Gehaltsverhandlungen mit System und Struktur

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Das Thema Gehaltsverhandlung ist für Arbeitgeber von zentraler Bedeutung. In einer Zeit, in der Arbeitnehmermärkte immer wettbewerbsintensiver werden, ist eine planvolle Herangehensweise unerlässlich. Vergütungsverhandlungen haben sich dabei immer mehr von Gesprächen über rein finanzielle Themen zu umfangreicheren Verhandlungen entwickelt, in denen meist eine Vielzahl von Komponenten berücksichtigt wird.

Gehaltsverhandlungen beziehen sich in der Regel auf den Prozess, bei dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Bedingungen der Entlohnung und anderer Vergütungsbestandteile besprechen und festlegen. Dabei können sowohl direkte finanzielle Aspekte wie Gehalt und Boni als auch indirekte Leistungen wie Weiterbildungsmöglichkeiten und flexible Arbeitszeiten eine Rolle spielen. Im Unterschied zu traditionellen Gehaltsgesprächen, die oft einmalig und positionsgebunden sind, umfassen Entwicklungs- und Gehaltsgespräche einen kontinuierlichen Abgleich der Erwartungen und Leistungen. Dabei hilft eine gut durchdachte Verhandlungsstrategie, die besten Talente zu gewinnen und zu binden, die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern sowie letztlich die Produktivität zu erhöhen. Es ist daher zu empfehlen, diesen Prozess nicht dem Zufall zu überlassen, sondern ihn systematisch und strukturiert anzugehen. Eine planvolle Herangehensweise an Gehaltsverhandlungen ist aus Arbeitgebersicht aus mehreren Gründen zu empfehlen:

  • Eine marktkonforme Gehaltsstruktur trägt zur Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens bei.
  • Eine langfristige Vergütungsplanung unterstützt den Arbeitgeber dabei, klare Personalkostenvorgaben abzuleiten und nachzuhalten.
  • Sorgfältig geplante Gehaltsverhandlungen sorgen dafür, dass alle Vergütungsentscheidungen im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen und ethischen Standards stehen, und insbesondere die gesetzlichen Vorgaben, Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI), fördern und sicherstellen.
  • Mitarbeitende, die sich wertgeschätzt fühlen und ihre Leistung angemessen entlohnt sehen, sind oft engagierter und produktiver.
  • Eine langfristige Vergütungsstrategie hilft dabei, hochqualifizierte und talentierte Mitarbeitende zu gewinnen und langfristig zu binden.
  • Eine transparente und methodisch basierte Vergütungsstruktur unterstützt die Entwicklung einer offenen Unternehmenskultur, in der Beschäftigte Vertrauen in die Führung und ihre Entscheidungsprozesse haben.

Indem Arbeitgeber planvoll und vorausschauend in Gehaltsverhandlungen gehen, schaffen sie eine Win-win-Situation für sich und ihre Mitarbeitenden, was letztlich dem gesamten Unternehmen zugutekommt.

Die Konstellationen

Es gibt zahlreiche Situationen, die HR oder Vorgesetzte veranlassen, in Gehaltsverhandlungen einzutreten. Welche sind die geläufigsten?

  • Bei externen Einstellungen wird in der Regel das Gehalt verhandelt, es sein denn, dass tarifliche oder betriebliche Vereinbarungen den Spielraum limitieren.
  • Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, wie etwa eine erhöhte Nachfrage nach bestimmten Fähigkeiten oder Branchen, kann die Notwendigkeit, Gehaltspositionierungen neu festzulegen, beeinflussen.
  • Beim Zusammenschluss von Unternehmen oder einem Merger können Vergütungsverhandlungen notwendig werden, um Gehaltsstrukturen zwischen den beteiligten Firmen zu harmonisieren.
  • Auch interne Bewerbungen auf vakante Stellen können Gehaltsanpassungen anstoßen, insbesondere wenn die neue Position erweiterte Verantwortung oder höhere Anforderungen beinhaltet. Eine Gehaltsanpassung ist häufig mit einer Beförderung oder der Anreicherung der Stelle um neue, höherwertige Aufgaben verbunden.
  • Horizontale Veränderungen wie Jobrotationen führen meist zu der Frage nach dem richtigen Gehalt. Ein Wechsel zwischen unterschiedlichen Konzerngesellschaften, verbunden mit einem möglichen Wechsel des Vergütungssystems, stellt einen weiteren Grund dar. Ist eine anschließende Reintegration in die ursprüngliche Gesellschaft oder Konzernmutter vorgesehen, muss dies vor dem Wechsel berücksichtigt werden.
  • Regelmäßige Leistungsbeurteilungen können zu Gehaltsanpassungen führen, beispielsweise wenn Mitarbeitende überdurchschnittliche Leistungen erbracht haben. Langjährige Beschäftigte können aufgrund ihres wachsenden betrieblichen Wissens erhöhte Vergütungen erwarten (Retention).
  • Veränderungen in der Lebenssituation, beispielsweise der Wechsel von Teilzeit in Vollzeit oder umgekehrt, kann neue Gehaltspositionierungen erfordern. Ebenso der Erwerb zusätzlicher Qualifikationen, Zertifikate oder Abschlüsse.
  • Auch ein Wechsel des Arbeitsortes (innerhalb des Unternehmens), insbesondere in teurere Regionen, kann Gehaltsgespräche notwendig machen.

