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Schadet Homeoffice der Umwelt?

Derzeit sieht es so aus, als würden sich das Homeoffice oder zumindest hybride Arbeitsformen auch nach Corona dauerhaft durchsetzen. Auf den ersten Blick wäre es naheliegend, dass sich der Trend zu mehr Telearbeit und weniger Pendelverkehr positiv auf die Umwelt auswirkt. Eine aktuelle Studie des Ifo-Instituts kommt jedoch zu dem Schluss, dass CO2-Emissionen lediglich kurzfristig verringert werden.

Positive Homeoffice-Effekte werden konterkariert

Laut einer aktuellen Greenpeace-Studie erwarten die Forscher bei einem Homeoffice-Anteil der Beschäftigten in Deutschland von 25 bis 40 Prozent einen Rückgang der CO2-Emissionen im Pendelverkehr zwischen 5 und 18 Prozent – ein nicht unerheblicher Anteil. Nach Ansicht von Waldemar Marz, Autor der Ifo-Studie, ist dies aber zu eng gedacht. Es werde das restliche Verhalten der Menschen übersehen. Es gelte auch zu berücksichtigen, so Marz, dass sich die Arbeit im Homeoffice auf weitere ökonomische Entscheidungen der Haushalte auswirkt.

So zum Bespiel auf die Entscheidung, wo man wohnt. Studienautor Marz geht davon aus, dass Berufstätige langfristig eher weiter von den Innenstädten wegziehen werden, wo sich in Industrieländern ein großer Teil der Arbeitsplätze befindet. Um von billigerem Wohnraum auf dem Land zu profitieren, würden sie auch längere Pendeldistanzen in Kauf nehmen. Letzteres gelte nicht nur für die noch bestehenden Präsenztage in der Firma, sondern unter anderem auch für Fahrten zum Einkaufen und zum Besuch von Kulturveranstaltungen. Gleichzeitig sinkt laut dem Forscher der Anreiz für Beschäftigte, die mehr von zu Hause aus arbeiten, sich energiesparende Fahrzeuge zu kaufen. Denn diese sind zumeist teurer in der Anschaffung.

Die beiden Anpassungsreaktionen würden die Reduktion der CO2-Emissionen durch mehr Telearbeit langfristig zu 84 bis 91 Prozent und damit fast vollständig kompensieren, so der Forscher. Die lokale Umwelt und das Klima profitieren von weniger Autofahrten nur kurzfristig, heißt es. Danach beeinflusse das Homeoffice das Klima eher negativ.

Der Grund: Berufstätige, die aufs Land ziehen, verfügten wegen der geringeren Kosten im Schnitt über eine größere Wohnfläche. Der öffentliche Nahverkehr gehe voraussichtlich zurück, auch weil größere Streckennetze Fahrkarten teurer machen würden, was wiederum Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen eher dazu ermutige, für die verbleibenden Pendelfahrten das Auto zu benutzen. Bei umfassender Betrachtung aller Aspekte zeige sich, dass sich die häufig erhoffte Verringerung des CO2-Ausstoßes durch mehr Homeoffice-Tage auf lange Sicht in eine Erhöhung umkehre, sagt der Ifo-Forscher.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.