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Frauenanteil in Vorständen steigt viel langsamer als im Vorjahr

Der Frauenanteil in den Vorständen der Dax-, MDax- und SDax-Unternehmen ist im vergangenen Jahr sehr viel langsamer gestiegen als zuvor. Durchschnittlich bestehen die Vorstände 2022 zu 14 Prozent aus Frauen. Das ist lediglich ein Anteilsanstieg von 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2021 war er noch um gut 13 Prozent gestiegen. Wie aus einer Untersuchung der AllBright Stiftung hervorgeht, liegt das vor allem an den Unternehmen im M- und SDax, in denen es zum Stichtag 1. September 2022 weniger Frauen auf Vorstandsebene gab als ein Jahr zuvor.

Laut den AllBright-Expertinnen und -Experten wird es bei einem gleichbleibenden Entwicklungsstand 42 Jahre dauern, bis die Parität auf der höchsten Unternehmensebene erreicht ist. Auf Basis des durchschnittlichen Veränderungstempos der vergangenen fünf Jahre, rechneten die Expertinnen und Experten mit 26 Jahren, bis es eine gleiche Verteilung der Geschlechter auf Vorstandsebene geben wird.

Erstmals Parität in Dax-Unternehmen erreicht

Doch der Bericht der Stiftung zeigt auch positive Entwicklungen. 2022 gibt es erstmals eine Parität in einzelnen Dax-Unternehmen – und zwar bei Continental, Fresenius Medical Care und Siemens Healthineers. Die Vorstandsgremien von drei weiteren Dax-Unternehmen (Beiersdorf, Deutsche Telekom und Mercedes-Benz) können einen Frauenanteil von fast 40 Prozent vorweisen und erfüllen damit fast die vorgegebene Frauenquote. Doch diese Unternehmen sind Pioniere und keinesfalls die Norm. Immer noch mehr als die Hälfte der 160 an der deutschen Börse gelisteten Unternehmen haben keine einzige Frau im Vorstand.

Die Lücke zwischen Vorreitern und Nachzüglern scheint größer zu werden. Das hängt auch damit zusammen, dass Frauen – wie im Vorjahr – in der Regel hohe Führungspositionen in Unternehmen annehmen, in denen es bereits Frauen im Vorstand gibt. Auch finden sich laut den AllBright-Expertinnen und -Experten eher in großen und internationalen Unternehmen Vorständinnen als in kleineren deutschen.

Wurden Frauen neu zu Vorständinnen ernannt (was in 23 Prozent der Berufungen der Fall war), sind sie nun vor allem für den Bereich Finanzen oder Personal verantwortlich. Auch für das Ressort IT sind sie doppelt so häufig wie Männer im vergangenen Jahr in den Vorstand berufen worden. Wenn es allerdings darum geht, das höchste Amt im Vorstand zu übernehmen, sind Frauen immer noch weit ab vom Schuss. Derzeit gibt es neun weibliche Vorstandsvorsitzende – mit einem Anstieg um eine Frau – und acht Aufsichtsratsvorsitzende – zwei weniger als im Vorjahr.

Aktuelle Regelungen hinsichtlich der Frauenquote

Damit der Frauenanteil in Aufsichtsräten steigt, haben sich die EU-Staaten kürzlich auf eine europaweite Frauenquote geeinigt. Bis Ende 2026 sollen mindestens 40 Prozent der Mitglieder in den Aufsichtsräten der börsennotierten Unternehmen Frauen sein. Gilt die Quote für Aufsichtsräte und Vorstände, muss der Frauenanteil beider Gremien zusammengenommen 33 Prozent betragen. In Deutschland wird sich durch die Regelung wenig ändern. Die Bundesrepublik kann sich auf die Ausnahmeregel für Länder berufen, in denen bereits „ebenso wirksame Maßnahmen“ ergriffen wurden.

Denn in Deutschland gelten folgende Regelung zur Frauenquote: Seit Ende 2020 müssen mindestens 30 Prozent der Mitglieder der Aufsichtsräte Frauen sein. Dieses Ziel wurde im Durchschnitt erreicht. Derzeit liegt die Frauenquote in Aufsichtsräten laut den Analysen der AllBright Stiftung bei 34 Prozent. Seit Sommer 2021 mussten börsennotierte Unternehmen sich zudem an eine neue gesetzliche Frauenquote halten, die mit dem Zweiten Führungspositionengesetz (FüPoD II) in Kraft trat. Das Gesetz besagt: Besteht ein Vorstand eines börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmens aus mehr als drei Mitgliedern, so muss er zukünftig mit mindestens einer Frau und mindestens einem Mann besetzt sein. Dies trifft nicht auf alle Dax-, MDax- und SDax-Unternehmen zu, weshalb die Quote nicht für alle verpflichtend ist.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.

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