Diese Aufzählung ist nicht abschließend, sondern zeigt lediglich einige Beispiele typischer Gründe für Gehaltsverhandlungen auf. Jede Organisation kennt weitere spezifische Anlässe, die von ihrer individuellen Situation abhängen und maßgeblich von ihrer internen und externen Regelungslandschaft bestimmt werden.

Faktoren erfolgreicher Gehaltsverhandlungen

HR oder Vorgesetzte sollten nicht nur die professionelle Gesprächsführung beherrschen, sondern vor allem auch ein tiefgreifendes Verständnis für die Bedürfnisse des jeweiligen Gesprächspartners entwickeln können. Diese Bedürfnisse werden dabei mehr und mehr von Trends beeinflusst, die über die reinen Lohn- und Gehaltsthemen hinausgehen. Welche Aspekte sind im Kontext von Gehaltsverhandlungen wichtig?

Transparenz und Fairness: Studien von Deloitte belegen, dass Transparenz und gerechte Vergütungssysteme entscheidend für das Mitarbeiterengagement und die Bindung von Talenten sind. Arbeitgeber, die auf verlässliche und offene Vergütungssysteme setzen, können das Vertrauen ihrer Belegschaft stärken. Zu Spannungen und Unzufriedenheit in der Belegschaft führt, wenn Unterschiede in der Vergütung als ungerecht empfunden werden, obwohl die Transparenz in der Vergütung grundsätzlich positiv wahrgenommen wird. Mit einer sorgfältigen Kommunikation und einem fairen Vergütungssystem lassen sich negative Auswirkungen vermeiden. Arbeitgeber sollten eine transparente und faire Vergütungspolitik verfolgen, um Spannungen zu verhindern. Transparenz und Objektivität sind auch zentrale Anforderungen aus den gesetzlichen Vorgaben, die Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) fördern und sicherstellen sollen.

Flexibilität und Work-Life-Balance: Mitarbeitende und Führungskräfte legen zunehmend Wert auf flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, remote zu arbeiten. Eine Studie von Deloitte (2023) zeigt, dass Mitarbeitende Policies schätzen, die ihnen mehr Wahlfreiheit und Autonomie bieten. Allerdings schätzen nicht alle Beschäftigten die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Erhöhte Isolation und Schwierigkeiten, Berufliches und Privates zu trennen, können zu Stress und Burn-out führen. Arbeitgeber sollten daher flexible Arbeitsmodelle als Teil ihres Vergütungsangebots in Betracht ziehen, solange dies mit den betrieblichen Erfordernissen in Einklang gebracht werden kann, aber gleichzeitig die individuellen Präferenzen der Mitarbeitenden berücksichtigt.

Leistungsbezogene Vergütung: Arbeitgeber verlagern ihren Fokus von allgemeinen Leistungsbewertungen hin zu individuell zugeschnittenen Feedbackund Entwicklungsprogrammen. Diese ermöglichen es Vorgesetzten, Mitarbeitenden ein präziseres und motivierendes Feedback zu geben. Denn Untersuchungen haben gezeigt, dass extrinsische Belohnungen die intrinsische Motivation untergraben können: Beschäftigte könnten sich weniger engagieren, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Arbeit nur aufgrund von Belohnungen geschätzt wird. Arbeitgeber sollten daher leistungsbezogene Vergütungssysteme sorgfältig gestalten, um sicherzustellen, dass sie die Motivation fördern, ohne die intrinsische Motivation abzuschwächen.

Weiterbildung und Karriereentwicklung: Mitarbeitende und Führungskräfte schätzen zunehmend Möglichkeiten zur Weiterbildung und beruflichen Entwicklung. Lernen und Entwicklung ist für viele ein entscheidender Faktor für ihre berufliche Zufriedenheit und Bindung an das Unternehmen. Eine Studie zeigt auf, dass ein Großteil der Befragten länger in einem Unternehmen bleibt, das in ihre berufliche Entwicklung investiert. Arbeitgeber sollten daher maßgeschneiderte Weiterbildungs- und Karriereentwicklungsprogramme aktiv anbieten.

Gesundheits- und Wellnessprogramme: Unternehmen investieren vermehrt in Gesundheits- und Wellnessprogramme, um das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden zu stärken. Sie erkennen zunehmend, dass physisches, mentales und emotionales Wohlbefinden nicht nur das Engagement und die Zufriedenheit der Beschäftigten fördert, sondern auch deren Produktivität – und die Unternehmensbindung festigt. Allerdings können Programme, die nicht auf die spezifischen Bedürfnisse des Einzelnen abzielen, ineffektiv sein und manchmal sogar Misstrauen und Ablehnung hervorrufen. Arbeitgeber sollten daher Gesundheits- und Wellnessprogramme anbieten, die bedürfnisspezifisch zugeschnitten sind und deren Wirksamkeit sie regelmäßig überprüfen.

Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung: Ein weiterer Trend zeigt die wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung des Arbeitgebers. Eine Studie von Deloitte (2018) zeigt, dass Millennials und die Generation Z Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung als wichtige Werte betrachten. Trotz der Bedeutung dieser Werte der beiden Gruppen legen sie bei der Wahl eines Arbeitgebers oft großen Wert auf traditionelle Faktoren wie Gehalt und Karrierechancen. Unternehmen sollten daher ihre Nachhaltigkeits- und Corporate Social Responsibility (CSR)-Initiativen hervorheben, gleichzeitig aber auch beachten, dass die klassischen Themen wie Gehalt und Karrierechancen weiterhin zu den Hauptentscheidungskriterien zählen.

Die Motivationsdauer von Gehaltserhöhungen

Die Frage, wie lange eine Gehaltserhöhung das Engagement positiv beeinflusst, ist komplex und wird in verschiedenen Studien unterschiedlich beleuchtet. Zum einen zeigen Untersuchungen, dass Gehaltserhöhungen zwar kurzfristig die Motivation steigern können, jedoch das langfristige Engagement durch eine Kombination von Faktoren beeinflusst werden, die über die rein monetäre Vergütung hinausgehen.

Zum anderen kommt eine Studie der Princeton University zu dem Ergebnis, dass das subjektive Wohlbefinden und die Motivation ab einem Jahreseinkommen von etwa 75.000 US-Dollar kaum noch signifikant ansteigen. Insgesamt unterstreichen diese Ergebnisse,
dass monetäre Anreize zwar kurzfristig wirken, langfristig jedoch durch immaterielle Faktoren ergänzt werden müssen.

Langfristige Motivation hängt vermehrt von Faktoren wie Anerkennung und Wertschätzung, einem ästimierenden Arbeitsumfeld und intrinsisch motivierenden Arbeitsaufgaben ab.

Wie bei Gehaltsverhandlungen vorgehen?

Erfolgreiche Gehaltsverhandlungen erfordern eine gute Vorbereitung, effektive Kommunikationstechniken und überzeugende Argumentationsstrategien sowie die Fähigkeit, flexibel und kompromissbereit zu sein. Benchmark-Daten helfen, die Gehaltsstrukturen in der Branche und für ähnliche Positionen zu verstehen. Aktuelle Marktdaten bieten die Möglichkeit, Gehaltsangebote zu begründen und für Transparenz zu sorgen. Sie untermauern, dass das angebotene Gehalt wettbewerbsfähig ist und den Branchenstandards entspricht. Transparente und objektive Kriterien für Gehaltsentscheidungen verhindern Missverständnisse und erfüllen die Anforderungen aus den gesetzlichen Vorgaben, die Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion fördern und sicherstellen sollen.

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Klare Personalkostenvorgaben und feste Grenzen für Gehaltsangebote stellen sicher, dass die Verhandlungen im finanziellen Rahmen des Unternehmens bleiben und es keine überraschenden Überziehungen gibt. Wenn es die Regelungslandschaft (Entgelt-Tarifvertrag, Betriebsvereinbarungen et cetera) ermöglicht, sollte bei geringer Berufserfahrung der Bewerbenden ein Einstiegsniveau genutzt werden, das unterhalb der Zielposition der Stelle liegt. Die Heranführung an die Zielposition erfolgt dann strukturiert über die jährliche Einkommensüberprüfung.

Es empfiehlt sich, dass der Arbeitgeber in der Gehaltsverhandlung zum Auftakt das Gehaltsangebot macht. Dieses setzt den sogenannten „Anker“, an dem sich die weitere Verhandlung orientiert. Indem Vorgesetzte den ersten Vorschlag machen, haben sie die Möglichkeit, die Verhandlungsbasis zu kontrollieren. Dies verringert das Risiko, dass die Erwartung außerhalb des Vergütungsrahmens des Unternehmens liegt.

Fazit

Gehaltsverhandlungen stellen aus Unternehmenssicht einen wichtigen Prozess dar, der über das bloße Aushandeln von Zahlen hinausgeht. Eine planvoll durchdachte Herangehensweise ist unverzichtbar, um sowohl die Zufriedenheit der Beschäftigten als auch die Unternehmensziele zu erreichen. Mit den zuvor aufgezeigten Aspekten können Arbeitgeber sicherstellen, dass Gehaltsverhandlungen erfolgreich verlaufen und sie die Bedürfnisse der Mitarbeitenden ebenso berücksichtigen wie die strategischen Ziele des Unternehmens. Eine gut geführte Verhandlung trägt dazu bei, die besten Talente nicht nur zu gewinnen, sondern auch langfristig zu binden.

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