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So kann HR mentale Gesundheit im Unternehmen fördern

Frage an die HR-Werkstatt: Wie kann HR das mentale Wohlbefinden der Mitarbeitenden fördern?
Es antwortet: Harshvendra Soin, Global Chief People Officer & Head of Marketing bei Tech Mahindra

Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen hat wohl selten zuvor so stark im Fokus gestanden, wie während der Covid-19-Pandemie. Die Krise hat gezeigt, wodurch das Wohlergehen der Mitarbeitenden gefährdet ist. Besonders im Bereich der mentalen Gesundheit sind Herausforderungen sichtbar geworden – auch durch die steigende Anzahl an Burnout-Erkrankungen.

Einige Unternehmen haben darauf reagiert – wie auch wir, der internationale Technologiekonzern Tech Mahindra. Wir wollen mit veränderten Arbeitsrahmenbedingungen, Hilfsangeboten und Aufklärung die mentale Gesundheit der Mitarbeitenden fördern. In unserem Unternehmen mit mehr als 158.000 Mitarbeitenden in 90 Ländern haben wir Wellness-First-Initiativen ins Leben gerufen. Unser Ziel: Wir möchten die Gesundheit und die Produktivität innerhalb der Belegschaft verbessern. Das soll präventiv, individuell und proaktiv geschehen. Die folgenden Aspekte sind dabei essenziell.

Mit Technologie Gesundheitsangebote von überall zugänglich machen

Ist einem Arbeitgeber das geistige Wohlbefinden seiner Beschäftigten wichtig, kann er sie oftmals besser gewinnen und halten. Um den hohen Stellenwert von Wohlergehen im Unternehmen für alle sichtbar zu machen, müssen Programme für mentale Gesundheit in die tägliche Arbeit eingebunden werden. Dafür bietet es sich an, die Möglichkeiten der modernen Technologie voll auszuschöpfen. Arbeitgeber können ihren Beschäftigten und Führungskräften Gesundheitsangebote rund um die Uhr über Apps beziehungsweise Online-Portale zur Verfügung stellen.

Bei Tech Mahindra informiert die „Wealth of Wellness-App“ Mitarbeitende über die Wellness-Initiativen des Unternehmens und fordert sie spielerisch dazu heraus, sich zum Beispiel das Rauchen abzugewöhnen („Kick the Butt“), abzunehmen („Dump the Plump“) oder den Arbeitsplatz ergonomisch zu nutzen („Bend it like TechM“). Darüber hinaus versuchen wir Mitarbeitende dazu zu motivieren, über die Fitness-App an einer unternehmensinternen globalen Wellness-Challenge teilzunehmen. Mehr als 11.000 Mitarbeitende haben das Angebot bisher angenommen und sind im Rahmen der Challenge zum Beispiel regelmäßig laufen gegangen, haben Yoga gemacht oder abgenommen.

Außerdem hat Tech Mahindra den Chatbot Aasana entwickelt und auf Firmendesktops installiert. Mit ihm können Mitarbeitende während der Arbeit – im Homeoffice oder im Büro – Yoga machen. Doch hier hört unser technologiegestütztes Gesundheitsangebot noch nicht auf. Wir haben auch einen „Wellness-Roboter“, der durch die Flure rollt und mit den Mitarbeitenden über ihr Befinden spricht, sowie Tools zur Selbsteinschätzung des emotionalen Wohlbefindens, die wir den Beschäftigten zur Verfügung stellen. So haben bisher mehr als 8.500 Mitarbeitende mit dem „Emotional Wellness Test“ ihr Stressniveau bewertet.

Des Weiteren möchten wir mit kuratierten Webinaren Managerinnen und Manager für das Thema mentale Gesundheit sensibilisieren, ihnen dabei helfen, psychologische Sicherheit in ihrem Team aufzubauen, und eine gute Work-Life-Balance mehr zum Thema in ihrem eigenen Leben, aber auch dem der Mitarbeitenden zu machen.

Künstliche Intelligenz nutzen

Auch Künstliche Intelligenz (KI) kann für die Förderung von mentaler Gesundheit eingesetzt werden. Bei Tech Mahindra gibt es das KI-basierte Tool „Mood 0 Meter“, das bei den Mitarbeitenden acht Emotionen identifiziert und dem HR-Team dabei hilft, darauf basierend gezieltere Gesundheitsangebote zu kreieren.

