VW-Personalvorstand: Erika Rasch als Top-Kandidatin gehandelt

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Inmitten von Stellenabbau und Transformation hat VW seit rund einem Jahr keinen Personalvorstand. Das allerdings könnte sich bald ändern. Recherchen von Correctiv.org zufolge ist Erika Rasch wohl  aussichtsreichste Kandidatin für den Posten. Rasch arbeitet aktuell als Head of Corporate People & Culture bei Bosch und dem dortigen Personalvorstand Stefan Grosch unterstellt. Sollte sie tatsächlich den Posten  beiVolkswagen bekommen, wäre dies ihr erstes Vorstandsmandat.  

Beschlossen ist das bisher aber noch nicht. Von „drei mit den Vorgängen vertrauten Personen“ erfuhr Correctiv, dass die Berufung von Rasch wohl bei einer Aufsichtsratssitzung rund um das VW-Sparparket in der vergangenen Woche beschlossen werden sollte. Kurzfristig sei die Personalie dann aber von der Tagesordnung genommen worden, da die Stimmung wegen des Sparpakets aufgebracht gewesen sei. VW und Bosch äußern sich (bislang) nicht zur Personalie.  

Wer ist Erika Rasch? Werdegang der VW-Personalvorstand-Kandidatin 

Erika Rasch ist ein Eigengewächs von Bosch. Sie begann dort ihre berufliche Laufbahn im Bereich Controlling und Einkauf und wechselte dann ins Personalwesen. Danach hatte sie zahlreiche HR-Führungspositionen innerhalb des Konzerns  inne – und war unter anderem Personalchefin in Shanghai (China). Dabei hatte sie auch mit Themen zu tun, die für die Rolle als Personalvorstand bei VW relevant sind.  

In einem  sprach Rasch etwa darüber, wie es sich anfühlt, Werke und Abteilungen zu schließen sowie den Wandel von Verbrenner- zur Elektromobilität zu bewerkstelligen. Dabei müsse man immer wieder den Spagat zwischen der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und der nachhaltigen Mitnahme der Mitarbeitenden finden. Im Interview ging sie auch auf das Thema emotionale Reaktionen von Beschäftigten auf Restrukturierungen ein. Dass nach Betriebsversammlungen das Auto zerkratzt und die Reifen zerstochen werden, sei schon einmal vorgekommen.  

Welche HR-Schwerpunkte verfolgt Erika Rasch aktuell bei Bosch? 

Ein Blick auf die Linkedin-Timeline von Erika Rasch zeigt, wo aktuell ihre Schwerpunktthemen liegen: KI, globale Zusammenarbeit, Skill Management und Innovationsförderung. Dabei steht in den Beiträgen auch ganz klar im Fokus, wie wichtig ihr ihr persönliches und berufliches Beziehungsnetzwerk  zu sein scheint. Das kam auch schon im Interview mit Evermood zum Vorschein. Dort erzählte Rasch davon, dass sie der kollektive Ansatz in der chinesischen Kultur in ihrer Zeit als Personalchefin von Bosch in Shanghai geprägt habe. In westlichen Ländern agiere man in der Arbeitswelt viel individueller. Vielleicht erklärt das auch, warum Rasch in der CHRO-Szene gut vernetzt zu sein scheint, an Event-Panels teilnimmt und Teil der Jury des HR-Start-up-Awards ist. Von anderen werde sie oft als menschlich, herzlich, klar und fokussiert beschrieben, sagte Rasch selbst über sich.  

In ihrem Gespräch mit Evermood wird auch deutlich: Rasch setzt sich für mentale Gesundheit und Selbstführung ein – und versucht beides selbst vorzuleben. Zu ihrem morgendlichen Ritual gehöre es, einen grünen Tee zu trinken und zu meditieren, sagte die Allgäuerin, die auf einem kleinen Bauernhof aufgewachsen ist und die erste in ihrer Familie war, die ein Abitur gemacht und studiert hat. 

