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Wie man ein nachhaltiges BGM in Zeiten von New Work implementiert

Frage an die HR-Werkstatt: „Wie implementiere ich ein nachhaltiges Betriebliches Gesundheitsmanagement (und wie messe ich den ROI)?“

Es antwortet: Agnieszka Sarnecka, CEO & Geschäftsführerin bei froach

Die Corona-Pandemie hat zu einer Flexibilisierung der Arbeitsmodelle geführt. Klar, dass sich diese neuen Rahmenbedingungen unbedingt auch im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) widerspiegeln. Immerhin soll das firmeneigene Gesundheitsmanagement nachhaltige Lösungen bieten – zum Beispiel gegen hohe Krankenstände, Fluktuation und Opportunitätskosten innerer Kündigungen. Um das BGM nachhaltig in einem Unternehmen zu verankern, müssen Erfolgsnachweise her – schließlich müssen sich Investitionen in die Mitarbeitergesundheit auch finanziell lohnen.

In dezentralen Strukturen können Unternehmen ihr BGM wie folgt umsetzen und den Return-on-Investment messen:

Schritt 1: Verantwortlichkeiten festlegen

Um ein nachhaltiges BGM zu implementieren, muss das Gesundheitsmanagement unbedingt als Führungsaufgabe verstanden werden. Immer mehr Mitarbeitende arbeiten dezentral und der Austausch findet vorrangig online statt. Zudem sind viele Unternehmen nicht mehr in klassischen Führungshierarchien organisiert. Zu Beginn sollten also Verantwortlichkeiten festgelegt werden. Dafür eignet sich etwa die Gründung eines Arbeitskreises Gesundheit. Offiziell sollten die neuen Verantwortlichkeiten mittels interner Kommunikation allen Beschäftigten mitgeteilt werden. Außerdem sollte es ein festes Projekt-Budget geben, damit alle Beteiligten den finanziellen Rahmen für die geplanten Maßnahmen kennen.

Schritt 2: Herausforderungen identifizieren

Im nächsten Schritt sollte die Ist-Situation im Unternehmen ermittelt werden, um vorhandene Gesundheitsprobleme und Gesundheitsressourcen festzustellen. Thematisch unterscheiden sich die Schwerpunkte und Herausforderungen, denen Beschäftigte im Homeoffice und im Büro gegenüberstehen. Zu Hause ist etwa das Thema „ergonomischer Arbeitsplatz“ oft zentral, welches in Präsenz eher in den Hintergrund rückt. Die geplanten Maßnahmen sollten daher alle Arbeitsmodelle der Mitarbeitenden enthalten.

Hierbei kann auch die Belegschaft mit einbezogen werden: Mittels Fragebögen, Gesprächen oder Online-Tools lässt sich leicht und anonym ermitteln, wo genau Missstände im Unternehmen – ob im Büro oder im Homeoffice – vorliegen und wie es um das körperliche und psychische Wohlbefinden der Einzelnen bestellt ist.

Schritt 3: Ziele festlegen

Um festzustellen, ob Maßnahmen greifen, müssen diese auch messbar beziehungsweise überprüfbar sein. Deswegen sollten konkrete Ziele festgelegt werden. Ein Beispiel könnte sein: Mitarbeitende im Homeoffice wie auch in Präsenz sollen zweimal täglich x Minuten Bewegungspausen (an der frischen Luft oder in Form von Übungen) machen. Hierbei kann man sich an den sogenannten SMART-Faktoren orientieren: Ziele sollten spezifisch, messbar, attraktiv und realistisch formuliert werden. Zudem muss ein Zeithorizont festgelegt werden, zu dem bestimmte Ziele erreicht sein sollen.

Schritt 4: Maßnahmen planen und umsetzen

Wenn diese Vorarbeit erledigt ist, geht es in die Phase der Entscheidungsfindung. Die Verantwortlichen nutzen die Ergebnisse der ersten drei genannten Schritte, um daraus Maßnahmen abzuleiten und die konkrete Umsetzung zu planen. Dabei gilt es, passende Programme zu finden, die innerhalb des Budgets liegen.

