Was eine effektive Vergütungssimulation leisten muss

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Unternehmen stehen bei Veränderungen von Vergütungsstrukturen, Nebenleistungen und spezifischen Vergütungsplänen vor der Herausforderung, die zukünftige Vergütung für Mitarbeitende als attraktiv darzustellen und gleichzeitig die Kostenentwicklung neutral oder moderat zu halten. Um verschiedene Vergütungsmodelle und -strategien effektiv zu bewerten und zu planen und die Auswirkungen von Änderungen in der Vergütung auf das Unternehmen zu prognostizieren, benötigen Unternehmen eine Vergütungssimulation.

Dafür bedarf es einer effektiven Modellierungsplattform, die verschiedene vergütungsrelevante Komponenten inklusive Nebenleistungen in verschiedenen Leistungsniveaus und Varianten kombiniert. Dabei sind unter anderem auch heutige und zukünftige Mitarbeiterstrukturen zu berücksichtigen. Die größte Herausforderung bei einer Vergütungssimulation besteht darin, alle relevanten Faktoren und Variablen realistisch zu erfassen, in das Modell zu integrieren und Effekte durch angemessenes Data Modelling sowie mathematische Methoden zu identifizieren. Darüber hinaus erfordert eine wirksame Vergütungssimulation, die Aspekte wie Leistungsindikatoren, Markttrends, Unternehmensziele/-strategie sowie finanzielle und gesetzliche Beschränkungen einzubeziehen, um die Realität des Unternehmens widerzuspiegeln.

Fallbeispiel 1: Umstellung der Vertriebsvergütung

Das Vergütungsmodell im Vertrieb besteht oft aus leistungsbezogenen Vergütungsbestandteilen, wie zum Beispiel einer Kombination von Grundgehalt und leistungsabhängigen Boni oder Provisionen. Es ist durchaus herausfordernd, diese Elemente so zu gestalten, dass sie einerseits dem Vertrieb wirksame Leistungsanreize bieten; andererseits müssen sie auch die Erreichung der strategischen Vertriebsziele des Unternehmens unterstützen – und insbesondere sein profitables Wachstum. Ein Re-Design einer Vertriebsvergütung wird oft ausgelöst durch eine Verschlankung von Vertriebsstrukturen und die Einführung attraktiver Karrieremodelle in der Organisation. Beides zusammen reduziert die Komplexität und erhöht die Flexibilität und Steuerungswirkung im Vertrieb.

Jedoch erfordert ein solcher Veränderungsprozess ein sorgfältiges Change Management, in dessen Mitte eine detaillierte Darstellung der Vorteile für die Betroffenen, aber auch die Transparenz der Kosteneffekte für das Unternehmen stehen müssen. Im vorliegenden Fall wurde die Umstellung für mehrere Vertriebskanäle und akquirierte Vertriebsorganisationen durch ein benutzerfreundliches Dashboard und ein umfangreiches Data Modelling unterstützt. Besondere Beachtung kam dabei den unterschiedlichen Provisionssätzen für die spezifischen Produkte und den in der Industrie gewährten üblichen sonstigen Leistungen zu. Die Investition in eine komplexe Vergütungssimulation in Kombination mit einem intensiven Veränderungsmanagement zahlten sich für das Unternehmen aus: Die Akzeptanz der Vertragsumstellung liegt bei mehr als 95 Prozent der Vertriebsmitarbeiter sowie einer minimalen, vom Management unterstützten Abweichung vom Ziel der Vergütungskostenneutralität.

Fallbeispiel 2: Umstrukturierung im Rahmen eines Tarifvertrags

Eine Umstrukturierung von Vergütungsmodellen im Rahmen tarifvertraglicher Regelungen stellt eine weitere komplexe Herausforderung an die Modellierung und Vergütungssimulation. Zusätzlich spielen die definierten Tätigkeiten im Unternehmen, die Dauer der Betriebszugehörigkeit, die demografische Mitarbeiterstruktur sowie die gewährten Nebenleistungen eine wichtige Rolle. Auch könnte jede Änderung, die nicht im Einklang mit den Bedingungen des Tarifvertrags steht, die Beziehungen zu Gewerkschaften schädigen oder die Zufriedenheit und Motivation der Belegschaft negativ beeinflussen, was wiederum zu Arbeitskonflikten oder Streiks führen könnte.