Es funktioniert folgendermaßen: Anstatt mit einer traditionellen Identifikationskarte melden sich Mitarbeitende in den Unternehmensgebäuden per Gesichtserkennung an. Neben der gewöhnlichen Anwesenheitsregistrierung ist das System mit einem Stimmungsmesser ausgestattet, der anhand der erfassten kollektiven Gesichtsausdrücke die allgemeine Stimmung im Unternehmen erfassen kann. Das Gesichtserkennungssystem gleicht die erfassten Bilder mit der vollständigen Datenbank der betreffenden Person ab. Die Bilder werden in Text umgewandelt und automatisch gelöscht. Die Daten sind völlig anonym und nur vom HR-Team einsehbar.

KI kommt bei uns auch bei der Führungskräfteentwicklung zum Einsatz. Eine KI trainiert die Führungskräfte, indem sie schwierige Kommunikationssituationen simuliert und die Reaktion der Manager und Managerinnen analysiert. All die Beispiele zeigen: Unternehmen können Datenanalyse nicht nur traditionell fürs Business nutzen, sondern auch um das Wohlergehen der Beschäftigten zu verbessern.

„Arbeitsseelsorger“ auserkoren

Damit all diese Programme besser angenommen werden und mentale Gesundheit zu einem Fokus in der Unternehmenskultur wird, muss das Thema geistiges Wohlergehen von Vorreiterinnen und Vorreitern immer wieder der gesamten Belegschaft ins Bewusstsein gerufen werden. Zu dieser Gruppe zählen Führungskräfte wie auch einzelne Mitarbeitende.

Diese „Arbeitsseelsorger“ gehen in den Dialog mit den Beschäftigten, organisieren Vorträge von Fachleuten, erstellen Schulungen, und entwerfen individuelle Programme für die Mitarbeitenden. Zusätzlich können externe Partner Beschäftigte zu Aspekten der emotionalen und geistigen Gesundheit beraten. So arbeitet Tech Mahindra mit professionellen Beratern und Beraterinnen sowie Coaches zusammen, die rund um die Uhr an sieben Wochentagen über Chat, Video oder Telefon für die Mitarbeitenden erreichbar sind und sie unterstützen.

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Eine neue Führung mit Fokus auf den EQ  

Dennoch kommt den Führungskräften eine große Bedeutung zu, wenn es um die Förderung von mentaler Gesundheit geht. Denn Führung steckt einen Großteil des Rahmens, in dem Mitarbeitende tätig sind und beeinflusst damit ihr Wohlergehen. Fakt ist: Ein toxisches Arbeitsumfeld ist die Hauptursache für negative Reaktionen wie Burnout-Erkrankungen oder innere Kündigungen. Respekt und Zufriedenheit im Job sind inzwischen genauso wichtig wie das Gehalt.

Führungskräfte, die gut für das geistige Wohlbefinden der Beschäftigten sind, sind nicht weniger anspruchsvoll, aber immer respektvoll und fair im Umgang. Sie kontrollieren die Mitarbeitenden nicht, sondern stärken und unterstützen sie. Vor allem aber müssen moderne Führungskräfte einen hohen EQ (Emotionale Intelligenz) haben und über ein großes Maß an Empathie verfügen.

Die Führungskräfte sollten nicht nur in der Lage sein, ihre eigenen Emotionen zu beherrschen, sondern auch Gefühle ihrer Mitarbeitenden wirksam zu kanalisieren, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen und deren Effizienz zu erhöhen. Es ist inzwischen eine anerkannte Tatsache, dass Führungspositionen von Menschen mit einem hohen EQ besetzt werden müssen, da ihre Emotionen und Handlungen sich auf das gesamte Unternehmen auswirken.

Diese Art der Führung muss gelernt sein. Deswegen sensibilisieren wir unsere Managerinnen und Manager mit dem AMIGO- und mit dem People Care Manager-Programm, das mehr als 80 Schulungs- und Lerneinheiten umfasst, im Umgang mit den Wellness-Belangen der Mitarbeitenden. Wir schulen sie auch darin, Beschäftigten dabei zu helfen, ihre Resilienz zu erhöhen und Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Das Gelernte können und sollten die Führungskräfte natürlich auch für sich selbst anwenden.

Fazit

Ein gesundes und zufriedenstellendes Arbeitsumfeld braucht mehr als das Verhindern von Verletzungen, Krankheiten und Unfällen. Erforderlich ist es, dass Arbeitgeber kontinuierlich Prozesse anpassen und das Betriebsklima ständig im Blick haben, um negativen Einflüssen auf die Psyche der Beschäftigten vorzubeugen.

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