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Moments that matter: So gelingt die Umsetzung des Konzepts

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Frage an die HR-Werkstatt: Wie kann HR „Moments that matter“ bestmöglich ausgestalten?

Es antwortet: Marcel Eberhardt, Gründer von straling

In einer zunehmend komplexen und sich ständig verändernden Arbeitswelt streben Unternehmen nach dem Ruf eines attraktiven Arbeitgebers. Sie rüsten sich mit ansprechenden Benefits und polieren ihre Fassade durch moderne Employer Branding Maßnahmen. Trotz starker Bemühungen stellen einige von ihnen fest, dass ihre Initiativen nur in geringen Maße Anerkennung bei bestehenden und zukünftigen Mitarbeitenden finden. Sie blicken verdutzt auf diejenigen Unternehmen, die sich vor Bewerbungen kaum retten können und deren Mitarbeiterzufriedenheit auf dem Hochkurs liegt. Doch was unterscheidet diese Unternehmen voneinander?

  1. Sie haben verstanden, dass neben attraktiven Vergütungspaketen Faktoren wie eine moderne Arbeitsumgebung, individuelle Entwicklungsmöglichkeiten, Wertschätzung, aber auch Sinn und Zweck der Arbeit entscheidende Bedürfnisse von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern darstellen.
  2. Sie transformieren klassische Berührungspunkte mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in einzigartige Erlebnisse, sogenannte „Moments that matter“, die auf eine emotionale Art und Weise den inneren Drang auslösen, unbedingt ein Teil dessen werden und bleiben zu wollen.

Besonders Punkt 2 wird von vielen Unternehmen heutzutage noch übersehen oder sie wissen nicht, wie sie wichtige Momente in der Employee Experience in besondere Erlebnisse verwandeln können. Bevor wir uns anschauen, wie das gelingt, ist es wichtig zu verstehen, dass es sich beim Thema „Moments that matter“ um ein hochkomplexes, die ganze Organisation betreffendes und strategisch relevantes Konzept handelt. Es kann deshalb langfristig nicht mal ebenso nebenbei gelingen. In das Konzept müssen Führungskräfte, Mitarbeitende, HR und die Geschäftsführung miteinbezogen werden, denn sie alle haben Einfluss darauf, welches Erlebnis ein Individuum an den wichtigen Momenten der Employee Experience macht.

Dabei ist stets darauf zu achten, dass Organisationen sich verändern, eine Unternehmenskultur lebendig ist und somit auch „Moments that matter“ ständig neu gedacht und kreiert werden müssen. Nun zu den Tipps.

So gelingt es „Moments that matter“ optimal auszugestalten

  1. Identifizieren Sie Schlüsselmomente:

Bevor Sie beginnen, sollten Sie sich die Zeit nehmen, um die Schlüsselmomente zu identifizieren, die für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am wichtigsten sind. Führen Sie sich die individuellen Candidate beziehungsweise Employee Journeys Ihres Unternehmens vor Augen und erstellen Sie eine Liste potenzieller Schlüsselmomente. Bedenken Sie dabei, dass die ersten Berührungspunkte bereits vor der tatsächlichen Bewerbung zum Beispiel durch den ersten Eindruck der Karrierewebseite stattfinden und auch der Austritt aus dem Unternehmen viele Schlüsselmomente beispielsweise in Form von Alumni-Events mit sich bringen kann.

  1. Schaffen Sie das richtige Bewusstsein:

Stellen Sie sich, aber vor allem Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Frage, was sie in den identifizierten Schlüsselmomenten am meisten bewegt. Dazu können Mitarbeiterumfragen, Fokusgruppen oder Interviews durchgeführt werden. Bedenken Sie dabei, dass jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter und jede Organisation unterschiedlich ist und somit auch die Aspekte, die hinsichtlich der „Moments that matter“ wichtig sind, variieren können. Während einigen Menschen bereits durch die Eingangsbestätigung ihrer Bewerbung konkrete Informationen bezüglich des weiteren Vorgehens wichtig sind, empfinden wiederum andere ein strukturiertes und vollumfängliches Pre-Onboarding als einen wesentlichen Schlüsselmoment.

  1. Setzen Sie auf Individualität:

Nach 20 Jahren Berufserfahrung erleben wir Momente anders als zu Beginn unserer beruflichen Reise. Entsprechend können langjährige Mitarbeitende auf andere Momente Wert legen als jüngere Beschäftigte, und sich eine andere Ausgestaltung der Momente wünschen. Definieren Sie unterschiedliche Zielgruppen und orientieren Sie sich bei der Gestaltung einzelner Strategien an den individuellen Bedürfnissen dieser. Bedenken Sie zudem, dass die Wirkung von „Moments that matter“ nicht mit der Größe der tatsächlichen Maßnahme oder dem objektiven Stellenwert einhergeht, sondern auch kleine Momente einen großen Einfluss auf das Mitarbeitererlebnis haben können.

