Neues VW-Entgeltsystem ab 2027? Was Volkswagen und IG Metall aktuell verhandeln

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Für Volkswagen ist es eines der größten tariflichen Projekte, welche das Unternehmen je angegangenen ist: ein aus Konzernsicht veraltetes Entgeltsystem soll vollständig modernisiert und an die heutige Arbeitswelt angepasst werden. Noch ist es nicht im Detail ausgestaltet. Angedacht ist eine Einführung zum 1. Januar 2027, so zumindest sieht es der vereinbarte Fahrplan zwischen der Volkswagen AG und der IG Metall vor. Ob es tatsächlich so kommt, bleibt abzuwarten. Ursprünglich sollten die Verhandlungen zwischen den Tarifvertragsparteien über die konkrete Ausgestaltung des Systems bereits Mitte 2026 abgeschlossen sein. Nun ist der Herbst angepeilt.

Was steckt hinter den Verhandlungen über das neue VW-Entgeltsystem?

Die Idee eines neuen Entgeltsystems hat ihren Ursprung im Tarifkonflikt 2024. Volkswagen hatte damals einen harten Kurs eingeschlagen: Werke sollten geschlossen, Zehntausende Jobs gestrichen werden. Als Beschäftigte an den Standorten die Arbeit niederlegten und Druck machten, kam es zu einem Kompromiss. Der Tarifabschluss sah doch keine Werksschließungen oder Massenentlassungen vor. Die IG Metall spricht bei all den Ereignissen von einer „Zäsur, wie es sie in der Geschichte des Unternehmens kaum gegeben hatte“.

Ein Tarifergebnis war dabei auch die Neugestaltung des Entgeltsystems. Am Verhandlungstisch sitzen seit November 2025 deshalb die Tarifvertragsparteien Volkswagen und die IG Metall.

Warum reformiert Volkswagen sein Entgeltsystem?

Dabei geht es nicht nur um den Konflikt von 2024, denn das Entgeltsystem hat auch grundsätzlich Reformbedarf. Das aktuelle System unterscheidet noch immer zwischen Lohn (Arbeiter) und Gehalt (Angestellte). Diese Trennung stammt aus einer Zeit, in beide Bereiche nichts miteinander zu tun hatten. Heute greifen viele Bereiche ineinander, sodass es längst nicht mehr so ist. Hinzu kommen rund 6.000 verschiedene Arbeitssysteme und 167 Tätigkeitsbeschreibungen. Thorsten Gröger, Verhandlungsführer der IG Metall, sagt: „Das aktuelle Entgeltsystem ist rund 30 Jahre alt – es stammt aus einer Zeit, in der Tätigkeiten, Technologien und Anforderungen ganz andere waren. Jetzt geht es darum, dieses System an die heutige Realität und die Aufgaben von morgen bei Volkswagen anzupassen.“ Dazu soll das System vereinfacht werden.

Für die Volkswagen AG steckt hinter einem neuen Entgeltsystem aber auch wirtschaftliches Interesse. So erklärte das Unternehmen, das Gesamtvolumen der tariflichen Entgeltsumme um sechs Prozent senken zu wollen. Denn das Unternehmen steckt in einer tiefen Krise. Gewinn und Umsatz brechen ein, die Konkurrenz aus China wächst und der Konzern befindet sich auf Sparkurs. Das neue Entgeltsystem ist also auch eine Antwort auf die wirtschaftliche Situation des schwächelnden Autobauers.

Wie soll das neue Entgeltsystem konkret aussehen?

Konkrete Details dazu, wie das Entgeltsystem ausgestaltet sein soll, gibt Volkswagen bislang nicht offiziell preis. Das Unternehmen hat mitgeteilt, dass es während der laufenden Ausarbeitungsphase keine Zwischenstände veröffentlichen wird, da sich die Inhalte jederzeit noch ändern könnten.

Einige Informationen haben das Unternehmen sowie die IG Metall jedoch bereits bekanntgegeben. Fest steht, dass es künftig ein gemeinsames Entgeltsystem für alle tariflich Beschäftigten geben soll, unabhängig davon, ob sie in der Produktion stehen, in der Logistik arbeiten oder im Büro sitzen. Die Eingruppierung eines Jobs soll nicht mehr davon abhängen, in welcher Abteilung oder an welchem Standort jemand arbeitet. Das Ziel soll sein: Wer Ähnliches leistet, soll auch ähnlich eingestuft werden.

Im Mittelpunkt des neuen Entgeltsystems steht dabei der sogenannte Funktionskatalog. Die Idee dahinter ist, dass es statt der bisherigen Arbeitssysteme und Tätigkeitsbeschreibungen Gruppen von Aufgaben gibt, die als gleichwertig eingestuft werden, unabhängig davon, in welchem Bereich oder an welchem Standort sie anfallen. Heißt: wer in Wolfsburg dieselbe Aufgabe erledigt wie in Emden, fällt in dieselbe Funktion. Ergänzt wird der Katalog durch konkrete Arbeitsaufgaben oder Stellenbeschreibungen, damit die individuellen Unterschiede nicht verloren gehen.

