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17 von 40 Konzernen zeigen Menschen mit Handicap

Die Berliner Agentur Mashup Communications hat im Mai dieses Jahres die Karriereseiten der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland auf ihre Darstellung von Inklusion untersucht und sich dabei auf Menschen mit Handicaps konzentriert. Danach bekennen sich 25 der 40 Dax-Unternehmen zu Inklusion als zentralem Wert. Lediglich 13 der Firmen, die sich zu Inklusion bekennen, repräsentieren Menschen mit Handicap auch visuell. Insgesamt zeigen von allen 40 Konzernen 17 Menschen mit sichtbarer Beeinträchtigung – vier Firmen haben Bilder von Menschen mit Handicaps auf ihrer Website, bekennen sich aber nicht ausdrücklich zur Inklusion als zentralem Wert.

Die Analyse von 3.940 Bildern auf den Internetseiten der Unternehmen mit Fokus auf Karriere, Recruiting und Employer Branding ergab, dass nur 34 Abbildungen Menschen mit Handicap darstellen, das sind 0,84 Prozent. Das gängigste Motiv ist dabei der Rollstuhl mit 90 Prozent. Mit großem Abstand folgen Darstellungen von Gehörlosigkeit (drei Prozent), weiterhin Bilder zu Downsyndrom, Autismus und Sehbeeinträchtigung mit jeweils zwei Prozent sowie Beinprothesen mit einem Prozent.

Authentische Bilder aus dem Unternehmen sind glaubwürdiger

Als positiv bewertet die Studie, dass fast alle Unternehmen, die Menschen mit Behinderung abbilden, nicht auf anonyme Fotos auf Bilddatenbanken setzen, sondern authentische Bilder aus dem Unternehmen zeigen: Rund 99 Prozent der Darstellungen sind Fotos von Beschäftigten, Kunden oder Kundinnen und Partnern oder Partnerinnen der Firmen oder von Charity-Projekten. Diese Bilder sind für potenzielle Bewerber und Bewerberinnen glaubwürdiger und motivierender als neutrale Fotos.

Eine glaubwürdige Umsetzung attestiert die Untersuchung beispielsweise Adidas und RWE. RWE unterstütze Menschen mit Handicap offensichtlich beim Bewerbungsprozess und dem anstehenden Übergang ins Berufsleben, heißt es. Auch würden Menschen mit Beeinträchtigung häufig bei Aktivitäten und sowohl allein als auch in der Gruppe gezeigt. Keiner der großen Konzerne zeigt jedoch Führungskräfte mit Behinderung.

„Um neue Talente auf das eigene Unternehmen aufmerksam zu machen, sollten Geschäftsführung und Personalabteilung aufgeschlossen und rücksichtsvoll gegenüber Minderheiten sein“

kommentiert Nora Feist, CEO und HR Verantwortliche von Mashup Communications, die Ergebnisse der Analyse.

Eine empathische, authentische Einstellung müsse sofort ins Auge stechen, so Feist.

Zusätzlich mit Berichten von Betroffenen Inklusion vorleben

Untersucht wurde auch, ob die Unternehmen nicht nur Bilder von Beschäftigten mit Behinderung zeigen, sondern auch konkrete Geschichten erzählen. Hier fielen der Agentur die Konzerne Daimler, Deutsche Post und RWE positiv auf. Sie veröffentlichen konkrete Erzählungen und Berichte über Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Form von Testimonial-Storys, wobei auch die Betroffenen selbst zu Wort kommen und beispielhaft Inklusion vorleben.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.