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Drei Viertel der Unternehmen bieten berufliche Weiterbildung an

Inwiefern findet eine berufliche Weiterbildung in Unternehmen statt? Dieser Frage ist die sechste Europäische Erhebung über die berufliche Weiterbildung in Unternehmen (CVTS) nachgegangen, die das Statistische Bundesamt (Destatis) jetzt veröffentlicht hat. Demnach hat gut drei Viertel der Unternehmen in Deutschland den Beschäftigten im Jahr 2020 Qualifizierungsmaßnahmen angeboten. Das waren genauso viele wie 2015. Tendenziell gibt es bei größeren Unternehmen häufiger Weiterbildungsangebote als in kleinen Organisationen. In Firmen ab 1.000 Beschäftigten boten 95 Prozent Qualifizierungsveranstaltungen an, während es in Betrieben mit 10 bis 19 Mitarbeitenden lediglich gut die Hälfte war.

Um Weiterbildungen anbieten zu können, müssen Unternehmen Geld in die Hand nehmen. Im Schnitt gaben sie pro Teilnehmer oder Teilnehmerin 1.846 Euro im Jahr aus. Umgerechnet auf jeden Beschäftigten in diesen Betrieben ergaben sich Kosten von 966 Euro.

Anteil selbstgesteuerten Lernens deutlich gestiegen

Weiterbildung kann auf verschiedene Arten stattfinden. Derzeit aber größtenteils in noch recht klassischen Formen. Unabhängig von ihrer Größe qualifizieren knapp zwei Drittel (63 Prozent) der befragten Unternehmen ihre Mitarbeitenden mit Hilfe von klassischen Seminaren, Kursen und Lehrgängen weiter. Eine Weiterbildung am Arbeitsplatz gibt es bei rund 61 Prozent der Unternehmen, Informationsveranstaltungen bei knapp der Hälfte der Organisationen. Hier zeigt die Auswertung allerdings einen Rückgang von neun Prozent; offenbar verzichteten viele Unternehmen in der Corona-Zeit auf solche Präsenzmaßnahmen.

Dagegen nahm das Angebot an selbstgesteuertem Lernen von 26 Prozent im Jahr 2015 auf 42 Prozent zu. Hier wird ebenfalls ein Corona-Effekt vermutet, allerdings spielt für den Anstieg auch der allgemeine Trend zu mehr E-Learning eine Rolle. Weitere Weiterbildungsmaßnahmen wurden in geringerem Ausmaß durchgeführt: Lern- und Qualitätszirkel fanden in jedem sechsten Unternehmen (16 Prozent) statt, etwa zwei Prozent weniger als fünf Jahre vorher. Job-Rotation, Austauschprogramme, Abordnungen sowie Studienbesuche gab es in jedem zehnten Betrieb – 2015 lag der Anteil minimal niedriger.

Mehr Weiterbildung zu Gesundheit und Arbeitsschutz

Egal für welches Weiterbildungsmodell sich die Arbeitgeber entschieden haben, die Beschäftigten verbrachten 2020 durchschnittlich 28 Stunden in Lehrgängen, Kursen und Seminaren – sechs Stunden mehr als 2015. Bei rund drei Vierteln (76 Prozent) der Stunden handelte es sich um interne Lehrveranstaltungen. Circa ein Viertel (24 Prozent) waren externe Lehrveranstaltungen; dieser Anteil lag fünf Jahre zuvor noch bei 37 Prozent. Auffällig ist, dass die Teilnehmenden deutlich mehr Zeit für Weiterbildung in Gesundheit und Arbeitsschutz aufwanden: Der Anteil der Stunden für solche Maßnahmen stieg in fünf Jahren von 20 auf 37 Prozent.

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Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.