Was ist über die konkreten Entgeltstufen bekannt?

Das zum offiziellen Stand der Dinge. Die Braunschweiger Zeitung berichtet darüber hinaus von weiteren Details, die aus einem internen Webcast des VW-Betriebsrats durchgesickert sein sollen. In diesem sprachen Personalvorstand, Gewerkschaft und Betriebsrat offenbar gemeinsam über den aktuellen Stand. Demnach sollen die bisherigen 20 Entgeltstufen erhalten bleiben und um vier weitere für Auszubildende ergänzt werden. Das System würde dann künftig aus insgesamt 24 Stufen bestehen. Die oberste Stufe, die aktuell mit 7.709 Euro monatlich vergütet wird, soll ebenfalls erhalten bleiben.

Ein wichtiger Hebel, um das sechs Prozent-Ziel zu erreichen, setzt darüber hinaus beim Aufstieg in die oberen Stufen an. Dieser soll langsamer erfolgen und für weniger Beschäftigte möglich sein als bisher. Laut Arne Meiswinkel, Personalvorstand der Marke Volkswagen Pkw, ist aktuell die Hälfte der Angestellten in der Verwaltung in den fünf höchsten Entgeltstufen beschäftigt. Es sei ein Zustand, den das Unternehmen als problematisch betrachtet. Die oberen Stufen sollen zwar weiterhin erreichbar bleiben, aber der Weg dorthin wird schwieriger.

Wen betrifft das neue Entgeltsystem?

Das neue Entgeltsystem betrifft alle Beschäftigten im Tarifbereich. Davon ausgenommen sind laut der IG Metall Dual Studierende, Auszubildende und Beschäftigte im sogenannten TarifPlus-Modell. Laut der IG Metall betrifft dieses Modell die unterste Entgeltgruppe im Management-Bereich.

Grundlage der Anpassungen ist der Haustarif der Volkswagen AG. Es handelt sich dabei um einen Firmentarifvertrag, den Volkswagen direkt mit der IG Metall ausgehandelt hat. Nach eigenen Angaben betrifft der Haustarif rund 100.000 Beschäftigte an den Standorten Braunschweig, Emden, Hannover, Kassel, Salzgitter und Wolfsburg. Außerdem gehören seit Anfang 2026 auch die drei Standorte Chemnitz, Dresden und Zwickau zum VW-Hautarifs geworden. Das Unternehmen gibt selbst an, dass dies einer der größten Firmentarifverträge Deutschlands sei. Ebendas macht die Neuausgestaltung zu einem gewichtigen Vorhaben.

Lässt sich ein bestehender Tarifvertrag einfach ändern?

Anspruchsvoll ist das Projekt auch deshalb, weil ein laufender Tarifvertrag nicht einfach so geändert oder ersetzt werden kann. Beide Tarifvertragsparteien müssen dem neuen System ausdrücklich zustimmen. Das erklärt, warum Volkswagen und die IG Metall seit November 2025 überhaupt am Verhandlungstisch sitzen.

Dazu kommt, dass hier die sogenannte Besitzstandswahrung greift: Was einmal vereinbart wurde, gilt als erworbenes Recht. Damit wird der bisherige Status einer Person oder Sache geschützt. Für die betroffenen Beschäftigten der Volkswagen AG im Tarifbereich bedeutet das, dass niemand durch die Einführung eines neues Entgeltsystems schlechter gestellt werden kann als zuvor.

Was passiert mit dem Entgelt der Beschäftigten?

Aber was heißt das konkret? Für viele Beschäftigter ist das die entscheidende Frage: Was bedeutet das für mein Gehalt? Die Antwort darauf ist laut der IG Metall Wolfsburg eindeutig: Nicht weniger als bisher. Dass die Volkswagen AG Entgelte nicht pauschal senken will, geht auch aus den Informationen der Braunschweiger Zeitung hervor. Wer durch die neue Bewertung seiner Arbeit höher eingestuft wird, bekommt künftig mehr. Wer bisher mehr verdient hat, als das neue System vorsieht, behält die Differenz. Diese wird weiter jeden Monat ausgezahlt.

Mit künftigen Entgelterhöhungen kann dieser Ausgleich schrittweise verrechnet werden. Laut der IG Metall bis zu 1,5 Prozent pro Tarifrunde und insgesamt maximal sechs Prozent. Einen Ausgleich für steigende Preise soll es aber immer geben.

Mara Marx ist Volontärin bei der Personalwirtschaft.

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