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Was kann eine Coaching-App im Change-Prozess leisten?

Frage an die Werkstatt: Was kann eine Coaching-App im Change-Prozess leisten?

Es antwortet: Swantje Benussi, eine der Gründerinnen und Geschäftsführerin von onesome, einem Coaching-App-Anbieter

Veränderungen sind nicht die Ausnahme, sondern der Alltag in der Arbeitswelt. Es bedarf deshalb Mitarbeitender, die ein agiles Mindset und eine grundlegende Bereitschaft für Neuerungen haben.  Doch diese Denkweise ist nicht bei jedem vorhanden und muss gefördert, die Mitarbeitenden aktiv durch Change-Projekte begleitet werden. Das kann durch Coaching geschehen. Derzeit erhalten aus Kosten- und Zeitgründen oftmals nicht alle Beschäftigten diese Förderung. Coaching-Prozesse finden meist nur auf höchster Führungsebene statt. Zudem erschwert die Corona-Pandemie eine Begleitung durch einen Wandel. Das muss allerdings nicht sein. Mit einer App lässt sich Coaching „demokratisieren“ und Gruppen der mittleren und unteren Konzernebenen können gezielt und von jedem Ort aus eingebunden werden. Doch was kann eine Coaching-App im Veränderungsprozess eines Unternehmens wirklich leisten?

Konkrete Herausforderungen in Veränderungssituationen

Eine Coaching-App setzt am Kern an – nämlich beim Individuum. Es geht darum, dass die Mitarbeitenden im ersten Schritt selbst reflektieren und ihre eigenen Muster, Trigger und Stärken durch entsprechende vorgegebene Fragen entdecken. Zudem kann eine App die individuellen Kompetenzen für den Wandel fördern. Mitarbeitende finden im Tool verschiedene Modelle zu veränderungsrelevanten Themen wie Resilienz, Empathie und Kommunikation sowie Übungsanleitungen zu diesen inhaltlichen Schwerpunkten und begeben sich auch hier wieder in die Selbstreflexion. Der eigene Prozess kann getrackt und damit für den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin nachvollzogen werden, womit die eigene Entwicklung greifbarer wird.

Die App kann sich zwar auf den Einzelnen oder die Einzelne beziehen, gleichzeitig aber auch aufzeigen, wie jeder und jede ein nötiger Teil des großen Ganzen im Unternehmen ist. Durch gezielte „Community Sessions“ – virtuelle Meetings, in denen die Nutzenden der App zusammenkommen und sich über ihre Erfahrungen austauschen – lässt sich Erlebtes bündeln und die Unternehmenskultur entwickelt sich weiter. Dadurch werden die Mitarbeitenden untereinander vernetzt und lernen ihre Kolleginnen und Kollegen besser kennen. Dieser Mix aus analytischen Tools sowie offenen und geschlossenen Reflexionen soll den Coachee zur Selbsterkenntnis und -bewusstheit führen.

Tool für den Kulturwandel

Veränderung ist meist auch mit einem Kulturwandel verbunden. Dieser kann nicht von heute auf morgen stattfinden, sondern braucht Zeit. Die Coaching-App sollte den Mitarbeitenden deshalb für den gesamten Change-Prozess zur Verfügung stehen – mindestens aber ein Jahr. Wenn Mitarbeitende das Tool konsequent nutzen, werden sie so über einen längeren Zeitraum begleitet und nicht nur temporär mittels einzelner Workshops. Die Haltung der Beschäftigten zu neuen Prozessen und Werten kann sich so über die Zeit ändern.

Emotionale Stütze

Veränderungen finden Mitarbeitende auch in grundlegenden Mechanismen vor – beispielsweise wie im Unternehmen entschieden oder kommuniziert wird. Das kann Ängste bei ihnen hervorrufen, die ernst genommen und gelindert werden sollten. Hier kann eine Coaching-App verunsicherten Mitarbeitenden als „emotionales Geländer“ dienen, an dem sie sich festhalten und Orientierung finden können. Denn die App ist zu jeder Zeit, an jedem Ort einsetzbar und bietet einen aktuellen Überblick über individuelle, aber auch gemeinsame Ziele und Haltungen, die sich im Zeitverlauf ändern. Das vermittelt Wissen und Sicherheit, was wiederum zu einer hohen Wahrscheinlichkeit dafür sorgt, dass Mitarbeitende Veränderungen als etwas Positiveres ansehen. 

Mitarbeitenden zur Sprachfähigkeit verhelfen

Dennoch ist es für den Arbeitgeber im Wandel wichtig, auch die negativen Gefühle und Verunsicherungen der Mitarbeitenden zu kennen. Dafür müssen sich die Beschäftigten allerdings erst einmal selbst kennen. Das geschieht durch Reflexion, die wiederum durch die Coaching-App gefördert werden kann. Die Beschäftigten wissen dadurch auch genauer, was sie wollen und brauchen. Sie werden sprachfähiger. So können sie aktiv auf ihre Führungskräfte zugehen und kommunizieren, was sie benötigen, und lösen sich aus der Konsumenten- beziehungsweise Opferrolle. Durch die Selbstreflexion überdenken sie zudem ihre eigene Haltung und lernen, flexibler und vielleicht auch mutiger in der neuen Arbeitsumgebung zu agieren.

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Das „Problem“ bei der Wurzel packen

Generell hat der Change- und damit auch der begleitende Coachingprozess jedes Einzelnen drei Phasen. Verstehen ist der erste Schritt, Verinnerlichen und die Offenheit für das Neue zu spüren ist die zweite Phase, erst dann kann es zu einer Haltungsänderung kommen.

Die Herausforderung für eine App liegt darin, die persönliche Unterstützung eines Mitarbeitenden über alle drei Phasen hinweg zu gewährleisten. Geschieht das, fördert dies automatisch die Veränderung im Team, der Abteilung und im gesamten Unternehmen. Denn durch die Unterstützung sind die Beschäftigten Change gegenüber offener und haben mehr Spaß am Wandel. Sie spüren die Wertschätzung durch den Einsatz der App und fühlen sich als „ganzer Mensch gesehen“, dessen Weiterentwicklung dem Unternehmen am Herzen liegt.

Diese Fragen müssen sich Unternehmen stellen, die eine Coaching-App im Change-Prozess einsetzen wollen:

  • Welche Eigenschaften brauchen meine Mitarbeitende, um mein Unternehmen wirtschaftlich stark zu halten?
  • Wie können wir uns auf die einzelnen Mitarbeitenden konzentrieren und in sie investieren?
  • Welche Rolle nimmt HR bei der Einführung und Nutzung der App ein? Wer ist der Hauptansprechpartner für alles, was die Coaching-App betrifft?
  • Wie kann digitale Personalentwicklung und Coaching als Instrument in meinem Unternehmen gelingen? Welche Rahmenbedingungen müssen dafür unter Umständen getroffen werden?
  • Welchen Mehrwert verspreche ich mir von der App und kann sie diesen auch erbringen?
  • Wer ist meine Kernzielgruppe für die App?

Sind diese Fragen beantwortet, kann die Reise losgehen.

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