Wer stand noch auf der Kandidatenliste für den VW-Personalvorstand?  

Und unter Umständen schafft sie es jetzt nach ganz oben auf die Vorstandsebene. Vor ihr hatte es Medienberichten zufolge bereits andere Kandidatinnen und Kandidaten für den Posten des VW-Personalvorstands gegeben. So waren etwas Ex-Bundesminister Hubertus Heil, BA-Chefin Angela Nahles, TKMS-Vorstand Oliver Burkhard und Skoda-Personalchefin Maren Gräf im Gespräch gewesen. Insider verrieten, dass die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch darauf drängen, den Posten mit einer Frau zu besetzen. So solle die gesetzliche Frauenquote eingehalten werden, falls die derzeit einzige Frau im Vorstand – IT-Vorständin Hauke Stars – den Autobauer verlässt.  

Von Unternehmensseite heißt es zwar, man suche „ohne Hektik“ nach einer geeigneten Person. Doch die HR-Aufgaben, mit denen sich der Konzern aktuell beschäftigt, wären selbst mit einem Personalvorstand äußerst herausfordernd. Aktuell plant das Management damit, rund 100.000 Stellen weltweit abzubauen. Für Deutschland wird diskutiert, ob vier Werke – in Hannover, Zwickau, Emden und Neckarsulm – geschlossen werden sollen, um Personalkosten zu sparen und eine Überkapazität in der Produktion zu verringern.  

Seitdem Gunnar Kilian sein Amt aufgrund von „unterschiedlicher Vorstellungen bei der Steuerung von Beteiligungsgesellschaften“ – wie es von Unternehmensseite heißt – niedergelegt hatte, übernehmen interimsmäßig der VW-Markenchef Thomas Schäfer mit Unterstützung von Arne Meiswinkel, Personalvorstand von Volkswagen Pkw, die Verantwortung für HR-Themen im Konzern.   

Welche Qualifikationen braucht der neue VW-Personalvorstand? 

Die Stelle zu besetzen, scheint schwer zu sein. Liegt dies daran, dass es keine geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten gibt, oder an Unstimmigkeiten der im Auswahlprozess involvierten Parteien? Laut Benjamin Renk, Partner bei der Executive-Search-Beratung Mercuri Urval, ist vor allem letzteres der Fall. Der Posten des Personalvorstands sei bei VW weit mehr als die Leitung eines klassischen HR-Ressorts. Vielmehr befinde man sich hier an der Schnittstelle zwischen Vorstand, Arbeitnehmervertreter und Eigentümerfamilien, die jeweils ihre eigenen Interessen haben. Dazu kommen die Interessen der Politik.  

„Und solange ihre Konflikte im Konzern nicht geklärt sind – etwa bei Stellenabbau, Kosten, Mitbestimmung und der zukünftigen Vorstandsaufstellung – wird auch die Besetzung dieser Position schnell Teil eines Machtspiels“, sagt Renk gegenüber unserer Redaktion. „Gesucht wird nicht nur eine fachlich überzeugende Persönlichkeit, sondern jemand, der für alle Lager tragfähig ist.“  

Aktuell schienen aber die „Spannungen in der Governance“ zentrale Personalentscheidungen wie die des Personalvorstands zu lähmen. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass der zukünftige Personalvorstand einige Skills mitbringen muss, um der Rolle im krisengeplagten Konzern gerecht zu werden. Laut Renk sind das folgende:  

  • Erfahrung mit tiefgreifenden Restrukturierungen  
  • Glaubwürdigkeit im Umgang mit Arbeitnehmervertretern  
  • die Fähigkeit, Personalthemen eng mit dem Konzernumbau und dem wirtschaftlichen Druck zu verzahnen 
  • ein sicheres Gespür für Governance-Fragen  
  • Verhandlungsstärke 
  • persönliche Robustheit.

Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch das Thema Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit und das HR Forum Banking.