Das Stresslevel der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Deutschland steigt weiter an. Wie der „Global Workplace Report 2023“ des Meinungsforschungsinstituts Gallup zeigt, fühlen sich aktuell 42 Prozent der Mitarbeitenden gestresst – ein Anstieg von zwei Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Laut dem Report haben die emotionale Bindung an den Arbeitgeber und die Qualität der Führung einen großen Einfluss auf das Stressempfinden.
Das zumindest ergaben die kumulierten repräsentativen Antworten der weltweit mehr als 122.000 befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – rund 1.000 davon in Deutschland. Sie wurden zwischen April 2022 und März 2023 interviewt. Global fühlen sich derzeit durchschnittlich 44 Prozent der Beschäftigten gestresst. Das kann Konsequenzen haben und zu einem Schneeballeffekt führen, durch den der Zustand des oder der Einzelnen und im Team noch angespannter wird. Wer gestresst ist, weist eine 2,5-mal höhere Wahrscheinlichkeit auf, wütend zu sein. „Diese Wut ist nicht nur desaströs für die Unternehmenskultur, sondern auch disruptiv für Arbeitsabläufe“, sagt Marco Nink, Director of Research & Analytics EMEA bei Gallup.
Was bei der Arbeit geschieht, ist wichtiger als der Arbeitsort
Um das zu vermeiden, können ein Blick auf die emotionale Bindung der Mitarbeitenden ans Unternehmen und eine Analyse der Führungskultur helfen. Denn die emotionale Bindung wirkt sich weitaus mehr auf das Stresslevel aus als beispielsweise der Arbeitsort. Sie hat laut dem Report einen fast viermal so großen Einfluss auf das Stressempfinden als die Tatsache, ob Beschäftigte hybrid, remote oder vor Ort im Betrieb arbeiten. Während sich das Stressempfinden je nach Arbeitsort nur um bis zu 5 Prozent verändert, beeinflusst die Bindung das Stressempfinden um bis zu 20 Prozent.
Das Problem: Derzeit fühlen sich so wenig Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer emotional gebunden, wie seit 2012 nicht mehr. Eine hohe Bindung zu ihrem Arbeitgeber haben eigenen Aussagen nach nur 16 Prozent der Mitarbeitenden, 69 Prozent geben eine geringe Bindung an.
Die emotionale Bindung wiederum wird laut den Gallup-Expertinnen und -Experten stark von der Führungskultur beeinflusst. „Unsere Erfahrung zeigt, dass bei Unternehmen in Deutschland, die aktiv an der Qualität der erlebten Führung und des Arbeitsumfelds arbeiten, die emotionale Bindung ihrer Mitarbeitenden im Schnitt bei 40 Prozent liegt und sie im besten Fall sogar auf 60 Prozent gesteigert werden kann“, sagt Nink.
Im Ländervergleich liegt Deutschland meist im Mittelbereich. Das hiesige Stresslevel liegt zwei Prozentpunkte unter dem globalen Durchschnitt (44 Prozent). Was die emotionale Bindung angeht, schneidet die Bundesrepublik allerdings schlechter ab. Weltweit fühlen sich durchschnittlich 23 Prozent stark emotional an ihren Arbeitgeber gebunden (Vergleich Deutschland 16 Prozent).
Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch Themen aus den Bereichen Recruiting, Employer Branding und Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit.

