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Deutsche Bahn zieht Résumé nach Recruiting-Initiative für Frauen

Die „größte Bewerbung Deutschlands“ sollte es sein. Das jedenfalls versprach die Deutsche Bahn (DB) im März. (DB). Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März versuchte der Eisenbahnkonzern einen Monat lang, mit einer aufwendig angelegten Recruiting-Initiative mehr Frauen als Mitarbeiterinnen zu gewinnen. Mit Erfolg: Im Aktionsmonat wurden nach Angaben einer DB-Sprecherin 718 Frauen eingestellt, 37 Prozent mehr als im Vormonat. Und auch der Anteil der Bewerbungen von Frauen stieg leicht von 22 auf 24 Prozent.

Als Arbeitgeber bei Talenten bewerben

Die Idee der Kampagne war, sich als Arbeitgeber bei Frauen zu bewerben und damit Reverse Recruiting auszuprobieren. Hierfür erstellte die Deutsche Bahn zunächst ein Bewerbungsschreiben inklusive Lebenslauf, in denen sie erklärte, was sie als Arbeitgeber ausmacht und bietet. Zudem wurde hier die eigene Unternehmensentwicklung – auch in Hinblick auf Frauen – dargestellt. Parallel gab es 20 bundesweite digitale Recruiting Days mit angehängten Expertentalks, die sich gezielt an Quereinsteigerinnen und Ingenieurinnen richteten. Bei den virtuellen Austausch-Formaten stellten DB-Mitarbeitende ihre Geschäftsfelder und Projekte vor – unter anderem auch in Podiumsdiskussionen, bei denen sich die Teilnehmenden einbringen konnten. Über alle Termine verteilt war die Zahl der virtuellen Anwesenden mit 200 allerdings recht gering. Anschließend fanden direkt Vorstellungsgespräche statt, auf die am selben Tag noch eine finale Zu- oder Absage für die Kandidatinnen folgte. „Unsere Intention war es, eine Bewerberin zur Mitarbeiterin an einem Tag zu machen“, sagt die DB-Sprecherin.

Eines der Formate der „größten Bewerbung Deutschlands“ richtete sich gezielt an Studentinnen. Nämlich ein digitales Assessment-Center- und Bewerbungstraining, an dem 20 Interessentinnen teilnahmen. Für jeden offen war dann wieder ein als Höhepunkt geplanter Kampagnenteil: ein als „Vorstellungsgespräch“ titulierter Live-Stream. Bei diesem stellten sich Head of Talen Acquisition Kerstin Wagner (die auch schon in unserem gleichnamigen Podcast zu Gast war), Martin Seiler (Vorstand Personal und Recht), Nicole Göbel (CEO bei der DB Systel) und Alessa Stelz (Teilprojektleiterin Telekommunikation bei der DB Netz) stellvertretend für den Arbeitgeber den Fragen der rund 1200 Teilnehmenden. Als besondere Gäste geladen waren bekannte Persönlichkeiten der HR-Szene wie Tijen Onaran, Gründerin der Diversity-Beratung Global Digital Women, Aya Jaff (IT-Expertin und Bestseller-Autorin) und Marius Kursawe (Geschäftsführender Gesellschafter der Weiterbildungsplattform TWENTYONE SKILLS). Sie sollten nicht nur mehr Aufmerksamkeit für die Veranstaltung generieren, sondern auch Themengebiete ansprechen, die der Bahn als Arbeitgeber nach eigenen Angaben wichtig sind – wie Diversity, Digitalisierung und Familienfreundlichkeit.  

Mitarbeitende als Multiplikatoren

120 DB-Mitarbeitende wurden zusätzlich am Weltfrauentag aktiver Teil der Kampagne. Am 8. März posteten sie in den sozialen Medien über sich und ihren Arbeitgeber und bewarben sich damit auf ihre jeweils eigene Weise bei Frauen. Mit der Aktion gewann der Eisenbahnkonzern insgesamt rund 120.000 Impressionen auf Kampagnenmaterial und somit mehr Aufmerksamkeit für die Kampagne.  Der Frauenanteil unter den Beschäftigten liegt bei der Bahn derzeit bei 25 Prozent, im Jahr 2024 soll er 30 Prozent betragen. „Für unsere Strategie ‚starke Schiene‘ brauchen wir viel mehr Frauen in Technikberufen und Führungspositionen“, sagt DB-Personalvorstand Martin Seiler. Eine Steigerung des Frauenanteils sei auch ein zentrales Anliegen des Konzernvorstands.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.