HR BarCamp: Ein neues Höchstmaß an Abwechslung

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Am Anfang war das Chaos. Das Bahnchaos. Ein Oberleitungsschaden kurz vor Hannover hatte am 26. September die wichtige Ost-West-Trasse von NRW nach Berlin nahezu vollständig lahmgelegt. Einige Teilnehmende des Events HR BarCamps – die Autorin eingeschlossen – schafften es dadurch gar nicht mehr oder verspätet nach Berlin zur Veranstaltung. Doch zeigte sich an dieser Episode, wie flexibel die HR-Szene ist: So wurden flugs via Linkedin Vertretungen für die Pitches ausgemacht und über Verspätungen sowie Zugausfälle gewitzelt. Man kennt sich und hilft sich.

Diejenigen, die auch persönlich den Weg nach Berlin fanden, wurden jedoch für ihre Mühen belohnt. Am Ende versammelten sich nach Veranstalterangaben rund 150 Teilnehmende zur Vorabendveranstaltung in der Arminus Markthalle. Neben dem Networking standen an diesem Abend auch die Pitches im Vordergrund. Denn das Besondere an einem BarCamp ist, dass die Agenda der Veranstaltung nicht vorher feststeht, sondern von den Teilnehmenden selbst bestimmt wird. Alle können Themen in diesen sogenannten Pitches vorstellen und diejenigen, die die meisten Stimmen erhalten, werden am nächsten Tag in einer einstündigen Session diskutiert. Seit 2012 fand die von Jannis Tsalikis, Personalleiter bei Lautsprecher Teufel, und dem Recruiting-Berater Christoph Athanas ins Leben gerufene Veranstaltung statt – allerdings seit 2019 coronabedingt nicht mehr in Präsenz.

25 Sessions zu unterschiedlichsten Themen

Insgesamt wurden durch die Pitches für den Folgetag 25 Sessions festgelegt, von denen einige auch Zusammenschlüsse inhaltlich ähnlicher Pitches waren. Die Themen reichten dabei von Equal Pay und Gehaltstransparenz über die Vier-Tage-Woche bis hin zu Mental Health oder hybridem Arbeiten. „Anders als in den Vorjahren gab es bei den Themen keinen klaren Trend“, meint Mitveranstalter Jannis Tsalikis, Personalleiter bei Lautsprecher Teufel. Das zeige vor allem eins: „HR-Arbeit ist heute inhaltlich noch vielfältiger als früher und Personalerinnen und Personaler müssen sich mit immer mehr Themen beschäftigen. Und das spiegelt sich auch beim BarCamp wider.“

Das hat auch Recruiting-Experte Marcel Rütten beobachtet, der nicht nur passiver Teilnehmer war, sondern auch selbst eine Session hielt: „Die Wiederauflage des HR BarCamps in Berlin ist aus meiner Perspektive gelungen. Thematisch war es unerwartet vielfältig, sodass eine breite Palette an HR-Themen von Agilität und Analytics über Blue Collar und KI bis hin zu Vereinbarkeit und Vergütung abgedeckt wurden.“

Doch bevor es am nächsten Morgen in der Berliner Fabrik 23 in Medias Res ging, stand noch ein kleines Warm-up für die Beteiligten an. „Uns ist es wichtig, dass die Teilnehmenden schnell, offen und ohne Scheu ins Gespräch kommen“, sagt Tsalikis. „Und das funktioniert am besten, wenn man schon einmal gemeinsam etwas Verrücktes gemacht hat.“ In diesem Fall war es eine Hommage an das Münchner Oktoberfest. Gemeinsam schmetterten die Teilnehmenden ein bayrisch angehauchtes BarCamp-Lied: Eine Gruppe klopfte sich auf die Schenkel, andere sangen eine Strophe oder sollten am Ende jauchzen. „Ich glaube, danach waren alle wach,“ so der Veranstalter.

Und das mussten sie auch sein, denn danach ging es inhaltlich hoch her. „Mein Highlight war definitiv die Session von Ann-Sophie Schletter und Soumia El Mard von HR Pioneers ‚Durch die Blume gesagt: Wie gestaltest du Führung in Transformation?‘. Ich gehe nicht nur mit inspirierendem Input nach Hause, sondern auch mit der Erkenntnis, welche offenen Flanken ich zukünftig noch bearbeiten möchte! Danke!“ lobte eine Teilnehmerin, die das erste Mal beim HR BarCamp war, im Nachgang auf Linkedin. Eine andere hob „vor allem die Gesprächsrunde zum Thema internationales Recruiting im Workshop von Jomigo und Tobias Grieb, die Selbstreflexion sowie die Gespräche im Workshop ‚Emotionale Intelligenz‘ mit Katalina Anastasja Ketschau und den krönenden Abschluss im ‚Recruiting für Grown-Ups‘ mit Marcel Rütten“ hervor.

Diesmal kein Recall der besten Sessions

Auch dieser zeigte sich angetan von der Veranstaltung: „Mich persönlich haben natürlich vor allem die Sessions rund ums Recruiting angesprochen. Insbesondere die von Tim Verhoeven zu Recruiting Analytics und Talent Intelligence und von Franziska Severin-Sander haben mir gut gefallen, weil sie sich im Kern damit beschäftigt, wie sich der Berufsstand im Recruiting weiter professionalisieren lässt, obwohl die Anforderungen immer vielfältiger und vor allem anspruchsvoller werden“, resümierte der Recruiting-Berater. Am Ende konnte Rütten nur ein winziges Haar in der Suppe ausmachen: „Einziger Wermutstropfen des diesjährigen Barcamps war der fehlende Recall der besten Sessions, da sich das inhaltliche Programm auf einen Tag beschränkt hat.“

Ein Termin fürs kommende Jahr steht noch nicht fest, aber Interessierte können sich schon einmal den November 2024 vormerken: Dann wollen Jannis Tsalikis und Christoph Athanas voraussichtlich wieder zum HR BarCamp nach Berlin laden.

(Disclaimer: Personalwirtschaft ist Medienpartner der Veranstaltung.)

Catrin Behlau koordiniert die Magazinproduktion der Personalwirtschaft organisatorisch und thematisch. Sie leitet gemeinsam mit Rebecca Scheibel die Redaktionen der HR-Medien von F.A.Z. Business Media. Ihre thematischen Schwerpunkte liegen im Berufsbild HR.