Nur 14 Prozent der deutschen Beschäftigten sind emotional an ihr Unternehmen gebunden – das zeigt der Gallup Engagement Index Deutschland. Die Studie offenbart ebenfalls, dass fast jede und jeder Zweite aktiv auf Jobsuche oder zumindest offen für einen Wechsel ist. Eine hohe emotionale Verbundenheit mit dem Arbeitgeber sieht anders aus. Dass diese emotionale Verbundenheit in vielen Fällen nicht gegeben ist, kann ein Problem sein, ist sie doch ein wichtiger Erfolgsfaktor für Unternehmen. Denn je stärker die Beziehung zwischen Arbeitskräften und Unternehmen, desto geringer sind Fluktuation und Fehlzeiten und desto höher ist in der Regel die Mitarbeiterproduktivität. Doch warum committen sich manche Mitarbeitende für ihre Arbeitgeber und viele nicht?
Engagiert heißt nicht unbedingt verbunden
Um zu verstehen, wie man das Commitment der Mitarbeitenden positiv beeinflussen kann, ist es wichtig zu wissen, was genau der Begriff bedeutet. Viele setzen das Mitarbeiterengagement gleich mit Verbundenheit. Dabei sind die Konzepte verwandt, aber unterschiedlich.
Mitarbeitende können zwar engagiert und motiviert sein, sich jedoch nicht mit dem Unternehmen verbunden fühlen. Bindung ist zudem nicht gleich Bindung. Denn es gibt verschiedene Formen der Mitarbeiterbindung. Zum Beispiel können Mitarbeitende sich aus dem einfachen Grund mit dem Unternehmen verbunden fühlen, weil sie sich durch Erwartungen von außen dazu verpflichtet fühlen oder ihnen einfach der kurze Arbeitsweg gefällt – das bedeutet allerdings noch lange nicht, dass sie auch emotional gebunden sind
Mitarbeitende, die sich mit ihrem Unternehmen emotional verbunden fühlen, bleiben bei ihrem Arbeitgeber, weil sie es so möchten, weil sie etwas an ihrem Job bei genau dem Arbeitgeber zufrieden macht – und sie zum Beispiel nicht nur ein spezieller Benefit von einem Wechsel abhält. Der Schlüssel zu starkem Commitment liegt also in der emotionalen Verbundenheit.
Die drei Hauptpfeiler für gute Mitarbeiterbindung
Während es ein großes Spektrum an Faktoren gibt, die das Commitment von Mitarbeitenden beeinflussen, können die wichtigsten Faktoren in drei Kategorien eingeordnet werden. Alle drei beeinflussen die Mitarbeiterzufriedenheit und so auch ihre Bindung signifikant. Denn es gilt: Je zufriedener der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin, desto unwahrscheinlicher ist seine oder ihre Kündigung.
- Unternehmenskultur und Kommunikation
Eine Unternehmenskultur entsteht immer automatisch im Unternehmen, da dort mehrere Menschen zusammenkommen und eine eigene Dynamik durch ihre Verhaltensweisen und Ansichten kreieren. Eine negative Kultur kann Mitarbeitende demotivieren. Etwa, wenn es keine gesunde Fehlerkultur gibt, wenn der Konkurrenzdruck zu groß ist oder Konflikte nicht konstruktiv gelöst werden. In einer positiven Unternehmenskultur hingegen fühlen sich Mitarbeitende in der Regel wohl, was dazu führt, dass sie motivierter, gesünder und produktiver sind. Beispiele für eine solche positive Unternehmenskultur sind offene Kommunikationswege, regelmäßige Feedbackgespräche und die Förderung von Teamarbeit sowie flexible Arbeitszeiten und Weiterbildungsmöglichkeiten. Die Art und Weise, wie in einem Unternehmen kommuniziert wird, prägt und reflektiert die Unternehmenskultur.
- Arbeitsumfeld und Arbeitsbedingungen
Gute Arbeitsbedingungen rund um Arbeitszeit und Arbeitsplatz sind entscheidend für die Mitarbeiterbindung. Flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit zum Homeoffice verbessern die Work-Life-Balance und reduzieren den Stress der Mitarbeitenden. Ein angenehmes Arbeitsumfeld fördert zudem die Leistungsfähigkeit und das Engagement der Mitarbeitenden. Es stärkt auch den Teamgeist und das Vertrauen innerhalb des Teams. All das sind Dinge, die Mitarbeitenden ein Gefühl von Vertrauen und Wertschätzung geben, was für eine emotionale Bindung wichtig ist.
- Ziele und Perspektiven
Karriereentwicklung und Weiterbildungsmöglichkeiten sind zentrale Faktoren für die langfristige Bindung von Mitarbeitenden. Wenn Mitarbeitende sehen, dass sie ihre persönlichen und beruflichen Ziele im Unternehmen verwirklichen können und ihre Vorgesetzten sich für ihre Entwicklung interessieren, erhöht das ihre Zufriedenheit und Loyalität. Regelmäßige Schulungen, klare Aufstiegschancen und eine gezielte Karriereplanung motivieren die Mitarbeitenden und fördern ihre Verbundenheit mit dem Unternehmen.
