Gehaltserhöhung 2027: WTW-Studie besagt, dass Leistung entscheidet

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Deutsche Unternehmen planen für 2027 eine Gehaltserhöhung von 3,2 Prozent im Median ein. Dies würde leicht über dem Vergütungsplus 2026 liegen. Denn im laufenden Jahr erhöhten Arbeitgeber die Gehälter ihrer Mitarbeitenden um 3,1 Prozent. Seit 2023 fallen die Gehaltserhöhungen immer niedriger aus. Das geht aus der Salary Budget Planning Survey hervor, für welche die Unternehmensberatung WTW in Deutschland 880 Unternehmen befragt hat.

Dabei hatten einige Arbeitgeber vor Jahresbeginn eigentlich mit höheren Lohnkosten für 2026 gerechnet. 41 Prozent der befragten Unternehmen gab an, dass ihr tatsächliches Gehaltsbudget 2026 niedriger ausgefallen ist als im vorausgegangenen Vergütungsplan. Allerdings meldeten auch 22 Prozent, dass sie mehr Budget ausgegeben hatten als vorhergesehen. Als Gründe für diese Abweichung nannten die Arbeitgeber Kostenmanagement (35 Prozent), schwächere Finanzergebnisse (30 Prozent) und Inflationsdruck (22 Prozent).

Wie stark bestimmen Branche und Leistung die Gehaltserhöhung 2026?

Ob und wie groß die Gehaltserhöhung ausgefallen ist, hängt laut dem Report auch stark von der Branche ab. Im Pharma- sowie Life-Science-Bereich gab es im Median Gehaltserhöhungen von 3,2 Prozent. Für 2027 ist dort eine Steigung der Gehälter von 3,4 Prozent geplant. Weniger rosig sieht es in der Chemie aus. Dort stiegen die Gehälter 2026 um 3 Prozent und dieses Niveau ist auch für 2027 vorgesehen. Die Studienautorinnen und -autoren von WTW begründen dies mit den wirtschaftlichen Realitäten in den Branchen.

In der Pharma- und Life-Science-Industrie gebe es einen anhaltend hohen Fachkräftemangel und Unternehmen stünden in einem internationalen Rekrutierungswettbewerb. Die Chemiebranche dahingegen leide unter einem Nachfragerückgang und einem Margendruck. Ein anderer Aspekt ist dabei überraschend nicht vorzufinden: „Die viel diskutierten Hierarchieunterschiede bei der Gehaltserhöhung sind in der Praxis marginal“, heißt es vonseiten WTW. Bei Führungskräften ist das Gehalt nicht mehr angestiegen als bei einfachen Angestellten.

Doch individuelle Leistung scheint eine immer wichtigere Rolle für die Gehaltssteigerung zu spielen. „Es verändert sich, wie Unternehmen ihr Budget verteilen“, sagt Nicole Fischer, Managing Director Work & Rewards bei WTW. „Die pauschale Gehaltsrunde, bei der alle denselben Prozentsatz erhalten, ist außerhalb des tariflichen Geltungsbereichs in Deutschland weitgehend Geschichte. Wer heute Vergütung strategisch einsetzt, differenziert gezielt: nach Leistung, nach Funktion und nach strategischer Bedeutung der Rolle.“

In Zahlen ausgedrückt zeigt sich das folgendermaßen: 63 Prozent der Unternehmen nehmen individuelle Anpassungen ihrer Gehaltsbudgets vor. Das hat zur Folge, dass die Mitarbeitenden mit der höchsten Leistungsbewertung 2026 im Schnitt eine Gehaltserhöhung von 5,2 Prozent erhalten haben. Hingegen bekamen Beschäftigte, deren Leistung als durchschnittlich beurteilt wurde, 2,7 Prozent mehr Gehalt und solche mit einer unterdurchschnittlichen Performance 1,3 Prozent.

Welche Treiber identifizierte Kienbaum für die Gehaltserhöhung 2026?

Die WTW-Zahlen passen gut mit der Prognose der Unternehmensberatung Kienbaum zusammen. In ihrer Gehaltsentwicklungsprognose 2026 sagten sie im Frühherbst vergangenen Jahres – basierend auf Unternehmensbefragungen – genau die Gehaltssteigerung hervor, die WTW jetzt bestätigt. Dabei spielt ihrer Analyse nach eine zentrale Rolle, wie das Unternehmen wirtschaftlich dasteht. Arbeitgeber, die auf ein herausforderndes Geschäftsjahr schauten, planten eine Gehaltssteigerung von 2,3 Prozent ein. Solche, die ihre zukünftige wirtschaftliche Situation als optimistisch einschätzten, rechneten mit einer weitaus höheren Gehaltssteigerung von 3,3 Prozent.

Laut den Kienbaum-Expertinnen und -Experten nannten Arbeitgeber Unternehmensperformance und die gesamtwirtschaftliche Situation als zentrale Treiber für Gehaltserhöhungen 2026. Der Fachkräftemangel oder die Inflation spielten demgegenüber nicht mehr eine so große Rolle für die Gehaltsentwicklung wie noch in den vergangenen drei Jahren. Das ergibt aufgrund von Stellenabbau und Konjunkturdelle – wodurch sich der Fachkräftemangel in manchen Branchen übergangsweise verringert hat – und einer sinkenden Inflation Sinn.

In ihrer Prognose für 2026 hielten die Kienbaum-Expertinnen und -Experten allerdings schon fest: 75 Prozent der Unternehmen glaubt, dass der Druck, die Gehälter anzuheben, in der kommenden Zeit bestehen bleibt. Gleichzeitig haben immerhin 15 Prozent berichtet, dass die Gehaltserwartungen der Bewerbenden zurückgehen. „Durch den Personalabbau und die Zurückhaltung bei der Rekrutierung entspannt sich der Druck auf die Gehälter etwas“, hieß es damals vonseiten Kienbaums.

Wie entwickeln sich die Reallöhne 2026 in Deutschland?

Aktuell liegt die Inflation bei 2,9 Prozent (Stand August 2026). Durch die Gehaltserhöhung von 3,1 Prozent ergibt sich ein Plus bei den Reallöhnen um 0,2 Prozent. Damit haben sich die Reallöhne aufgrund der sinkenden Inflation positiv erholt. Zum Vergleich: 2023 gab es im Median laut WTW-Zahlen eine Gehaltserhöhung von 4 Prozent, die Inflation lag aber im selben Zeitraum bei 6,2 Prozent. Das Statistische Bundesamt (Destatis) beschreibt die Erhöhung der Reallöhne in der Bundesrepublik: Im zweiten Quartal lagen sie um 1,5 Prozent höher als im Vorjahresquartal.

Wie schneidet Deutschland bei Gehaltserhöhungen international ab?

Für Personalerinnen und Personaler, die international rekrutieren, könnte ebenfalls der Blick in andere Länder hilfreich sein. Laut WTW liegt Deutschland bei der Gehaltsentwicklung auf einem geringen Niveau. Eine stärkere Gehaltserhöhung fanden Beschäftigte 2026 in Südkorea (4 Prozent), Großbritannien und den USA (jeweils 3,5 Prozent) und Spanien (3,2 Prozent) vor. Geringer stieg das Gehalt dahingegen in Frankreich (3 Prozent) und der Schweiz (2,4 Prozent) an.

Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch das Thema Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit und das HR Forum Banking.