Etwas weniger Unternehmen leisten sich nächstes Jahr Gehaltserhöhungen. Das zeigt der aktuelle Gehaltsreport der Beratung Robert Walters. Planten im letzten Jahr noch drei Viertel der befragten Unternehmen eine Gehaltserhöhung für 2025, sank der Wert jetzt für 2026 auf durchschnittlich 68 Prozent – der niedrigste Wert seit 2022. Unternehmen geben im Schnitt an, das Gehalt um rund 4 Prozent zu erhöhen. Dies kontrastiert mit den Erwartungen der Belegschaft: Fach- und Führungskräfte rechnen im Schnitt mit einer Gehaltssteigerung von 6 Prozent.
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Als Hauptgrund für die Gehaltsentscheidungen geben die befragten Unternehmen in Deutschland mit rund 48 Prozent die derzeitige finanzielle Lage an. Danach folgen der Fachkräftemangel (21 Prozent) und die Gehaltsvorstellungen der Kandidatinnen und Kandidaten (14 Prozent). Auch die befragten Talente geben die wirtschaftliche Lage als häufigsten Grund an, eine Gehaltserhöhung als unwahrscheinlich oder ausgeschlossen einzuschätzen (37 Prozent). Beim Verhandeln des Gehaltes fühlen sich rund 63 Prozent der Befragten in ihrem Unternehmen wohl. Nur 10 Prozent gibt an, die Sicherheit des Arbeitsplatzes durch Gehaltsverhandlungen nicht gefährden zu wollen.
Info
Die globale Gehaltsstudie des Beratungshauses Robert Walters wird jährlich veröffentlicht. Für die Ergebnisse aus Deutschland wurden vom 1. September bis 10. Oktober 856 Personen in 644 Unternehmen befragt. Mehr Informationen gibt es hier.
HR-Talente werden häufiger eine Gehaltserhöhung bekommen
Die Personalabteilung liegt in der Befragung leicht über dem Durchschnitt. In diesem Bereich planen 73 Prozent der deutschen Unternehmen Gehaltserhöhungen. Generell bleiben die Prognosen für HR-Gehälter stabil. Robert Walters attestiert HR-Talenten generell derzeit eine sehr hohe Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Allerdings legen Hays-Zahlen zu den ausgeschriebenen Stellen für HR nahe, dass die Nachfrage noch nicht wieder ganz angezogen hat:
So kann ein Head of HR mit drei bis sieben Jahren Berufserfahrung 2026 mit einer Gehaltsspanne von 100.000 bis 180.000 rechnen, bei Heads of Payroll liegt diese bei 80.000 bis 130.000 Euro, jeweils 20.000 Euro mehr als noch im Vorjahr. Gute Aussichten haben auch HR Manager und Managerinnen mit der gleichen Berufserfahrung: Hier steigt die Gehaltsspanne von 75.000 bis 105.000 im Jahr auf bis zu 140.000 im Jahr 2026. Laut des Reports sind in der Berufsgruppe der HR Manager zudem bei 97 Prozent der Befragten Boni zu erwarten.
Auch nach den Erwartungen und der Wechselbereitschaft der HR-Professionals wurde bei dem Report gefragt. 40 Prozent der HR-Professionals geben an, eine Gehaltserhöhung im Jahr 2026 zu erwarten. Ebenfalls 40 Prozent gaben an, sich 2026 nach einer neuen Stelle umzusehen. Die Hälfte der befragten HR-Professionals ist zuversichtlich, was ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt angeht. Im Schnitt bleiben HR-Professionals 2,1 Jahre bei einem Arbeitgeber.
Mitarbeiterbindung: Ein Drittel ergreift keine Maßnahmen
Die Fluktuation unter den Mitarbeitenden ist laut Report bei den meisten Unternehmen gleichgeblieben. Rund zwei Drittel der befragten Unternehmen geben dies an. Bei rund 28 Prozent ist sie gestiegen, bei nur rund 13 Prozent gesunken.
Zu den Gründen gefragt, warum es schwieriger wird, Mitarbeiter zu halten, geben rund 58 Prozent aller Befragten die erhöhte Arbeitsbelastung aufgrund Personalknappheit an. Rund 56 Prozent vermuten zudem geringere Gehaltssteigerungen oder Boni als Grund und rund 53 Prozent attraktivere Angebote der Konkurrenz.
Benefits könnten ein Ausgleich sein
Thomas Hoffmann, Managing Director von Robert Walters Germany, prognostiziert anhand der Ergebnisse des Reports Spannungen im Arbeitsmarkt: „Arbeitgeber müssen mit Transparenz und gezielten Zusatzleistungen reagieren, während Beschäftigte realistischer werden und verstehen sollten, dass wirtschaftliche Rahmenbedingungen nicht unbegrenzt Spielraum lassen.“
Möglichkeiten bieten hier beispielsweise attraktive Benefits wie eine betriebliche Altersvorsorge, Zusatzurlaub oder Mobilitätsangebote. In der Befragung geben rund 40 Prozent der Unternehmen an, die Benefits für ihre Mitarbeitenden verbessert zu haben. 27 Prozent geben allerdings an, keinerlei Maßnahmen zur Förderung der Mitarbeitenden anzubieten.
Das CHRO Panel der Personalwirtschaft hat diesbezüglich ergeben, dass Benefits in diesem Jahr der HR-Bereich war, bei dem bei den meisten Unternehmen Budgets gekürzt wurden. In Kombination mit Gehaltskürzungen oder ausbleibenden Anpassungen eine schwierige Situation, um Beschäftigte zu halten.
Angela Heider-Willms verantwortet die Berichterstattung zu den Themen Transformation, Change Management und Leadership. Zudem beschäftigt sie sich mit dem Thema Diversity.

