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Für welche Berufsgruppen war das Recruiting 2021 besonders schwierig?

Der Zeitraum, in dem freie Stellen besetzt werden, hat sich hierzulande verlängert. Damit fällt das Recruiting-KPI „Time-to-Fill“ immer schlechter aus. Die größten Schwierigkeiten, eine Position zu besetzen hatten Unternehmen im Einzelhandel. Das geht aus einer aktuellen Analyse von Indeed hervor. Das Jobportal hat untersucht, welche Stellenanzeigen auf dem Portal von Januar 2021 bis Januar 2022 besonders häufig länger als zwei Monate online waren.

Im Einzelhandel blieb fast jede zweite Stelle unbesetzt

Der Einzelhandel hatte vergangenes Jahr insgesamt die größten Schwierigkeiten, Mitarbeitende zu rekrutieren und war permanent auf der Suche nach neuem Personal. Im Schnitt blieb fast die Hälfte der Stellenangebote (46,5 Prozent) mehr als zwei Monate online. Das betraf alle Positionen von Aushilfen bis hin zu leitenden Funktionen. So lag der Anteil der Jobinserate für Handelsfachwirte, die länger als 60 Tage geschaltet waren, bei 91 Prozent. Positionen für stellvertretende Filialleiter waren zu 56 Prozent so lange online. Bei Angeboten für Lebensmittelverkäuferinnen und -verkäufer betrug der Anteil der mehr als zwei Monate währenden oder sogar dauerhaften Ausschreibungen rund zwei Drittel (67 Prozent). Jobs für Aushilfen im Verkauf blieben zu 41 Prozent länger vakant. Auch das Recruiting von Auszubildenden gestaltete sich als schwierig. Zum Beispiel waren Ausbildungsplätze für Kaufleute im Einzelhandel mit der Fachrichtung Lebensmittel zu 91 Prozent länger als zwei Monate online.

Recruiting-Schwierigkeiten auch in der Gastronomie

Am zweithäufigsten blieben Stellenanzeigen für Mitarbeitende im Bank- und Finanzwesen mehr als 60 Tage online; hier betrug der Anteil 38,3 Prozent. Kaum weniger betroffen mit 37,8 Prozent war der Bereich Lebensmittelzubereitung, -herstellung, -verkauf und Gastronomie. In dieser Branche hatten viele Beschäftigte infolge der Lockdowns ihren Job verloren und wollen aufgrund der Unsicherheit auch nicht wieder dorthin zurück. Es folgten Stellen für Ingenieure (35 Prozent), Softwareentwicklerinnen und -entwickler (34,3 Prozent), Personal im IT-Support und in der IT-Infrastruktur (33,9 Prozent) sowie Jobinserate für das Management (33,7 Prozent), den Maschinenbau (33,5 Prozent) und das Bauingenieurwesen (32,9 Prozent).

Geringere Besetzungsprobleme im Handwerk

Vergleichsweise weniger mit Rekrutierungsproblemen zu kämpfen hatten Unternehmen im Bereich Handwerk, Technik und Mechanik, wo der Anteil der länger als zwei Monate geschalteten Jobinserate bei durchschnittlich 28,9 Prozent lag. Bei einzelnen Berufen fiel er allerdings deutlich höher aus, so etwa bei Stellenanzeigen für Sprinklermonteure (78 Prozent), Beton- und Stahlbetonbauer (63 Prozent) sowie Poliere im Hochbau (58 Prozent).

Wie sieht es im Gesundheitswesen aus?

Anders als vielleicht aufgrund der medialen Debatten vermutet, blieben auch Stellen in der Gesundheits- und Krankenpflege deutlich weniger lange unbesetzt als es durchschnittlich auf dem Arbeitsmarkt 2021 der Fall war. Rund jedes vierte Jobinserat (24,7 Prozent) war mehr als 60 Tage online. Bei Stellenausschreibungen für Altenpflegehelfer lag dieser Anteil bei etwa einem Fünftel (21 Prozent). Überdurchschnittlich lange dauerte dagegen die Rekrutierung von Personal in der Intensivkrankenpflege; dort waren 46 Prozent der Ausschreibungen länger als zwei Monate online – so viele wie im Einzelhandel. Über die Ursachen sagt die Auswertung nichts aus. Erklärungsmöglichkeiten wären unter anderem, dass die Gehälter für Pflegepersonal auch in der Corona-Zeit nicht erhöht wurden und Stellen im Einzelhandel zunehmend befristet oder als Minijobs ausgeschrieben werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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