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HR-Start-up Xeem bei „Die Höhle der Löwen“

+++ UPDATE vom 26. April 2022, 9 Uhr: Im Gegensatz zu allen anderen Pitches der Gründer und Gründerinnen, die allesamt klassische Endverbraucher-Produkte vorstellten, stand bei Janine Weirich und Géraldine Ulrichs lediglich ein Bildschirm neben ihnen. Für ihre Präsentation von Xeem wurden sie dennoch von den Investoren und Investorinnen sehr gelobt. „Zu der Chance, in die Höhle zu gehen, haben wir direkt ja gesagt und sind unglaublich dankbar, dass wir deutschlandweit unsere Lösung präsentieren durften”, erinnert sich Ulrichs. Aufgezeichnet wurde bereits vor einem Jahr. Endlich konnten sie der Welt das Ergebnis mitteilen: Drei Löwen investieren in Summe 300.000 Euro in das Darmstädter Start-up. Eingestiegen sind Carsten Maschmeyer, Dagmar Wöhrl sowie Sarna Röser für 25,1 % der Geschäftsanteile. Damit haben sie nicht die Mehrheit am Unternehmen, aber können trotzdem wichtige Entscheidungen zumindest blockieren oder mitbestimmen. Eigentlich hatten die beiden Gründerinnen 10 % ihrer Firmenanteile für 250.000 Euro angeboten. Die beiden anderen in dieser Folge entstandenen Deals sind gleich nach der Sendung geplatzt. +++

Ein Studium liefert zumindest meistens das theoretische Rüstzeug für die spätere Berufslaufbahn. Doch erste berufliche Erfahrungen können hier nicht schaden. Zum einen, um die Theorie auch schon einmal praktisch angewendet zu haben. Zum anderen aber auch, um selbst herauszufinden, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist – und welche es sonst noch gibt.  

Janine Weirich und Géraldine Ulrichs, die Gründerinnen des Start-ups Xeem aus Darmstadt, hatten im Bachelorstudium Interactive Media Design die Möglichkeit, Unternehmen kennenzulernen und gemeinsam Projekte umzusetzen. „Wir konnten uns bei Projekten, zum Beispiel bei der Konzeption einer App, selbst ausprobieren, eigene praktische Erfahrungen sammeln, einfach mitmischen“, sagt Ulrichs. Das möchten sie mit ihrem Unternehmen in Form von Online-Challenges allen Studierenden ermöglichen, auch wenn der Studiengang das selbst nicht hergibt. Zwar gebe es auch Werkstudenten-Jobs, die schon einen ersten Eindruck in die Praxis bieten, aber die seien häufig sehr einseitig und es gehe eher um Hilfsarbeiten. 

Projektbasierte Zusammenarbeit mit Unternehmen 

Aber was genau steckt hinter den Online-Challenges, die von Anfang an gut ankamen? Im Grunde entwickelt ein Unternehmen – die Kunden von Xeem – aus einem tatsächlichen Problem eine Challenge, die auf der Plattform des Start-ups zur Verfügung gestellt wird. Die Studierenden können aus verschiedenen Aufgabenstellungen von IKEA über Ergo bis hin zu SAP wählen und sich mit einem Team dafür anmelden. Die Idee stammt aus der Bachelorarbeit der beiden: „Das Feedback von Seiten der Unternehmen, aber auch der Studierenden, hat uns so sehr motiviert, dass wir bereits mit Beginn des Masters mit der Gründung angefangen haben“, sagt Janine Weirich.  

Geht man heute auf die Plattform, findet man Challenges, die noch zwischen 20 und 200 Tage lang laufen. Das Unternehmen entscheidet sich dann meistens für drei Siegerteams, die häufig Preisgelder bis zu 1.500 Euro erhalten. Manche Challenges enden mit einem Pitch-Event bei dem Unternehmen vor Ort.

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Die Studierenden konnten sich zum Beispiel mit der Frage „Wie kann es Vodafone schaffen, alle CO2-Emissionen auf Null zu senken, und einen Beitrag zu einer klimaneutralen Welt leisten?“ beschäftigen und Ideen einreichen. Die Challenges decken verschiedene Fachbereiche ab, auch Herausforderungen der HR-Abteilungen. Auf diese Weise können Studierende herausfinden, welches Thema sie interessiert und Unternehmen besser kennenlernen: „Bei unserem ersten Kunden Merck denken viele nur an ein Pharmaunternehmen, ohne zu wissen, dass sie zum Beispiel ein spannendes Innovation Center haben“, sagt Ulrichs. 

Mehr als Ideengenerierung? 

Die Unternehmen erhalten ein einfaches Nutzungsrecht, sodass sie mit den Ergebnissen der Challenges arbeiten dürfen. Das sei ein wichtiger Aspekt, denn die Aufgabenstellung der Challenge ist bei ihnen ja ein tatsächliches Problem, für das sie Lösungen suchen. Für eine exklusive Nutzung müssten sie dann aber mit den Studierenden in Verhandlung gehen. Verena School, Head of Learning & Training bei der ERGO Group, schätzte an der Challenge vor allem, dass jemand Externes auf ein Thema schaute und sie so einen Blickwinkel bekamen, den sie innerhalb des Unternehmens niemals herstellen können. 

Es gehe den teilnehmenden Unternehmen aber nicht nur darum, neue Ideen zu erhalten. Sie könnten sich so auch potenziellen Bewerbern und vor allem der Generation Z präsentieren. „Unsere Online-Challenges sind quasi eine innovative Recruiting-Methode und für beide Seiten – Unternehmen wie Studierende – eine spannende Chance“, sagt Weirich. 


Ein ausführliches Interview zu den Hintergründen der Start-up-Gründung lesen Sie auf unserem Schwesterportal Gründen & Wachsen.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft und schreibt off- und online. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Arbeitsrecht, HR-Start-ups und Recruiting.