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So können Sie Erfolge wahrnehmen, kommunizieren und feiern

Hand aufs Herz: Wann haben Sie das letzte Mal Ihren Mitarbeitenden rückgemeldet, was sie alles geschafft, weitergebracht, erreicht haben? Wie gut sind Sie überhaupt darin, Fortschritt und Erfolg zu bemerken, für sich selbst und für andere? Können Sie nur ToDos verkünden – oder auch TaDaaas?

Bei vielen Führungskräften gehört das nicht zu den größten Stärken. Schließlich werden sie ja häufig deshalb Vorgesetzte, weil sie besonderen Antrieb haben. Weil sie sehen, was noch besser laufen könnte. Weil sie Visionen haben, die über das Bestehende hinausgehen. Da übersieht man leicht mal das Gelungene und Geglückte.

Wieso auch wahrscheinlich Sie sich zu häufig die schwarze Negativ- statt der rosa Erfolgsbrille aufsetzen; wozu das aber dringend hilfreich wäre; und wie das konkret gehen könnte: dazu hier einige Tipps und Anregungen.

Warum Erfolge feiern

Weil

  • die Covid-Pandemie viel Unmut und viele Facetten von Unsicherheit mit sich bringt;
  • immer mehr Menschen remote zusammenarbeite und damit nicht mehr so leicht mitbekommen, wann was vorwärtsgeht;
  • viele Talente nach dem Vorbild der “great resignation” in den USA auch hierzulande schon dabei sind, ihre Koffer zu packen und zu einem attraktiveren Arbeitgeber zu wechseln;
  • die Generationen Y und Z noch mehr als bisherige Kohorten Sichtbarkeit und Anerkennung für ihre Arbeit erwarten, sollten Sie mal gründlich überprüfen, ob Sie Fortschritte und Erfolge auch genügend erkennen und anerkennen.

Viele von Ihnen werden jetzt sagen: “Mache ich doch eh!?” Viele Ihrer Mitarbeitenden werden jetzt sagen: “Macht die/der doch eh nie!?” Eine ältere Studie von Globoforce belegt, wie viel stärker Menschen durch das motiviert werden, was ihre Führungskraft lobt als durch das, was diese moniert. Und dass rund zwei Drittel der Belegschaften nur Dienst nach Vorschrift machen und kaum bis gar nicht für ihren Job brennen, liegt nicht zuletzt woran? Genau, dass sich die Mitarbeitenden nicht von ihren Führungskräften genügend gewürdigt fühlen. Dabei gibt es wenig, was mehr zu Erfolg motiviert als Erfolg. Wenn Sie Ihre Mitarbeitenden immer mal wieder loben – und zwar am besten ein gutes Stück mehr und häufiger, als Sie das für angemessen halten – dann stärkt das erwiesenermaßen Motivation und Vertrauen!

Woher kommt die häufig verbreitete Erfolglosigkeit im Anerkennen von Erfolg? Nun, Freundlichkeit und Großzügigkeit gehören nun mal nicht zu den Haupt-Qualitäten vieler Führungskräfte, das legen Studien aus der Stärkenforschung nahe. Vielleicht hängen Sie ja insgeheim auch dem Glaubenssatz an, dass Menschen faul werden und die Beine hoch legen, wenn man ihre Arbeit zu sehr beklatscht!? Vielleicht sind Sie auch selbst in einer Kultur sozialisiert worden, in der es hieß: “it gschimpfad isch globad gnue”, allgäuerisch für: “nicht geschimpft ist genug gelobt”. Wir alle sollten uns immer wieder vor Augen führen, dass unser aller Gehirn Teflon für das Gute und Tesa für das Schlechte ist: Negative Einschätzungen und Reize dominieren unsere Wahrnehmung, das hat uns in Zeiten des Säbelzahntigers das Überleben gesichert – und hindert uns häufig am Erkennen und Anerkennen des Guten, Geglückten, Gelungenen!

Wie Sie Fortschritt feiern können

Folgende Fragen könnten Ihnen helfen, Erreichtes besser zu sehen und sichtbar zu machen:

  • Wo stand ich, wo standen wir vor einem Jahr/halben Jahr in Projekt X oder Initiative Y?
  • Wo sind wir in den letzten sechs oder zwölf Monaten weitergekommen? Was kann Maier, Müller, Huber, was er oder sie damals noch nicht – so gut – konnte? Manchmal hilft der Blick in den Rückspiegel, um das Weiterkommen zu erkennen.
  • Wer hat außer mir etwas von unseren Erfolgen (Nachbarabteilungen, Kunden, Lieferanten et cetera)?
  • Wie haben wir trotz Lockdown, Lieferschwierigkeiten oder anderer covidbedingten Hürden Dinge weitertreiben können? Denn normale Maximal-Maßstäbe wären in diesen Zeiten maximal unsinnig.
  • Wie sehr achte ich nur auf die Menschen auf der Galerie – und wie viel Würdigung erhalten die Schattenperformer, die still und zuverlässig ihren Job machen, von mir? Und wie könnten wir denen aus dem Maschinenraum auch mal eine Runde Anerkennung auf dem Sonnendeck spendieren?
  • Woran erkenne ich bei Neueinstellungen, wie gut die/der Neue darin ist, eigene und vor allem auch fremde Fortschritte zu erkennen und zu würdigen? Fällt ihm dazu wenig oder gar nichts ein, und spricht er dann nur von “ich habe…” – oder haben Sie es mit jemandem zu tun, die oder der Team-Erfolge anerkennt?
  • Welche Symbole und Zeichen der Anerkennung passen zu mir, zu unserer Kultur, um Erfolg zu wertschätzen? Von der Kudo-Karte über das Anerkennungs-Fläschchen bis hin zu den überraschenden Thankgsgiving-Ferien, die Apple-CEO Tim Cook 2020 seiner Belegschaft schenkte, gibt es da ja viele Möglichkeiten.
  • Wie gehe ich, wie gehen wir mit tatsächlichen oder vermeintlichen Rückschritten um? Wofür könnten die  gut sein?

Anlässe für Erfolgsduschen können Sie suchen – oder finden, gerade zum Jahresende drängen sich diese ja auf. Wen Sie am besten öffentlich loben – in der Townhall, auf Linkedin, per Rundmail – und wen vielleicht lieber unter vier Augen; wer sich besonders über eine handgeschriebene “Danke, war super”-Nachricht freut und wem Sie lieber persönlich danken: das wissen Sie sicher selbst am besten, Sie kennen ja Ihre Pappenheimerinnen und Pappenheimer. Viel Spaß dabei – und viel Erfolg!

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Kolumne „Konstruktiv positiv“

Alle bisher erschienenen Beiträge der Kolumne finden Sie auf dieser Übersichtsseite.

Christian Thiele ist Autor und Coach für positive Leadership. Sein Buch „Positiv führen für Dummies“ ist gerade im Wiley-Verlag erschienen, sein Podcast „Positiv Führen“ lässt sich auf allen großen Podcast-Plattformen abrufen.
https://positiv-fuehren.com/