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Vorsichtige Schritte nach dem Ende der Homeoffice-Pflicht

Mit dem Ende der Homeoffice-Plicht am 20. März müssen Arbeitgeber ihren Beschäftigten nicht mehr die Möglichkeit geben, von Zuhause aus zu arbeiten. Eine gesetzliche Änderung, die bei einigen Mitarbeitenden für Befürchtungen sorgt, wollen viele doch ihre neu gefundene Flexibilität ungern aufgeben. Dazu gesellt sich bei einigen Beschäftigten – auch aufgrund der weiterhin hohen Inzidenzzahlen – die Angst vor einer Infektion am Arbeitsplatz. Die Sorgen der Mitarbeitenden scheinen vielen Unternehmen bewusst zu sein: Obwohl die Arbeit aus dem Homeoffice und kostenlose Corona-Tests und der 3G-Status gar nicht mehr abgefragt werden darf, verabschieden sich Unternehmen zunächst nur langsam von den Sicherheitspraktiken, die in den vergangenen Monaten Standard waren.

Deutsche Bank: Anteil der Präsenzarbeit steigt minimal

So hat etwa die Deutsche Bank ihre bisherigen Hygieneschutzmaßnahmen bis zum 30. April verlängert. Damit zählen in den Büros des Finanzunternehmens laut einer Unternehmenssprecherin weiterhin das Abstandsgebot und die Maskenpflicht, sobald sich Mitarbeitende von ihrem Platz weg begeben. Auch zu einer vollen Belegung der Arbeitsplätze kehrt die Bank vorerst nicht zurück. Mehr als 50 Prozent der Arbeitsplätze sollen zunächst unbelegt bleiben. Für die Bank ist dies ein kleiner Schritt zurück in Richtung mehr Arbeit vor Ort. Bisher hatten Mitarbeitende, die nicht in den Filialen tätig sind, zu 80 Prozent von Zuhause aus gearbeitet. „Wer ins Büro kommen möchte, kann das jetzt wieder etwas uneingeschränkter tun“, sagt die Sprecherin. Doch eben nicht alle auf einmal und wenn möglich auch nicht im engen physischen Austausch. „Wir bitten unsere Mitarbeitenden, Kontakte am Arbeitsplatz möglichst zu reduzieren, um Infektionsketten zu verhindern.“

Um dies zu unterstützen, werde zunächst auch wie gehabt auf physische Meetings verzichtet und stattdessen weiterhin auf digitale Austauschformate gesetzt. Räume, Aufzüge, Meetingräume oder die Kaffeeküche bleiben mit Hinweisschildern versehen, die angeben, wie viele Personen sich auf den jeweiligen Flächen aufhalten dürfen. Auch nichts verändert hat sich bei der Deutschen Bank beim Testangebot für Beschäftigte: Mitarbeitende, die ins Büro kommen, können weiterhin täglich kostenlos einen Corona-Schnelltest machen.

3G-Regel für Externe bei Nestlé

Ähnlich sieht es bei Nestlé aus. „Wir gestalten den Übergang zur neuen Normalität schrittweise“, sagt eine Unternehmenssprecherin. Große Veränderungen zur Arbeitsweise kommen deshalb (zunächst) auch nicht auf die Mitarbeitenden des Nahrungsmittelkonzerns zu. „Wir setzen weiterhin auf eine Mischung aus mobilem Arbeiten und Präsenz“, so Sprecherin weiter. Wie bei der Deutschen Bank wird auch bei Nestlé mit der 50-Prozent-Belegungsgrenze gearbeitet – das allerdings erst „frühstens ab Ende April“. Der Grund: Die hohen Inzidenzzahlen. Zudem solle weiterhin garantiert werden, dass Hygieneregeln eingehalten werden können.

Damit dies besser gelingt, stellt Nestlé den Beschäftigten weiterhin kostenlos Corona-Schnelltests und Masken zur Verfügung. Der Lebensmittelkonzern hält noch an einer anderen Regelung fest, die laut dem Gesetzgeber so nicht mehr nötig wäre: die 3G-Kontrolle. Zwar darf Nestlé von seinen Mitarbeitenden keinen 3G-Nachweis mehr verlangen, bevor diese ein Bürogebäude betreten dürfen. Doch für Externe gilt diese Auflage beim Lebensmittelkonzern immer noch.

Neue Betriebsvereinbarungen kommen zum Einsatz

In den Berliner Behörden wird ein ähnlicher Weg gewählt wie in der freien Wirtschaft. Nach dem Wegfall der Homeoffice-Pflicht orientiert sich beispielsweise die Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales an den zwei „Rahmendienstvereinbarungen für alternierende beziehungsweise mobile Telearbeit“, die für Einrichtungen des Landes Berlin gelten. Demnach können Mitarbeitende des Senats weiterhin einen Teil ihrer Arbeit von Zuhause aus verrichten, sollen aber mindestens 50 Prozent ihrer Arbeitszeit in den Büros der Behörde verbringen, sagt eine Senatssprecherin. Vor Ort werde weiterhin darauf geachtet, dass ein Mindestabstand zwischen den anwesenden Beschäftigten eingehalten, und die Mitarbeitenden – wenn nötig – mittels Trennwänden und durch regelmäßiges Lüften vor einer möglichen Infektion bewahrt werden können.

Wie das Land Berlin haben sich auch einige Produktionsunternehmen während der Pandemie umorientiert und die mobile Arbeit in ihren Betriebsvereinbarungen verankert. So etwa der Schraubenhersteller Würth. Gegenüber dem SWR teilte das Unternehmen mit, den Mitarbeitenden auch künftig wöchentlich zwei Mobile-Office-Tage anzubieten. Das sei in einer Betriebsvereinbarung geregelt. „Wir haben damit einen guten Weg gefunden, den Mitarbeitenden mit der nötigen Flexibilität entgegenzukommen“, wird das Unternehmen zitiert. Diese Regelungen wurden von anderen Unternehmen bereits im vergangenen Jahr getroffen. Vodafone beispielsweise führt im zweiten Jahr der Corona-Pandemie das sogenannte Full-Flex-Office ein, das sich an dem „neuen” Bedürfnis der Mitarbeitenden nach mehr Flexibilität orientieren soll.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.

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