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Mindful Leadership: So etablieren Sie Achtsamkeit im Unternehmen

Frage an die HR-Werkstatt: Wie etabliere ich mehr Achtsamkeit im Unternehmen?

Es antwortet: Julia Quezada, Expertin für Mindful Leadership und Head of People & Culture bei der Meditations-& Achtsamkeitsapp 7Mind.

In ihrem Buch „Radical Candor” schreibt Autorin Kim Scott darüber, wie sie eine Managementposition übernimmt, Sachen auf die Beine stellen will – dann aber scheinbar den ganzen lieben langen Tag nur Mitarbeitenden zuhört und sich als „emotionale Babysitterin“ fühlt. Als sie das Thema mit ihrem persönlichen Businesscoach Leslie bespricht und auf Zuspruch hofft, wird sie scharf zurechtgewiesen: „Kim, das ist Dein Job.“ Emotionale Arbeit sei Aufgabe der Führungskraft. 

Und bei dieser Form der Arbeit geht es vor allem darum, psychologische Sicherheit für die Beschäftigten herzustellen. Das wiederum reduziert das Stresslevel der Mitarbeitenden, aber auch von den Führungskräften selbst. Wie kann nun aber psychologische Sicherheit hergestellt werden? Das geschieht vor allem durch Achtsamkeit – oder Mindful Leadership. Denn verhält sich die Führungskraft achtsam, so übernehmen dieses Verhalten auch die Mitarbeitenden. Wie kann Mindful Leadership nun aber etabliert werden?

Setzen Sie sich aufs Kissen

Wenn man Mindful Leadership umsetzen möchte, kann ich als ersten Schritt nur empfehlen, eine eigene Meditationspraxis zu haben. Dadurch werden Führungskräften von Menschen, die einst direkt auf Einflüsse von außen reagieren, zu solchen, die einen Impuls wahrnehmen, dann kurz innehalten, um schließlich bewusst zu agieren. Denn beim Meditieren findet man die Pause zwischen den eigenen Gedanken und lernt, die eigenen Bedenken zu beobachten, anstatt von ihnen überwältigt zu sein. Es entsteht ein Miniuniversum der Möglichkeiten, Aktionen bewusst zu setzen und nicht einfach von der unreflektierten Gewohnheit mitgeschleppt zu werden.

Jetzt sagen Sie sicher: „Mensch, dafür ist doch echt keine Zeit, viele Führungskräfte haben schon so viel auf ihrer To-do-Liste.“ Meine Antwort darauf: Selfcare ist nie ein Fehler und sollte auch nicht als Teil einer To-Do-Liste verstanden werden. Denn: Wer seinem Körper ermöglicht, zu entspannen und sich zu regenerieren, kann danach in den meisten Fällen viel produktiver und kreativer sein und hat im Endeffekt keine Zeit „verloren“.                                

Sich als Vorbild verhalten                                                            

Als zweiten Schritt müssen Führungskräfte etwas fundamental Wichtiges über die Menschheit akzeptieren: Menschen tun nicht, was Sie ihnen sagen. Menschen tun, was sie andere tun sehen. Anzuerkennen, dass Führungskräfte den ersten Schritt in Richtung psychologischer Sicherheit machen müssen, indem sie ehrlich über Ihre eigenen Herausforderungen, Schwächen und Fehltritte sprechen, ist für Leader anfangs unvorstellbar. Es führt aber kein Weg dran vorbei. Manchmal zweifele ich als Führungskraft noch selbst, ob es gut war, so offen mit dem Team über die eine oder andere Sache zu sprechen, ob sie mich jetzt vielleicht weniger respektieren. Die sehr hohe Arbeitszufriedenheit und Produktivität meines Teams widerlegen aber meine Zweifel. Denn wenn ich mich als ganzer Mensch zeigen kann, bekommen sie indirekt die Erlaubnis, dies auch zu tun. Dadurch lässt Performance-Druck auf beiden Seiten nach und das Team wächst enger zusammen.

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Die Superpower: einfach zuhören

Wir denken oft, eine Führungskraft ist jemand, der oder die vorne steht, laut redet und handelt. Mindful Leadership nimmt da eine ganz andere Perspektive zu ein. Nämlich dass es nicht um den Leader geht, sondern um das Team. Die ganze Gruppe ist es, die im Rampenlicht stehen soll. Dieses Umdenken kann auch bei der Führungskraft für Entspannung sorgen und für sie den Druck herausnehmen, sich ständig selbst beweisen zu müssen. Der Erfolg des Teams ist auch der Erfolg der Führungskraft. Und die größte Superpower als Mindful Leader ist das Zuhören. Nicht halb zuhören, während man Notizen macht und überlegt, was man als Nächstes sagen will. Sondern Zuhören mit voller Aufmerksamkeit, um die Nuancen mitzukriegen, Fragen stellen zu können, und noch mehr zu verstehen. Nichts gibt einem Menschen mehr das Gefühl, gesehen, gehört und verstanden zu werden. Trifft das auf Mitarbeitende zu, sind sie entspannter, produktiver und arbeiten besser im Team. Auch erhöhen sie dadurch ihre Kreativität und Lerngeschwindigkeit nachhaltig und sie haben mehr Spaß an der Arbeit.     

Fazit                                                  

Mindful Leadership ist die Basis einer guten Führung, denn sie reduziert Stress bei den Mitarbeitenden und ermöglicht es allen im Team, an ihre eigenen Ressourcen anzudocken und gezielt zu agieren. Leader und ihr Team haben zudem eine bessere Beziehung und dadurch viel mehr psychologische Sicherheit, aus der neue Ideen und Wege entstehen können.

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