Die Digitalisierung ist in Zeiten von New Work hierbei nicht nur eine Herausforderung, sondern zugleich die Lösung. Das eigene BGM kann mithilfe von Gesundheits-Apps, Online-Gesundheitskursen und digitalem Content gestaltet werden. So stellen Unternehmen sicher, dass ihre Belegschaft unabhängig von Ort und Zeit auf das Angebot zugreifen kann – ein Faktor, den das klassisch analoge Gesundheitsmanagement nicht bietet.

Nicht außer Acht gelassen werden sollte dabei jedoch, dass sich bei vielen Beschäftigten zunehmend eine „Zoom-Müdigkeit” einstellt und sie sich echte soziale Kontakte und den Austausch im Team wünschen. Daher sind hybride BGM-Anbieter die beste Lösung, um den Anforderungen der modernen Arbeitswelt gerecht zu werden. Sie haben den Vorteil, dass sie ein digitales Angebot zur Verfügung stellen und zugleich Aktionstage im Unternehmen umsetzen oder analoge Aktivierungsmaßnahmen anbieten. So werden so viele Angestellte wie möglich erreicht – egal, ob im Homeoffice oder in Präsenz.

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Schritt 5: Kontinuierliche Überprüfung und Optimierung

Nach der Einführung ist es natürlich wichtig, regelmäßig Ziele und Ergebnisse der Maßnahmen zu überprüfen. Falls die Ziele nicht erreicht wurden, muss nach den Ursachen geforscht werden und alternative Lösungen gefunden werden. Das funktioniert zum Beispiel so:

  • Befragungen: Mitarbeitende geben (anonym) Feedback zu den Maßnahmen und ihrer Zufriedenheit damit.
  • Auswertung von Unternehmenskennzahlen: Dazu gehören beispielsweise Fehltage und Kosten.
  • Reportings digitaler Tools: Werden digitale Tools genutzt, können zum Beispiel die Zugriffszahlen gemessen werden.
  • Gesundheitsdaten der Mitarbeitenden messen: So lassen sich der gegenwärtige Zustand und benötigte Verbesserungen feststellen.

Schritt 6: Implementierung

Bestehen die Maßnahmen die Überprüfung, sollten die erfolgreichen Elemente in das interne System integriert werden. Dieser Schritt sollte hinreichend kommuniziert und bestenfalls Ansprechpersonen für Nachfragen benannt werden. Auch hier sollte natürlich regelmäßig in größeren Abständen geprüft werden, ob die Maßnahmen wirken.

BGM lohnt sich: der ROI

Die BGM-Maßnahmen sollten sich nicht nur für die Belegschaft lohnen, sondern auch wirtschaftlich zu Buche schlagen, denn eine reine Sozialleistung ist das BGM für ein Unternehmen in der Regel nicht. Seit 2003 wertet die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) regelmäßig die wissenschaftliche Literatur zum Thema Wirksamkeit und Nutzen arbeitsweltbezogener Gesundheitsförderung und Prävention aus. Den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand für die Jahre 2012 bis 2018 gibt der iga.Report 40 wieder. Die darin enthaltenen Studien wurden in Unternehmen aus verschiedenen Branchen durchgeführt. Das Ergebnis: Über alle Studien hinweg ergibt sich ein mittlerer Return on Investment (ROI) von 2,7. Ein für BGM-Maßnahmen aufgewendeter Euro würde demnach zu einer Einsparung von 2,70 Euro führen.

Ein nachhaltiges BGM als Zukunftssicherung

Ein nachhaltig implementiertes BGM soll nach einer umfassenden Analyse genaue Maßnahmen liefern, um Beschäftigte motiviert, leistungsstark und gesund zu erhalten. Hybride BGM-Lösungen sind in Zeiten von New Work eine ideale Wahl, um so viele Beschäftigte wie möglich flexibel zu erreichen. BGM ist eine Investition in die Zukunftssicherung eines Unternehmens. Ist es gut geplant und nachhaltig aufgesetzt, werden Unternehmen langfristig mit einer starken und zufriedenen Belegschaft belohnt – egal, ob im Homeoffice oder in Präsenz.

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