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Employee Experience: Worauf es für Mitarbeitende jetzt ankommt

Die aktuelle unbeständige Wirtschaftslage wirkt sich auf die Bedürfnisse von Beschäftigten aus. Sie fordern jetzt vor allem finanzielle Sicherheit und Arbeitsplatzsicherheit sowie eine gute Work-Life-Balance ein, und wollen sich mit den Werten ihres Arbeitgebers identifizieren können. Das geht aus einer aktuelle Studie von Qualtrics, einem Anbieter für Software im Bereich Experience Management, hervor. Für den Employee Experience Report 2023 hat das Qualtrics XM Institute im dritten Quartal dieses Jahres rund 29.000 Berufstätige in 27 Ländern, davon circa 2000 aus Deutschland, zu ihrer aktuellen Arbeitssituation sowie zur zukünftigen Entwicklung befragt.

Beschäftigte wollen Sicherheit und faire Bezahlung

Das Ergebnis: Sicherheit spielt für die Beschäftigten derzeit eine große Rolle. „Mitarbeitende wollen die Gewissheit haben, dass ihre Arbeitsplätze sicher sind und dass sie nach der Pandemie, dem wirtschaftlichen Abschwung und den aktuellen geopolitischen Ereignissen die Last nicht unbegrenzt schultern müssen“, sagt Roland Abel, EX Strategist bei Qualtrics. Deshalb legen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen derzeit vor allem Wert darauf, dass ihre Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich sind und ein wettbewerbsfähiges Gehalt zahlen können. Allerdings sind momentan weniger als sechs von zehn Befragten (57 Prozent) in Deutschland mit ihrem Gehalt und anderen Leistungen zufrieden. Dieser Anteil ist gegenüber dem vergangenen Jahr um acht Prozent zurückgegangen. Nur etwas mehr als jeder dritte Beschäftigte (36 Prozent) ist der Meinung, dass er für seine Arbeit fair bezahlt wird und das Gehalt seiner tatsächlichen Leistung entspricht.

Angesichts der Teuerungsraten ist das Gehalt laut Abel ein wichtiges Thema, Unternehmen sollten sich deshalb darüber im Klaren sein, zu welchen Gehaltskompromissen sie bereit sind, um Spitzenkräfte zu halten und sicherstellen, dass ihre Belegschaften im Branchenvergleich fair bezahlt werden.

Bessere Work-Life-Balance erwünscht

In der vergangenen Zeit haben Unternehmen erwartet, dass ihre Mitarbeitenden über sich hinauswachsen, so die Studienverfasserinnen und -verfasser. Aufgrund von geringeren Budgets und Ressourcen mussten Belegschaften mehr leisten. Das sei nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel geworden. Ein neuer Normalzustand, mit dem die Mitarbeitenden nicht zufrieden sind. Ein Großteil der Beschäftigten wünscht sich gesunde Grenzen zurück, da es für ihn immer schwieriger wird, Job und Privatleben miteinander zu vereinbaren: Die Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance ist hierzulande zwischen 2021 und 2022 von 74 Prozent auf 62 Prozent gesunken; global fiel der Rückgang von 73 auf 71 Prozent deutlich niedriger aus. Die Bereitschaft, mehr zu arbeiten, ist indes nicht grundsätzlich gesunken – im Gegenteil: 58 Prozent der deutschen Befragten geben an, dass sie mehr leisten würden als sie müssten, wenn sie eine gute Work-Life-Balance hätten. Bei einer schlechten Work-Life-Balance wären nur 27 Prozent dazu bereit.

Burnout mit effizienteren Prozessen vorbeugen

Eine schlechte Work-Life-Balance ist aber nicht der einzige Stressor für Mitarbeitende. Die Arbeitswelt hat sich vor allem seit der Corona-Krise stark verändert – von neuen Tools bis hin zu anderen Prozessen. Viele Prozesse funktionieren jedoch noch nicht, so die Studienverfasserinnen und -verfasser, sondern behindern Beschäftigte in ihrer Produktivität. Nur etwas mehr als jeder zweite Befragte (57 Prozent) gibt an, dass die Arbeitsprozesse es ihm ermöglichen, produktiv zu sein – vor einem Jahr waren es noch 63 Prozent. Auch hier steht Deutschland im internationalen Vergleich – Rückgang von 68 auf 65 Prozent – schlechter da.

Nicht nur ineffiziente Prozesse beeinträchtigen die Produktivität, sondern auch die eingesetzte Technik lässt offenbar zu wünschen übrig: Während 2021 noch 62 Prozent der hiesigen Befragten angaben, dass ihnen die Technik dabei hilft, produktiv zu sein, sagen dies heute nur noch 55 Prozent (im weltweiten Vergleich verringerte sich der Wert von 62 auf 55 Prozent).

Die Kombination von hohem Arbeitsvolumen und ineffizienten Prozessen ist eine Herausforderung für die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Dass mehr als jeder dritte Befragte (37 Prozent) erste Anzeichen von Burnout bei sich feststellt, sehen die Studienverfasserinnen und -verfasser als eine Konsequenz davon. Außerdem geben 40 Prozent der Studienteilnehmenden an, dass sie von ihrer Arbeit emotional ausgelaugt sind. Um die Prozesse effizienter zu gestalten, sollten Arbeitgeber ihren Beschäftigten zuhören, um zu verstehen, welche großen und kleinen Hürden sie überwinden müssen, und diese dann beseitigen, damit die Ursachen für Burnout abgeschwächt werden, rät Abel.

Gemeinsame Werte und Karrierechancen fördern Mitarbeiterbindung

Als weiterer Trend zeichnet sich ab, dass es für Beschäftigte wichtiger geworden ist, dass sie mit ihrem Arbeitgeber gemeine Werte teilen. Eine gemeinsame Wertvorstellung beeinflusst auch die Mitarbeiterbindung: Acht von zehn Befragten (81 Prozent) sagen, dass sie weitere drei oder mehr Jahre im Unternehmen bleiben würden, wenn das Unternehmen ihre Werte lebt. Spiegelt das Unternehmen diese Werte nicht, ist der Anteil mit 72 Prozent etwas geringer.

Zusätzlich zu einem gemeinsamen Wertekanon wünschen sich die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen auch die Möglichkeit, ihre Karriere voranzutreiben und eine Tätigkeit auszuüben, die sie erfüllt, herausfordert und motiviert. Aktuell ist allerdings nur etwa die Hälfte der Befragten (53 Prozent) von ihnen der Ansicht, dies sei in ihrem derzeitigen Unternehmen möglich – im Vorjahr betrug der Anteil noch 59 Prozent. Ohne die Chance voranzukommen schauen sich viele Berufstätige anderswo nach Karrieremöglichkeiten um, geben die Studienautorinnen und -autoren zu denken.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.