betreuung. 25 Kinder von Beschäftigten des Bremer Landtags seien derzeit bei den Notfallmamas für einen Betreuungsbedarf angemeldet, die Kosten übernimmt der Arbeitgeber.

Backup-Option beruhigt Eltern

Was beim Landtag die Notfallmamas sind, sind beim Universitätsklinikum Leipzig die Flying Nannies. Die externen Betreuerinnen und Betreuer holen die Kinder der Mitarbeitenden von Kita und Schule ab, gehen mit ihnen auf den Spielplatz oder bringen sie nachmittags zum Sportverein, wenn ihre Eltern etwa aufgrund einer Operation länger arbeiten müssen als gedacht, oder abends einen beruflichen Termin in Anspruch nehmen möchten. Die Mitarbeitenden können pro Monat drei Betreuungsstunden für je fünf Euro nutzen. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde das Angebot vom Universitätsklinikum auf monatlich 20 Betreuungsstunden durch die Flying Nannies erhöht, erklärt Jana Schulze-Marko vom Referat für Personalentwicklung.

Das Angebot werde zwar nicht überdurchschnittlich viel angenommen, gebe den Angestellten allerdings ein Gefühl von Sicherheit. „Die Mitarbeitenden schaffen die Kinderbetreuung größtenteils alleine, werden aber im Notfall unterstützt und wissen, dass sich jemand um ihre Betreuungsschwierigkeiten kümmert. Diese Art von Backup ist wie ein weiches Kissen, auf das sie in einer Krisensituation fallen können.“

Im besten Fall sind es allerdings immer die Eltern selbst, die Zeit mit ihren Kindern verbringen. Deswegen gibt das Kommunalunternehmen des Landkreises Würzburg, zu dem verschiedene Unternehmen und Einrichtungen im Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge – den  Eltern unter den Beschäftigten zwei Tage mehr Urlaub im Jahr. Dieser Zusatzurlaub gilt laut Eva von Vietinghoff-Scheel, Vorständin des Kommunalunternehmens, solange, bis die Kinder der Mitarbeitenden 10 Jahre alt sind. Teilzeitangestellte erhalten anteilig je nach Beschäftigungsquote zusätzliche freie Tage.

Flexibilität bieten

Diese freien Tage können sich die Beschäftigten flexibel nehmen – auf dieselbe Art, wie es im Unternehmen möglich ist, Dienste zu tauschen: in Absprache mit dem oder der Vorgesetzten. Die Führungskraft springe im Notfall auch mal für die Mitarbeiterin oder den Mitarbeiter ein, die oder der aufgrund eines kranken Kindes der Tätigkeit temporär nicht nachgehen kann, erklärt von Vietinghoff-Scheel. Dafür könnten auch entweder angesammelte Stunden des Arbeitskontos bei dem Kommunalunternehmen oder angehäufte Überstunden verwendet werden. „Mit den angesammelten Stunden können spontan – aber immer in Absprache mit dem Team – freie Tage genommen werden oder die Arbeitszeit für eine Weile reduziert werden“, sagt von Vietinghoff-Scheel. Letzteres könne auch ohne Zeitpuffer auf dem Arbeitszeitkonto in Anspruch genommen werden. Dies ginge dann allerdings mit einer Kürzung des Gehalts einher.

Flexibel versucht das Kommunalunternehmen auch seinen Schichtplan zu gestalten: „Wir haben ,Mütterdienste‘ eingeführt, die erst ab 8 und nicht ab 6 Uhr morgens beginnen“, sagt von Vietinghoff-Scheel. „Wir schaffen es nicht immer, jeder Mutter oder jedem Vater diese Schicht anzubieten, aber drei bis vier Mitarbeitenden pro Haus.“ Die Angebote würden von Eltern mit großer Dankbarkeit angenommen werden, was sich wiederum positiv auf deren Einsatzbereitschaft und Flexibilität auswirke. „Das Entgegenkommen wird uns von den Eltern zurückgegeben, die beispielsweise auch mal spontan einen Wochenenddienst übernehmen“, berichtet die Vorständin.

Dennoch müsse bei all den Angeboten für Eltern sichergestellt werden, dass sich Mitarbeitende ohne Kinder nicht benachteiligt fühlen. Deshalb dürften beim Kommunalunternehmen generell alle Beschäftigten flexibel arbeiten und befristet Arbeitsstunden reduzieren. „Wir sind auf jeden einzelnen Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin angewiesen und versuchen ihnen deshalb so viel zu ermöglichen, wie es geht“, sagt von Vietinghoff-Scheel. Das schließt auch das Angebot mit ein, von zu Hause aus zu arbeiten.

Betriebsferienlager

Was für die Kinder schön ist, kann für Eltern zur Belastungsprobe werden: die Ferienzeit. Die Kinderbetreuung währenddessen ist zwar planbar, kann aber aufgrund von begrenzten Urlaubstagen nicht immer durch die Eltern selbst gewährleistet werden. Das Universitätsklinikum Leipzig organisiert deshalb gemeinsam mit einem externen Anbieter ein Betriebsferienlager und übernimmt laut Personalerin Jana Schulze-Marko bis zu 80 Prozent der Teilnahmekosten pro Kind. Zudem wird auf dem Klinikumsgelände selbst ein einwöchiges „Ferienabenteuer“ veranstaltet, bei dem der Nachwuchs der Mitarbeitenden den Arbeitsbereich seiner Eltern kennenlernen kann. Coronabedingt hätten diese Veranstaltungen allerdings in den vergangenen zwei Jahren nur sehr eingeschränkt stattgefunden.

Die Angebote in die Online-Welt zu verlagern, sei für das HR-Team des Universitätsklinikums nicht infrage gekommen. „Wir hatten kurzzeitig eine Online-Hausaufgabenbetreuung in der Pandemie angeboten, bei der den Kindern auch Essen nach Hause gebracht wird“, sagt Schulze-Marko. „Das hat allerdings keiner der Beschäftigten wahrgenommen.“

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.