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Jeder zweite Angestellte macht Überstunden

Mehr als jeder zweite deutsche Beschäftigte leistet regelmäßig Mehrarbeit. Dabei neigen besonders junge Mitarbeitenden dazu, Überstunden zu machen. Dieser Trend wird durch eine zunehmende Flexibilisierung der Arbeit verstärkt, zeigt eine Studie des HR- und Payroll-Dienstleisters SD Worx. Die Umfrage wurde Anfang 2022 in zehn europäischen Ländern durchgeführt – darunter auch Deutschland –, wobei mehr als 10.000 Mitarbeitende befragt wurden.

In Deutschland liegt der Anteil der Angestellten, die regelmäßig weit über ihre vertraglich festgelegten Arbeitsstunden hinaus arbeiten, bei 51 Prozent, also der Hälfte. Das ist deutlich mehr als im europäischen Vergleich: Über alle untersuchten Länder hinweg machen 41 Prozent der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen regelmäßig Überstunden. Jeder vierte Befragte hierzulande (25,7 Prozent) sagt, dass er auch in der Freizeit – etwa in den Abendstunden oder am Wochenende – weiterarbeitet. Knapp jeder dritte Angestellte (31 Prozent) beantwortet E-Mails auch außerhalb der regulären Arbeitsstunden. Nur circa ein Drittel der Deutschen (34,8 Prozent) gibt an, in der Freizeit auf keinen Fall zu arbeiten.

Vor allem jüngere Mitarbeitende betroffen

Die Studie zeigt, dass länderübergreifend vor allem jüngere Beschäftige zwischen 25 und 29 Jahren regelmäßig Überstunden machen und diese Bereitschaft mit zunehmendem Alter abnimmt. Das dürfte unter anderem damit zusammenhängen, dass jüngere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen noch am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stehen und sich durch verstärktes Engagement bessere Karrierechancen ausrechnen.

Einen Zusammenhang sehen die Studienverfasser auch zwischen dem Trend zum flexiblen Arbeiten und dem Leisten von Überstunden. Dabei sieht der Status-Quo folgendermaßen aus: Rund jeder zweite Büroangestellte (53 Prozent) in Europa hat derzeit die Möglichkeit, seine Arbeit flexibel zu gestalten. In Deutschland sind es mit 59 Prozent noch etwas mehr. 41 Prozent der Beschäftigten hierzulande (in Europa 39 Prozent) können frei darüber entscheiden, wann sie arbeiten, und 37 Prozent (auch hier 39 Prozent in Europa) dürfen selbst bestimmen, an welchem Ort sie ihrem Job nachgehen. Die größere Freiheit hat jedoch nicht nur Vorteile, denn sie birgt das Risiko, dass die Grenzen zwischen Job und Privatleben verschwimmen. „Das scheint auch dazuzuführen, dass ein erheblicher Anteil der Beschäftigten Überstunden macht“, sagt Tanja Büchsenschütz, Director HR bei SD Worx.

Arbeitszeiterfassung für weniger Überstunden?

Die Studienverfasser haben auch untersucht, welche Rolle die Arbeitszeiterfassung spielt, wenn Überstunden reduziert werden sollen. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte der deutschen Angestellten (57 Prozent) sind davon überzeugt, dass die Zeiterfassung dabei hilft, die Work-Life-Balance zu verbessern. Ob dies allerdings etwas an der vielen Mehrarbeit ändert, ist fraglich, wird doch in den Unternehmen von 82 Prozent der Befragten die Arbeitszeit der Mitarbeitenden erfasst.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.