Mercedes und VW: Warum Abfindungen beim Stellenabbau nicht reichen  

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Der Personalabbau in der Automobilbranche beherrscht weiterhin die Schlagzeilen. Über die konkreten Maßnahmen bei Mercedes berichtete kürzlich das Handelsblatt, dem Informationen aus dem Intranet vorlagen. Diese zeigen: Auch in der Produktion von Mercedes läuft bereits seit Jahren der Stellenabbau über Freiwilligenprogramme und gezahlte Abfindungen. Die Rede ist von teils sechsstelligen Summen. 

Abfindungen in der Autoindustrie: Wie hoch sind sie?

Abfindungen in der Automobilindustrie machen immer wieder Schlagzeilen – vor allem bei hoch bezahlten Managementpositionen. Dem Spiegel zufolge gab es bei Volkswagen Abfindungen bis zu 400.000 Euro. Stefan Nägele, Fachanwalt für Arbeitsrecht, sprach gegenüber der Süddeutschen Zeitung von 500.000 für Führungskräfte in der Automobilindustrie. 

Von diesen Summen dürfte in den Werkshallen eher nicht die Rede sein. Laut dem aktuellen Abfindungsatlas von Allright liegen Abfindungen dort eher im Mittelfeld: Beschäftigte in Büro und Verwaltung bekamen 2026 durchschnittlich 12.090 Euro ausgezahlt, in Produktion, Technik und Bau waren es 8.036 Euro.  

Warum Abfindungen allein zu kurz greifen

Dr. Sabrina Zeplin ist Gründerin der Beratung Restart Career, die Arbeitgeber und Betroffene bei Trennungsprozessen unterstütz. Sie erlebt in Beratungsgesprächen oft, dass Unternehmen bei Abfindungen bereit sind, sehr tief in die Tasche zu greifen. Für Outplacement oder Newplacement, also Hilfe bei der beruflichen Neuorientierung, würden dagegen im Vergleich nur geringe Beträge bereitgestellt. 

Info

Sie wollen mehr über das Thema Change Management erfahren?

Dann schauen Sie doch einmal in unser Dossier zum Thema. Dort stellen wir für Sie kontinuierlich Studien, Deep-Dives und Best Cases zusammen. Erfahren Sie, wie Kommunikation, Training und Widerstandsmanagement wirksam Veränderungen unterstützen können.

Lesen Sie rein!


„Nicht in Outplacement zu investieren ist zu kurzsichtig gedacht“, meint die Expertin. „Es löst etwas in den Köpfen der Menschen aus, wenn sie sich gut unterstützt fühlen – statt mit einer Abfindung quasi aus dem Unternehmen gekehrt zu werden.“ Dies gelte auch für die Mitarbeitenden, die weiterbeschäftigt werden. „Durch Investitionen in Outplacement-Maßnahmen bekommen sie den Eindruck, dass das Unternehmen Verantwortung übernimmt.“ 

So, sagt Zeplin, werde der sogenannte Survivor-Syndrom zumindest abgemildert. Der Begriff kommt aus der Organisationsforschung. Gemeint ist damit die Reaktion von verbleibenden Mitarbeitenden in einem Unternehmen nach einer Restrukturierung. Sie empfinden sich als Überlebende einer Katastrophe, was zu Unsicherheit und Vertrauensverlust führen kann.  

Weiterbildung beim Stellenabbau: So vermeiden Firmen eine Kündigungswelle 

Zeplin weist auch darauf hin, dass beim Stellenabbau auch eigentlich sinnvolle Maßnahmen mit eingespart werden, beispielsweise Weiterbildungsbudgets für die verbleibende Belegschaft. „Das ist ein ganz typischer Impuls, der sehr gefährlich ist. Die Survivor bekommen den Eindruck: In diesem Unternehmen geht nichts mehr voran.“ Als Konsequenz, warnt die Expertin, könnten innere oder faktische Kündigungen von Top-Leistungsträgern folgen, die das Unternehmen eigentlich halten sollte. „Diese negativen Effekte sind häufig in den Kalkulationen nicht berücksichtigt, wenn es um die Investitionen beim Stellenabbau geht.“ 

Freiwilligenprogramme hält Zeplin allerdings grundsätzlich für sehr gute Instrumente beim Stellenabbau. „Menschen möchten autonom entscheiden können.“ Veränderungen, sagt Zeplin, seien viel leichter zu akzeptieren, wenn Mitarbeitende das Gefühl hätten, sie mitgestalten zu können. 

„Bei Freiwilligenprogrammen haben Menschen die Möglichkeit, sich über einen gewissen Zeitraum selbst zu überlegen, ob sie diesen Weg gehen wollen.“ Die Expertin rät allerdings dazu, diese Zeitspanne auf maximal drei bis sechs Wochen anzulegen. „Das stürzt das Unternehmen nicht zu lange in die Unsicherheit und setzt gleichzeitig die Menschen nicht zu sehr unter Druck.“  

Angela Heider-Willms verantwortet die Berichterstattung zu den Themen Transformation, Change Management und Leadership. Zudem beschäftigt sie sich mit dem Thema Diversity.