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Weiterbildung mit Microlearning im Aufwind

Microlearning
Immer mehr Unternehmen setzen kurze digitale Lerneinheiten ein und entwickeln sie selbst. Foto: © momius-stock.adobe.com

Jedes zweite Unternehmen im deutschsprachigen Raum setzt inzwischen Microlearning bei der Qualifizierung der Mitarbeiter ein. Damit verfolgen sie vor allem das Ziel, Lerneinheiten besser in den Arbeitsalltag zu integrieren. Was die Inhalte der Learning-Nuggets betrifft, so kommt es primär darauf an, dass der Wissenstransfer gelingt.

Das E-Learning Journal hat in Kooperation mit Youknow, einem Anbieter von E-Learning-Lösungen, die “E-Learning Benchmarking Studie” durchgeführt, zu der die Teilstudie “Bildungsmanagement und digitale Didaktik” gehört, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden. An der Befragung nahmen 441 Personen aus Unternehmen verschiedener Größen und Branchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz teil, davon mit über 80 Prozent die meisten aus Deutschland. Die Mehrheit der Befragten ist in den Bereichen HR/Personalentwicklung, Weiterbildung und E-Learning tätig.

80 Prozent setzen kurze digitale Lerneinheiten ein oder planen dies

Die Studie definiert Microlearning als digitale, in sich geschlossene Lerneinheiten mit maximal 15 Minuten Lernzeit. 51 Prozent der Teilnehmer bejahten die Frage, ob sie dieses Format einsetzen. 27,9 Prozent geben an, der Einsatz sei geplant. Den Begriff Microlearning benutzen die Unternehmen jedoch kaum, sie sprechen lieber von kurzen Lerneinheiten oder Kurzformaten, Learning Nuggets, Mobile Learning oder der modularen Aufbereitung von Lerninhalten. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit bei knapp der Hälfte der Unternehmen (47,3 Prozent) liegt zwischen fünf und 20 Minuten, aber auch Microlearnings bis zu einer Stunde Länge kommen vor.

Pro Microlearning: gute Integration in den Arbeitsalltag

Acht von zehn Unternehmen (79,1 Prozent) verbinden mit dem Einsatz von Microlearning in erster Linie die Hoffnung, Lerneinheiten besser in den Arbeitsalltag integrieren zu können. Gut zwei Drittel (69,8 Prozent) versprechen sich damit eine Steigerung der Motivation und Akzeptanz der Lernenden. 42,2 Prozent schätzen an diesem Format, dass das Lernangebot besser modularisiert werden kann. Außerdem sagen 36,1 Prozent, dass damit Learning on demand möglich ist, und weitere 34,5 Prozent finden, dass sich die kurzen Einheiten gut für Mobile Learning eignen.

Nicht jeder Inhalt ist für kurze Lernhäppchen geeignet

Gefragt danach, was aus ihrer Sicht gegen den Einsatz von Microlearning spricht, führten mit 52,6 Prozent die meisten Studienteilnehmer an, dass sich das Format nicht für alle Themen und Themengebiete eignet. Gut jeder Dritte (35,6 Prozent) befürchtet eine Fragmentierung des Lernangebots. Zudem stellt es für 29 Prozent einen Nachteil dar, dass Microlearning nur in Verbindung mit anderen Ansätzen und Methoden gesehen werden kann und die kurzen Lerneinheiten in der Regel Bausteine eines Blended Learning-Szenarios sind. Wie schon in den Anfängen von Computer Based Training Ende der 80er-Jahre bleibt es für viele Unternehmen offenbar schwierig, Lernkonzepte zu entwickeln, die die breite Palette von Präsenz-Schulungen mit digitalen Formaten vereinen. Damals lag es vor allem daran, dass viele Trainer digitalem Lernen noch kritisch gegenüberstanden und entsprechende CBT-Spezialisten oft im Alleingang arbeiteten. Zu dieser Zeit gab es noch wenig Schulungspersonal, das sowohl über die didaktische als auch die digitale Kompetenz für die neuen Lernmedien verfügte.

Immer mehr Unternehmen produzieren die Inhalte selbst

Heute setzen immerhin schon 70,4 Prozent der befragten Unternehmen – 2020 waren es noch 62,3 Prozent und für die Zukunft planen es sogar 86,6 Prozent – auf die Eigenproduktion digitaler Lerninhalte. 14,6 Prozent lassen die Programme von externen Dienstleistern planen und entwickeln und 15 Prozent nutzen Standard-Inhalte. Bei der Eigenproduktion ist es den meisten der Befragten (87,3 Prozent) am wichtigsten, dass sie die Lerninhalte nach den eigenen Bedarfen und Anforderungen entwickeln können. Aber auch einfachere und schnellere Aktualisierungen und Kosteneinsparungen sind von Bedeutung. Gegen die eigene Entwicklung sprechen vor allem fehlende personelle Ressourcen in den Personal- und IT-Abteilungen (59,6 Prozent). Auch führt immer noch rund ein Viertel der Unternehmen mangelndes technisches Know-how der eigenen Bildungsexperten (27,2 Prozent) und fehlendes didaktisches Know-how (23,6 Prozent) an. Die Corona-Krise habe allerdings nicht nur zu einem Schub der digitalen Weiterbildung geführt, sondern auch dazu, dass Unternehmen die Entwicklung digitaler Lerninhalte mit eigenen Ressourcen und Kompetenzen zunehmend selbst steuern wollen, so die Studie.

Wichtigstes Erfolgskriterium ist der Lerntransfer

Wenn es darum geht, welche Aspekte erfolgreiche Lerninhalte auszeichnen, steht der Lerntransfer für die Unternehmen an erster Stelle; 83,2 Prozent der Befragten geben dies an. An zweiter Stelle rangiert mit 62,8 Prozent das Feedback der Nutzer und 55,1 Prozent schauen auf die Nutzungs- und Zugriffszahlen bei der Belegschaft. Bei den Mitarbeitern steht die Benutzerfreundlichkeit und Usability digitaler Lerninhalte mit 68,3 Prozent im Vordergrund, gefolgt von Praxisbeispielen und realistischen Szenarien (59 Prozent), dem didaktischen Design, der Abstimmung von Lernzielen, -inhalten und -methoden (46,9 Prozent) sowie der Interaktivität der Inhalte (45,1 Prozent).

Die Studie steht als > Download bereit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.