Was die Mitarbeiterbindung schwächt
Laut einer Forsa-Umfrage hat jeder dritte Arbeitnehmer und jede dritte Arbeitnehmerin bereits schon mal überlegt, wegen ihrer Führungskraft zu kündigen. Viele Mitarbeitende fühlen sich durch ihre Führungskräfte nicht ausreichend gestärkt, ihr Potenzial zu entfalten, oder haben kein Vertrauen in ihre Vorgesetzten. Und auch Überlastung und Stress spielen eine große Rolle. Laut Statista würden 60 Prozent der Mitarbeitenden wegen zu hoher Stressbelastung kündigen. Das ergibt Sinn, denn emotionale Bindung hat viel damit zu tun, wie wohl wir uns am Arbeitsplatz fühlen.
Welche konkreten Maßnahmen stärken die emotionale Bindung?
Um die Grundlagen für eine starke Mitarbeiterbindung zu legen und gängigen Risiken entgegenzuwirken, gibt es ein breites Spektrum an konkreten Maßnahmen. Hier sind fünf Ideen, die dabei helfen können, eine stärkere emotionale Bindung in der Belegschaft zu schaffen:
- Offene Kommunikation und transparente Führung: Es ist entscheidend, eine Kultur der offenen Kommunikation zu fördern, in der sich alle Mitarbeitenden ermutigt fühlen, ihre Gedanken und Ideen zu äußern. Durch anonyme Umfragen können Unternehmen wertvolle Einblicke gewinnen und verstehen, an welchen Stellen Verbesserungsbedarf besteht. Zudem können Mitarbeitende aktiv eingeladen werden, aktiv an Entscheidungsprozessen teilzunehmen und ihre Ideen einzubringen. Wie so oft gilt: Führungskräfte sind Vorbilder. Unternehmen sollten daher aktiv an den Führungskompetenzen ihrer Leader arbeiten, indem sie beispielsweise professionelle Coachings zur Verfügung stellen.
- Anerkennung und Wertschätzung: Das Anerkennen von Leistungen der Mitarbeitenden ist unabdingbar für eine emotionale Bindung. Diese Anerkennung kann sowohl finanzielle als auch nichtfinanzielle Formen annehmen. So können Erfolge zum Beispiel auf Social Media oder im Intranet geteilt werden, Meilensteine oder Jubiläen mit einem kleinen Geschenk oder zusätzlichen Benefit wie einem extra Urlaubstag anerkannt werden.
- Flexible Arbeitszeit und -platzbedingungen: Die Möglichkeit zur flexiblen Gestaltung der Arbeitszeit und des Arbeitsortes trägt erheblich zur Zufriedenheit der Mitarbeitenden bei. Unternehmen sollten regelmäßig das Feedback ihrer Mitarbeitenden einholen, um ihre Bedürfnisse zu verstehen und entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Neben Remote-Work-Angeboten und flexiblen Arbeitszeiten gibt es viele weitere Gestaltungsmöglichkeiten wie zum Beispiel Ruhearbeitszeiten, Kinderbetreuungszuschüsse oder flexible Pausenregelungen.
- Programme für die physische und mentale Gesundheit: Sehen Mitarbeitende neben ihren körperlichen auch ihre emotionalen und psychischen Bedürfnisse am Arbeitsplatz ernst genommen und unterstützt, steigert das ihre Zufriedenheit und ihre emotionale Bindung. Denn: Wer mir zeigt, dass ich ihm wichtig bin, der ist mir meistens auch wichtig. Effektive Programme zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden sollten sowohl körperliche als auch mentale Aspekte berücksichtigen.
- Investition in zwischenmenschliche Beziehungen: Die Förderung von sozialen Bindungen im Team kann nicht nur das emotionale Engagement der Mitarbeitenden steigern, sondern auch dazu beitragen, den Umgang mit Stress zu erleichtern. Gemeinsame Events und informelle Gespräche außerhalb des Arbeitskontextes zeigen den Mitarbeitenden, dass ihr Arbeitgeber und ihre Führungskräfte sich neben der Leistung auch für das Wohlbefinden und die persönliche Entwicklung ihrer Teammitglieder interessieren.
Fazit
Das Commitment von Mitarbeitenden wird durch viele Faktoren beeinflusst. Der Schlüssel liegt darin, die emotionale Bindung von Mitarbeitenden zu stärken. Wichtige Grundlagen hierfür sind eine positive Unternehmenskultur, die richtigen Arbeitsbedingungen und die Möglichkeit für Mitarbeitende, ihre eigenen Werte und Ziele zu verwirklichen. Wenn wir emotionales Commitment zeigen und Mitarbeitenden Ehrlichkeit, Wertschätzung und Transparenz entgegenbringen, werden wir dies auch zurückbekommen.
