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„Fehler sollten gefeiert werden“

Beim vergangenen Firmentag von Auntie haben sich Mitarbeitende eine Auszeichnung für Fehler gewünscht, erinnert sich Mareike Bruns, Expertin für psychische Gesundheit bei der Online-Plattform für Gesundheitslösungen für Beschäftigte. Traditionell werden beim Zusammenkommen der Belegschaft Best Practices und Erfolge gefeiert. Das soll es jetzt auch für Fehler geben.

Der Grund dafür: Mehrere Studien zeigen, dass die Angst vor Fehlern Menschen daran hindert, Neues zu wagen und damit innovative Wege zu gehen. Darauf haben vor Auntie in Finnland auch schon Studierende der Aalto Universität reagiert. Sie gründeten 2012 den Day for Failure. Denn in Finnland mangelte es damals an Neugründungen von Start-ups. Die Studierenden sahen – basierend auf Studienergebnissen – die Ursache dafür in der Versagensangst vieler Finnen und Finninnen und der Sorge vor den Konsequenzen von Fehlern. Der Tag sollte die Fehler-Phobie im Land verringern.

Die Aktion wurde zum Erfolg und fand namhafte und erfolgreiche Unternehmer als Unterstützer. So etwa Jorma Ollila, der ehemalige CEO und Vorstandsvorsitzende von Nokia, und der Erfinder des Online-Spiels Angry Bird, Peter Vesterbacka. Auch heute noch sprechen an dem Tag – 2022 fällt er auf den 13. Oktober – prominente Unternehmerinnen und Unternehmer über ihre Fehler und auch darüber, wie sie es nach zahlreichen Fehlversuchen zum Erfolg geschafft haben.

Eine Wahrnehmungssache: Fehler als Sprungbrett

„Und das geschieht an dem Tag mit einem Augenzwinkern und mit sehr viel Leichtigkeit“, sagt Mareike Bruns von Auntie, das ebenfalls in Finnland sitzt. „An dem Tag werden Fehler als Sprungbrett gesehen, um etwas Neues zu erschaffen. Fehler dürfen auch mal gefeiert werden.“

Mareike Bruns, Mental-Health-Expertin bei Auntie, möchte auf den Wert von Fehlern aufmerksam machen. (Foto: Auntie)

In Deutschland vermisst die Mental-Health-Expertin diese Einstellung. Dort gelte oftmals noch das Kredo: Ein Fehler zeigt eine Schwäche des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin auf, etwas, für das er oder sie sich schuldig fühlen muss. Damit würden Arbeitgeber die Innovation in ihrem Unternehmen bremsen und Beschäftigte Stress aussetzen, der durch die ständige Angst vor dem Fehlermachen entstünde. Zudem hemme man sie in ihrer Entwicklung, was sich wiederum auf das Wachstum des Unternehmens negativ auswirke.

„Egal, um welchen Fehler es sich handelt, wir können aus ihm lernen“, sagt Bruns, „vor allem, wenn wir gemeinsam im Team darüber sprechen und nach Lösungen suchen.“ Dafür muss aber der richtige, sichere Raum geschaffen werden. Für Bruns geht es aber auch darum, die Learnings aus dem Fehler zu analysieren und mit anderen zu teilen. Das schaffe nicht nur Vertrauen im Team, sondern helfe auch den Kolleginnen und Kollegen, in einer ähnlichen Situation nicht denselben Fehler zu begehen.

Newsletter mit Fehlerrubrik

Der sichere Raum könne aber auch anders aussehen. „HR kann eine Rubrik im Newsletter oder im Intranet kreieren, in der Mitarbeitende Fehler teilen, die sie vor Kurzem gemacht haben – natürlich in ihrem Einvernehmen – oder einen anonymen Feedback-Channel erschaffen“, sagt Bruns. Damit der Raum auch gefüllt wird, sollten Führungskräfte die Initiative ergreifen und ihn als erste nutzen. Sie seien auch in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass im Falle eines Missgeschicks alle Kolleginnen und Kollegen verständnisvoll und wertschätzend mit der Situation umgehen. Sie sollten auch – gemeinsam mit HR – die Belegschaft dazu ermutigen, ihre eigene Beziehung zu Fehlern zu reflektieren. „Führungskräfte und HR können gegenüber Mitarbeitenden betonen, wie wichtig es ist, persönliche Tools für Stressmanagement zu haben und sich mit Themen wie Achtsamkeit und Selbstmitgefühl auseinanderzusetzen“, sagt Bruns. Sie jedenfalls freut sich bei Auntie darauf, die ersten Auszeichnungen für die besten Fehler zu vergeben.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.

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