Womit bin ich auf der Arbeit am zufriedensten? Viele Menschen antworten auf diese Frage: „mit dem Verhältnis zu Kolleginnen und Kollegen sowie zur Führungskraft“. Das zumindest zeigt eine aktuelle Umfrage des Software-Unternehmens QuestionPro. Unzufrieden sind viele Mitarbeitende dagegen mit ihrem generellen Wohlbefinden, der Wertschätzung für ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg und ihren Karrieremöglichkeiten.
Die Studie im Detail: Von den 3.000 befragten Beschäftigten in Deutschland, den USA und Großbritannien – etwa 38 Prozent davon sind Führungskräfte – gaben 76 Prozent an, eine gute Beziehung zu ihren Kolleginnen und Kollegen zu haben. 74 Prozent haben eigenen Aussagen nach mindestens eine Person auf der Arbeit, die sie als Freund oder Freundin bezeichnen. Ihr Verhältnis zur direkten Führungskraft bewerten rund 70 Prozent als gut.
Mehr auf das Wohlbefinden fokussieren
Mit ihrem eigenen Wohlbefinden sind dagegen nur rund 58 Prozent der Befragten zufrieden. Hier sollten laut den Studienverfasserinnen und -verfassern Arbeitgeber ansetzen und am besten auf Grundlage von Daten herausfinden, welche Faktoren genau den größten Einfluss auf das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden haben. Ob die Arbeitsmenge, die Arbeitsplatzsicherheit, lange Arbeitszeiten, eine unzureichende Work-Life-Balance oder die mangelnde Unterstützung des oder der Vorgesetzten ausschlaggebend sind, müsse für jedes Unternehmen oder für jede Abteilung angeschaut werden.
Auch einen großen Verbesserungsbedarf sehen die Studienautorinnen und -autoren hinsichtlich der Karrieregestaltung in Unternehmen. 36 Prozent der Befragten sind mit ihrem derzeitigen Karrierestand unzufrieden. Das scheint in vielen Fällen daran zu liegen, dass sich ihre Führungskraft nicht um ihre berufliche Entwicklung kümmert (48 Prozent) oder ihr Arbeitsplatz ihnen keine Möglichkeit bietet, neue Fähigkeiten zu erlernen (37 Prozent). Die Studienverfasser und –verfasserinnen schlagen Arbeitgebern deshalb vor, das Leistungsmanagement von der Entwicklung zu trennen. Lernen müsse über aktuelle Aufgaben und lineare Karrierewege hinausgehen.
Mehr als bisher sollten sich Unternehmen auch damit beschäftigen, inwieweit sie ihren Mitarbeitenden das Gefühl geben, dass sie mit ihrer Arbeit zum Unternehmenserfolg beitragen und dafür wertgeschätzt werden. Dieses Gefühl haben laut der Studie bisher 57 Prozent der Beschäftigten. Wertschätzung können Arbeitgeber beispielsweise durch eine in ihren Augen angemessene Vergütung zeigen. Das tun sie derzeit in vielen Fällen scheinbar nicht. Nur 52 Prozent der Mitarbeitenden sind der Meinung, dass sie derzeit gebührend für ihren Beitrag im Unternehmen belohnt werden.
Wie beeinflussen diese Aspekte auf die Mitarbeiterbindung aus?
Interessant ist auch, wie sich die oben genannten Aspekte auf die Mitarbeiterbindung auswirken. Wer ein schlechtes Verhältnis zu den Kolleginnen und Kollegen hat, hatte sich in den vergangenen drei Monaten vor der Befragung mit einer dreimal höheren Wahrscheinlichkeit bei einem anderen Arbeitgeber für eine Stelle beworben als solche, die eine gute Beziehung zu anderen Mitarbeitenden haben. Diejenigen, die mit ihrer Karriere unzufrieden waren, hielten 2,6-mal häufiger Ausschau nach einem neuen Job. Wer über sein oder ihr generelles Wohlbefinden klagt oder das Gefühl hat, für seinen Beitrag zum Unternehmenserfolg nicht anerkannt zu werden, bewirbt sich doppelt so häufig auf eine neue Stelle wie diejenigen, die mit dem jeweiligen Aspekt zufrieden sind.
Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch Themen aus den Bereichen Recruiting, Employer Branding und Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit.

