Im vergangenen Jahr haben in Deutschland so viele Beschäftigte wie nie zuvor ihren gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub genutzt: Nach Angaben des Portals Bildungsurlauber.de nahmen zwischen 1,04 und 1,32 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine bezahlte Freistellung zu Qualifizierungszwecken in Anspruch. Das entspreche „im Mittel 1,18 Millionen Beschäftigten.“
„Insgesamt lag das Interesse 14 Prozent über dem Vorjahr“, heißt es in dem Trendbericht 2026 des Unternehmens zur Entwicklung der Nachfrage weiter. Dieser basiert laut Unternehmensangaben auf Daten der Webseitenbuchungen und Suchanfragen aus 2025. Zudem wurden Angaben der Plattform Statista verwendet.
Trotz Anstieg weiter Schattendasein
Die steigende Nachfrage, auch das zeigt der Bericht, darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Thema Bildungsurlaub in vielen Betrieben noch immer ein Schattendasein führt. Denn von den insgesamt etwa 34,8 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten hierzulande haben nur gut 14,06 Millionen Personen auch Anspruch auf Bildungszeit. Bei 1,18 Millionen Teilnehmenden entspricht das einer faktischen „Nutzungsquote von 8 Prozent“.
Die Gründe dafür sind vielschichtig: So gab es ein Bayern und Sachsen bislang noch keinen gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub. Das betrifft laut dem Report über sieben Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
Zudem gibt es laut einer aktuellen, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen offenbar Wissensdefizite. Demnach kennen „rund zwei Drittel etwa die Bildungszeitgesetze der Länder nicht“. Auch beeinflussten „soziales Umfeld, schulische und berufliche Abschlüsse sowie das Haushaltseinkommen die Sicht auf Weiterbildung“. Daher sei es wichtig, Stakeholder und Gatekeeper zu motivieren, die Informationen weiterzugeben, so die Forschenden.
Bildungsurlaub: neues Gesetz in Sachsen
Während in Bayern derzeit keine Initiativen des Gesetzgebers absehbar sind, ändert sich – und das ist wichtig für HR-Verantwortliche im betreffenden Bundesland – die Situation in Sachsen demnächst. So hat der dortige Landtag Anfang Februar ein Gesetz über den Anspruch auf Qualifizierungszeit beschlossen.
Die Regelung soll ab 2027 gelten und sieht unter anderem einen Anspruch auf drei Tage bezahlte Freistellung pro Kalenderjahr vor. Diese können für berufliche, politische oder ehrenamtliche Weiterbildung genutzt werden.
Um in den Genuss zu kommen, muss ein Arbeitsverhältnis dort allerdings mindestens sechs Monate bestanden haben. Der Antrag selbst muss mindestens zwölf Wochen vor Teilnahem beim Arbeitgeber gestellt werden. Um Kleinbetriebe zu entlasten, erhalten diese, wenn sie weniger als 20 Beschäftigte haben, eine pauschale Erstattung des Arbeitsentgelts von 115 Euro pro Tag.
Weitere Details zu den Unterschieden zwischen den Bundesländern finden Sie hier:
Gesundheitsthemen stark gefragt – IT holt auf
Geht es um die Themen, für die Bildungsurlaub genommen wird, zeigen sich im Trendbericht von Bildungsurlauber vor allem drei Schwerpunkte: Gesundheit, Sprachkenntnisse und IT-Kompetenz. Am stärksten nachgefragt seien Angebote zur physischen und mentalen Gesundheit. Sie machen einen Anteil von 56 Prozent aller Anfragen auf dem Portal aus, ein Plus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Darin enthalten sind auch Angebote zu Resilienz und Stressmanagement.
Daneben stehen auch Sprachkurse (knapp ein Drittel aller Anfragen) und Weiterbildung zur persönlichen oder beruflichen Entwicklung (42 Prozent) weiterhin hoch im Kurs.
Zunehmend an Interesse gewinnen offenbar digitale Qualifikationen. Zwar machten Suchen zu IT, Office Skills und Programmieren insgesamt nur zwei Prozent der Anfragen aus, der Zuwachs lag hier allerdings bei 38 Prozent im Vergleich zu 2024. Das deute „darauf hin, dass Beschäftigte Bildungsurlaub verstärkt nutzen, um praxisnahe Kompetenzen für eine digital geprägte Arbeitswelt zu erwerben“, so der Report.
Insgesamt ergibt sich bei den Themen folgendes Bild, wobei eine Bildungsmaßnahme mehreren Kategorien zugeordnet werden konnte:
| Themenbereich | Anteil der Anfragen | Δ zum Vorjahr |
| Gesundheit & Stressbewältigung | 56% | +1% |
| Persönliche & berufliche Entwicklung | 42% | -2% |
| Sport, Fitness, Yoga | 32% | -6% |
| Sprachkurse | 30% | +1% |
| Sprachreisen | 21% | +8% |
| Natur, Ökologie & Umwelt | 13% | -29% |
| Gesellschaft, Politische Bildung, Zeitgeschehen | 9% | -50% |
| Kreativität (Fotografie, Malen, Musik etc.) | 8% | -18% |
| Business, Management & Finanzen | 4% | -34% |
| IT, Office & Programmieren | 2% | +38% |
| Technik, Handwerk & Gewerbe | 2% | -32% |
| Studienreisen | 2% | -79% |
| Wissenschaft & Lehre | 1% | -81% |
| Marketing & Design | 1% | +48% |
| Kaufmännisches, Steuer | 0% | -50% |
Frank Strankmann ist Redakteur und schreibt off- und online. Seine Schwerpunkte sind die Themen Arbeitsrecht, Mitbestimmung sowie Regulatorik. Er betreut zudem verantwortlich weitere Projekte von Medienmarken der F.A.Z. Business Media GmbH.