Standardisierte IT-Lösungen werden der Komplexität der Aufgabenstellung oft nicht gerecht. Vielmehr ist flexibles und unternehmensspezifisches Big Data Modelling kombiniert mit intuitiven Dashboards erforderlich.

Daher ist es wichtig, eine präzise und benutzerfreundliche Simulation vor einer Vergütungsumstrukturierung durchzuführen, um diese potenziellen Risiken zu berücksichtigen und auszuschließen. Die Ergebnisse der Vergütungssimulation sollten eine Aufwandeinschätzung durch einen Vergleich zwischen Ist und Soll sowie eine Langzeitprognose finanziell darstellen können.

Im vorliegenden Fall konnte das Unternehmen vor Verhandlungen bereits die Schmerzpunkte und potenziellen zukünftigen Kostensteigerungen klar identifizieren und verfügte somit über eine sehr solide Datenbasis für alle verhandlungsrelevanten Komponenten.

Qualität der Daten entscheidend

Erfahrungen aus unterschiedlichen Projekten sind hilfreich. Zum einen, um realistisch einschätzen und planen zu können, wie das Modellierungsergebnis den Anforderungen gerecht werden kann. Zum anderen, um zu identifizieren, welche KPIs beziehungsweise datengetriebenen Entscheidungsvorlagen das Topmanagement für zukunftsorientierte Vergütungsmodelle als kritische Erfolgsgrößen sieht. Dazu zählen beispielsweise die absolute und relative Abweichungsgröße von der Kostenneutralität und die Akzeptanzrate neuer Vergütungsmodelle beziehungsweise Mitarbeiterverträge.

Zudem sollte das Simulationstool für die HR- oder Comp-&-Ben-Funktion benutzerfreundlich sein. Dies schließt die Klarheit der Ergebnisdarstellung für Entscheidende auf mittlerer und oberer Managementebene ein. Ebenfalls ist für Mitarbeitende die Transparenz der individuellen Effekte inklusive der Risiken und finanziellen Anreize einer Vergütungsumstellung sowie die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen erfolgskritisch.

Eine zentrale Voraussetzung bei der Vergütungssimulation spielen die Qualität und die Quantität der Daten. Inkonsistenzen in den Angaben oder nicht in ausreichendem Maß verfügbare Daten können zu ungenauen oder sogar unvollständigen Ergebnissen führen. Eine richtige Wahl der mathematischen Methoden für unternehmensspezifische Anforderungen ist nur möglich, wenn die mathematischen Algorithmen in den bestehenden Daten angewendet werden können. Eine technische Limitation oder Softwarebeschränkungen sind in diesem Prozess sehr hinderlich. Standardisierte IT-Lösungen werden deshalb der Komplexität der Aufgabenstellung oft nicht gerecht. Vielmehr ist flexibles und unternehmensspezifisches Big Data Modelling, kombiniert mit intuitiven Dashboards, erforderlich.

Fazit

Nicht zuletzt bestimmt die Kommunikation der Ergebnisse, die ein hohes Maß an Führung und Managementfähigkeiten voraussetzt, sowie die Implementierung der simulierten Vergütungspläne den Erfolg. Denn Veränderungen in der Vergütungsstruktur können erhebliche Auswirkungen auf die Mitarbeitenden haben. Daher sind ein gut durchdachter Kommunikationsplan sowie ein Dashboard für Beschäftigte unerlässlich.

Das Dashboard sollte für jeden einzelnen Mitarbeitenden seine individuellen relevanten finanziellen und strukturellen Änderungen anzeigen. Eine frühzeitige Ankündigung der Änderungen und vollständige Informationen über alle Aspekte des neuen Vergütungsmodells sowie die Darlegungsgründe für die Umstellung spielen eine große Rolle für den Erfolg. Ein durchdachtes Vorgehen ist Voraussetzung dafür, dass Mitarbeitende das neue Vergütungsmodell akzeptieren.

Autor