Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Konstruktiv positiv: Stärken stärker stärken

Denken Sie an die vergangenen zwei Jahre, mit all ihren Umbrüchen, Ungewissheiten und Quellen des Unmuts: Welche Ihrer Stärken haben geholfen, durch diese Zeiten halbwegs gut durchzukommen? Was machen Sie mit Ihren Fähigkeiten und Qualitäten möglich, leichter, einfacher? Für Sie selbst, Ihre Kollegen, Ihr Team, Ihre Organisation? Wahrscheinlich können Sie das gar nicht so einfach beantworten. Denn mit unseren Schwächen, Defiziten und Mängeln beschäftigen wir uns in der Regel ausgiebiger als mit den eigenen Kompetenzen. Gerade mal ein Drittel der Befragten in Studien, die nach den eigenen Stärken fragen, können diese nennen. Noch weniger geben an, dass sie ihre Talente regelmäßig im Job einsetzen können.

Das ist bitter. Denn Kompetenzen kennen und ausbauen, die eigenen und die der anderen, lohnt sich – gerade als Personalerin oder Personaler, in der Organisationsentwicklung, als Führungskraft. Denn wer die eigenen Stärken und die seiner Belegschaft kennt und fördert, ist zufriedener mit der eigenen Arbeits- und Lebenssituation, verfolgt Ziele mit mehr Einsatz und Erfolg, ist resilienter gegen Stress und optimistischer in Krisensituationen. Das legen etliche wissenschaftliche Untersuchungen nahe, die seit Beginn der Nullerjahre erhoben und veröffentlicht worden sind. Daher spielt das Entwickeln der Stärken in der Positiven Psychologie und bei Positive Leadership eine zentrale Rolle. In meiner Arbeit als Coach und Teamentwickler erlebe ich außerdem: Wenn Fähigkeiten in Teams fokussiert werden, werden Krach und Knatsch seltener, wird Kooperation häufiger. Denn dann wird die oder der Kreativling in der Rolle als Ideenbrunnen ebenso wertgeschätzt wie das Präzisionswunder an der Werkbank für ihre oder seine genaue und zuverlässige Arbeit.

„Wer seine Stärken kennt, ist resilienter, optimistischer und engagierter.“

Leider herrscht in der Berufswelt ein Macken- und Mängelfetisch. Weil die Führungskräfte die eigenen Talente nicht sehen, weil immer neue Change-Programme nur herausgestellt haben, was alles schiefläuft, weil es schlicht am Vokabular für Tugenden, Gutes, Gelingendes fehlt. Doch dagegen können Sie einiges tun, um sich sowohl die eigenen Kompetenzen bewusster zu machen als auch die Ihrer Mitarbeitenden oder die der Führungskräfte, die Sie betreuen. Hier ein paar Tipps:

  • Stärkenorientierte Workshops: Solche Seminare sind gerade jetzt sinnvoll, wo es in das „nächste Normal“ geht und wo viele Organisationen aushandeln müssen, wer wann wo wieso auf welche Weise mit wem zu was arbeitet.
  • Das Mitarbeitergespräch: Dieses Führungsinstrument hat noch viel zu oft den Fokus auf das noch nicht Perfekte – warum nicht da mehr auf Stärken und Erfolge schauen?

Alles zum Thema

Konstruktiv positiv

In seiner Kolumne “Konstruktiv positiv” erklärt Autor und Coach Christian Thiele, wie positive Führung funktioniert.

  • Stellenausschreibungen: Wenn Stellen ausgeschrieben oder nachbesetzt werden, könnten Führungskraft mit dem Team diskutieren, welche Fähigkeiten bereits vertreten sind und welche noch ausgebaut werden müssen.
  • Loben und Delegieren: Nehmen Sie bei Lob und Delegation Bezug auf Stärken, um das Bewusstsein der Mitarbeitenden für Kompetenzen und Erfahrungen zu vertiefen („Dass wir dieses Projekt so gut stemmen konnten, liegt unter anderem daran, dass Ihr so außergewöhnlich gut …“)
  • Stärkentests: Der CliftonStrengths oder der VIA-Test machen Potenziale und Stärkenprofile Einzelner und von Teams mess-, darstell- und vergleichbar. Wo finden Sie und Ihr Team sich in diesen Stärkenbeschreibungen wieder? Wie lassen sich die Stärken stärker in den Berufsalltag integrieren? Welche Stärken sind vielleicht hier und da zu sehr ausgeprägt?
  • Stärkencoachings: Mit gezielten Coachings lassen sich Talente und Kompetenzen besser sehen und wertschätzen. So können Sie auch verstehen, wann Kreativität, Zuversicht, Elan oder andere Stärken zu laut für andere sind und sie besser an die jeweilige Arbeitsumgebung angepasst werden müssen.

Und die Schwächen, die wir alle haben? Wenn wir uns mehr mit den Talenten befassen, den eigenen und denen anderer, an die wir vielleicht unsere Schwächen delegieren können – dann fallen die Macken weniger ins Gewicht. Viel Spaß und Erfolg dabei!

Info

(Der Artikel basiert in Teilen auf einer früheren Ausgabe der Kolumne.)

Christian Thiele ist Autor und Coach für positive Leadership. Sein Buch „Positiv führen für Dummies“ ist gerade im Wiley-Verlag erschienen, sein Podcast „Positiv Führen“ lässt sich auf allen großen Podcast-Plattformen abrufen.
https://positiv-fuehren.com/