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Belgische Regierung will Vier-Tage-Woche einführen

Die belgische Regierung hat einen Gesetzentwurf zu einer Vier-Tage-Woche bei gleichbleibender Anzahl der Arbeitsstunden vorgelegt. Wie Premierminister Alexander De Croo am Mittwoch mitteilte, einigte sich seine aus sieben Parteien bestehende Regierung auf eine umfassende Arbeitsmarktreform. Laut Premierminister gehört dazu auch ein gesetzlich geregelter Zugang zu Weiterbildungen für die Arbeitnehmenden.

Vier-Tage-Woche bei gleicher Anzahl der Arbeitsstunden

Der Gesetzentwurf beinhaltet zwei sich ergänzende Modelle: Will eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer von der Vier-Tage-Woche profitieren, muss er oder sie Person die Arbeitszeit an den restlichen Tagen der Woche erhöhen. Bei einer 40-Stunden-Woche bedeutet das dementsprechend, vier Tage die Woche 10 Stunden zu arbeiten.

Zusätzlich sollen Beschäftigte in einem zweiwöchigen Rhythmus ihre Arbeitsstunden frei einteilen können. Konkret heißt das: Bei einer 40-Stunden-Woche könnten beispielsweise Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Unternehmens in der ersten Woche bis zu 48 Stunden arbeiten und in der darauffolgenden Woche entsprechend lediglich 32 Stunden.

Arbeitgeber hat letztes Wort

Um die neue gesetzliche Regelung tatsächlich in Anspruch zu nehmen, sieht der Gesetzentwurf vor, dass Arbeitnehmende einen entsprechenden Antrag beim Arbeitgeber vorlegen müssen. Bei triftigem Grund kann dieser den Antrag auch ablehnen. Damit soll gewährleistet werden, dass insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen mit einer vergleichsmäßig kleinen Anzahl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht ihre Geschäftstätigkeit in Gefahr sehen.

Auch ist die Erlaubnis des Arbeitgebers für das Vier-Tage-Woche-Modell nur ein halbes Jahr gültig. Danach müsste erneut ein Antrag gestellt werden. Während der landesweiten Sommerferien kann der zweiwöchigen Rhythmus auch auf einen vierwöchigen ausgeweitet werden, um vor allem Eltern mehr Flexibilität zu bieten.

Beschäftigtenquote soll erhöht werden

Die belgische Regierung wolle mit der Arbeitsmarktreform auch die Beschäftigtenquote im Land ankurbeln, schreibt die Nachrichtenagentur Belga. Derzeit liegt diese im Nachbarland bei 71 Prozent, in Deutschland bei 75,5 Prozent. Zielt sei eine Beschäftigtenquote von 80 bis 2030 zu erreichen.

Die Arbeitsmarktreform soll laut Medienberichten auch die Problematik rund um Kurierfahrer und Schein-Selbstständige adressieren. So will die De Croo-Regierung in diesem Arbeitssektor eine verpflichtende Arbeitsunfallversicherung einführen.

Mehr Flexibilität den Arbeitnehmenden

Mit dem Modell der Vier-Tage-Woche bei gleichbleibenden Arbeitsstunden geht Belgien einen anderen Weg als beispielsweise ein isländisches Pilotprojekt von vor drei Jahren. Dort wurde über vier Jahre eine Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich ausgetestet – mit durchaus positiven Ergebnissen sowohl für die Arbeitnehmenden als auch Arbeitgeber. Auch in Großbritannien startet dieser Tage ein groß angelegter Modellversuch.

„Der erste Pfeiler ist, den Arbeitern mehr Flexibilität, mehr Freiheit zu geben“, begründete De Croo Medien gegenüber den Gesetzentwurf. Mit einer Abstimmung im Parlament ist wohl nicht vor Sommer zu rechnen. Das gesamte Bündel an Maßnahme fasst der Premierminister so zusammen: „Wir arbeiten an einer nachhaltigen, innovativen und digitalen Wirtschaft“.

Jan Schuermann ist Redakteur bei FINANCE und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Gehalt in der Corporate-Finance-Welt. Bevor Jan Schuermann zum Fachverlag F.A.Z Business Media gestoßen ist, war er für die Nachrichtenagentur Thomson Reuters im polnischen Danzig tätig. Im Frühjahr 2022 arbeitet er zeitweise für die Personalwirtschaft.

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