  1. Entwickeln Sie authentische Strategien:

Nachdem Sie die wichtigsten Schlüsselmomente und diverse Zielgruppen identifiziert haben, sollten Sie Strategien entwickeln, um diese Momente zu optimieren und die emotionale Begehrlichkeit anzufeuern. Beginnen Sie zum Beispiel mit einer Kommunikationsstrategie, die alle relevanten Schlüsselmomente entlang der Candidate Journey betrifft. Was und in welcher Form kommunizieren wir auf unserer Karrierewebseite? Sind die Texte, die in unseren E-Mails verwendet werden, eher generisch, oder sprechen sie die Person als Individuum an?  Seien Sie nicht abgeneigt, sich von anderen Unternehmen inspirieren zu lassen, achten Sie aber stets darauf, dass Ihre Strategie an die spezifische Unternehmenskultur und die Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angepasst sein sollte. Denn eines sei zu sagen: Zu einer guten Ausgestaltung von wichtigen Schlüsselmomenten gehören in jedem Fall Ehrlichkeit und Authentizität.

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  1. Setzen Sie die Strategien mutig um:

Nun geht es darum, die auf dem Papier entwickelten Ideen zum Leben zu erwecken, um die Menschen in Ihrem Unternehmen und diejenigen, die es bald werden wollen, mitzureißen. Beachten Sie dabei, dass es sich um einen Veränderungsprozess handelt und Sie die Menschen in Ihrem Unternehmen nicht durch Überforderung verlieren wollen. Anstatt am Gesamtkonzept zu scheitern, sollten Sie die bevorstehende Transformation Schritt für Schritt umsetzen und alle relevanten Stakeholder in die Kommunikation Ihres Vorhabens integrieren. Beziehen Sie Führungskräfte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ihr Vorhaben ein, sodass sie ihre Rolle in der täglichen Umsetzung verstehen und den Veränderungsprozess aktiv mitgestalten können.

  1. Messen Sie die Wirksamkeit Ihrer Maßnahmen:

Nach erfolgreicher Implementierung ist es an der Zeit Ihre Bemühungen zu messen und neue Erkenntnisse zur Wirksamkeit zu finden. Setzen Sie dabei auf einen klug gewählten Mix aus qualitativen und quantitativen Methoden. Sie können Ihre „Moments that matter“-Initiativen zum Beispiel anhand der Veränderungsraten klassischer HR-Kennzahlen wie zum Beispiel der Time to Hire oder der Fluktuationsrate bewerten. Andererseits können Mitarbeiterbefragungen, 360-Grad-Feedback oder ähnliches spannende Erkenntnisse zum Vorschein bringen.

  1. Verfolgen Sie den Ansatz der kontinuierlichen Verbesserung:

    Genau wie Ihre Organisation und Unternehmenskultur ist das Konzept der „Moments that matter“ dynamisch. Überprüfen und überdenken Sie Ihre Bemühungen in iterativen Drei-Monats-Zyklen und bleiben Sie am Zahn der Zeit.

2 Bonustipps für die Umsetzung

  1. Es gibt kein allgegenwärtiges Richtig oder Falsch. Das Konzept von „Moments that matter“ basiert auf der Individualität jedes einzelnen Unternehmens. Es geht nicht darum, dass Sie die ganze Welt zum Strahlen bringen, sondern dass Sie genau für die richtigen Menschen, die richtigen Schlüsselmomente, in der richtigen Organisation auf eine gute Weise gestalten.
  2. Trauen Sie sich, interdisziplinär zu denken. Mit dem Wandel der Arbeitswelt befinden wir uns im Wandel von HR zu People & Culture. Unsere Arbeit reicht über administrative Tätigkeiten hinaus und hat einen hohen strategischen Wert für den Unternehmenserfolg. Seien Sie mutig HR, beziehungsweise People & Culture neu zu betrachten, über die Grenzen der klassischen HR-Welt hinaus zu denken, und lassen Sie sich von anderen Disziplinen wie Marketing, Business Development, Data Analytics und Co. inspirieren.

Fazit

„Moments that matter“ sind ein wichtiger Teil der Bemühungen, um die eigene Arbeitgeberattraktivität zu erhöhen. Um mit der sich ständig verändernden Arbeitswelt mithalten zu können, brauchen wir den Mut, traditionelle Prozesse neu zu denken und den Willen in eine zukunftsorientierte Unternehmenskultur zu investieren. Wir benötigen Momente, die über bloße Annehmlichkeiten hinaus gehen und Menschen, die unsere Organisation aufgrund ihrer positiven emotionalen Verbundenheit wählen und nicht ausschließlich wegen des lukrativen Gehaltes.

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