Personalwirtschaft: Herr Zacher, als Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie haben Sie zu betrieblichen Weihnachtsfeiern geforscht. Warum ist das informelle Zusammenkommen im Winter so wichtig, dass sich die Wissenschaft damit beschäftigt?
Hannes Zacher: Betriebliche Weihnachtsfeiern sind ein Ausdruck der Unternehmenskultur und können diese weiter prägen. Sie sind ein wichtiges Ritual für Beschäftigte, und die meisten freuen sich auf ein informelles Zusammensein zum Jahresabschluss. Im Idealfall erhöht eine gute Feier die Mitarbeiterzufriedenheit und Bindung an die Organisation. Das wiederum wirkt sich bestenfalls langfristig positiv auf die Unternehmenskultur und den Unternehmenserfolg aus.
Welche Elemente muss eine betriebliche Weihnachtsfeier haben, damit sie zum Erfolg wird?
Nach meiner Studie sind insbesondere sieben Aspekte wichtig, denn sie hängen statistisch mit einer hohen Zufriedenheit mit der Feier und einer guten Stimmung zusammen. Erstens braucht es eine positive, zwischenmenschlich gute Unternehmenskultur.

Was genau ist damit gemeint?
Zu einer solchen Unternehmenskultur gehört gegenseitiges Vertrauen, ein respektvoller Umgang miteinander und Kommunikation auf Augenhöhe. Wir feiern lieber mit Menschen, die wir mögen und verstehen. Wenn sich die Firma wie eine große Familie anfühlt, sind Beschäftigte auch mit der Weihnachtsfeier zufriedener.
Was ist der zweite wichtige Aspekt einer betrieblichen Weihnachtsfeier?
Die Feier sollte eher an einem externen Ort stattfinden, nicht in der Firma. Das hat folgenden Grund: Mitarbeitende können sich eher auf eine Weihnachtsfeier einlassen, bei der es ja keine Leistungserwartungen geben sollte, wenn diese nicht auf dem Betriebsgelände stattfindet. Eine andere Umgebung als im Arbeitsalltag hilft dabei, auch über andere Themen ins Gespräch zu kommen und einander besser kennenzulernen. Außerdem ist eine Weihnachtsfeier ein Ausdruck von Wertschätzung durch das Unternehmen, und ein schöner externer Ort hilft dabei, dies auch ohne Worte auszudrücken.
Was sollte HR noch bedenken, um eine erfolgreiche betriebliche Weihnachtsfeier zu organisieren?
Einige Aktivitäten wie Spiele oder beispielsweise musikalische Beiträge könnten drittens sinnvoll sein. Viertens sollte die Feier eher informell sein und nicht zu steif. Fünftens sollte das Zusammenkommen die Werte des Unternehmens repräsentieren, das kann zum Beispiel durch eine Rede oder die Gestaltung des Raumes durch Bilder oder eine bestimmte Dekoration gefördert werden. Sechstens sollten sowohl alkoholische als auch nicht-alkoholische Getränke angeboten werden. Aber, und das ist Punkt sieben: Es sollte keinen exzessiven Alkoholkonsum auf der Feier geben.
Warum ist es wichtig, dass die Beschäftigten auf der Weihnachtsfeier nicht zu viel Alkohol trinken?
Viel zu oft sorgt zu viel Alkohol dafür, dass sich Vorgesetzte oder Kollegen und Kolleginnen unangemessen verhalten. Das verursacht dann eine schlechte Stimmung. Arbeitgeber sollten deshalb dafür sorgen, dass nicht zu viel Alkohol getrunken wird. Das können sie tun, indem sie nur eine begrenzte Anzahl an freien alkoholischen Getränken anbieten oder ein offizielles Ende der Feier zu einer nicht zu späten Zeit festlegen.
Das Zusammenkommen sollte also nicht zu ausgelassen sein?
Die Feier kann gerne informell sein, aber niemand sollte aus der professionellen Rolle ausbrechen. Also: Besäufnisse und sexuelle Annäherungen auf der betrieblichen Feier auf jeden Fall unterlassen!
Haben Sie weitere Tipps aus Ihrer Forschung?
Das Informelle sollte sich auch optisch und organisatorisch niederschlagen. Es sollten also weder Krawatten getragen werden noch sollte es eine Sitzordnung geben. Denn viele Mitarbeitende genießen gerade den informellen Charakter der Veranstaltung. Es gilt, eine Balance zwischen lockerer Atmosphäre und professionellem Verhalten zu finden.
Wie wichtig ist es, zu klotzen, statt zu kleckern?
Es ist überhaupt nicht notwendig, sehr viel Geld in die Feier zu investieren. Stattdessen sollte sie authentisch sein und bei den Mitarbeitenden ein Gefühl der Wertschätzung hinterlassen.
Wie wichtig ist die Frage, wer aus dem Unternehmen die Weihnachtsfeier organisiert? Nehmen Mitarbeitende beispielsweise die Feier als weniger wertschätzend wahr, wenn sie von einem Teammitglied arrangiert wird?
Arbeitgeber, Führungskräfte und HR sollten bei der Organisation federführend sein und auch möglichst die Kosten übernehmen. Es ist laut meiner Studie aber sinnvoll, die Mitarbeitenden in die Planung einzubeziehen. Zum Beispiel, indem man sie nach Ideen oder Wünschen für die Feier fragt oder ein kleines Planungskommitee bildet. Werden sie an der Planung der Weihnachtsfeier beteiligt, sind sie meist später zufriedener mit der Veranstaltung.
Reicht es, einmal im Jahr eine Weihnachtsfeier zu veranstalten, oder braucht es mehr Möglichkeiten für informelle Zusammenkommen?
Die Weihnachtsfeier ist ein wichtiges Ritual für viele Beschäftigte, auf das sie sich freuen und das mit positiven Gefühlen gegenüber dem Arbeitgeber zusammenhängt. Aber auch andere Rituale, wie zum Beispiel ein Betriebsausflug oder eine Geburtstagsfeier, generell auch das gemeinsame Feiern von Erfolgen, sind wichtig für eine positive Unternehmenskultur.
Info
Im Januar 2019 hat Hannes Zacher 359 Mitarbeitende in unterschiedlichen deutschen Organisationen befragt, was eine gute betriebliche Weihnachtsfeier für sie ausmacht. Mit der Studie wollte Zacher herausfinden, wie Arbeitgeber eine optimale Weihnachtsfeier für ihre Beschäftigten gestalten können. Zacher ist Professor an der Universität Leipzig. Er forscht zu den Themen Alter, Gesundheit und Nachhaltigkeit im Arbeitskontext.
Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch das Thema Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit und das HR Forum Banking.

