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Neun Tipps für nachhaltiges Personalmanagement

Nachhaltigkeit ist in aller Munde und auch in den Personalabteilungen angekommen. Doch dort wird nachhaltiges Agieren oftmals noch nicht als Priorität wahrgenommen und wirft mehr Fragen auf, als dass es schon als neue Zielrichtung dienen könnte. Das steht im Kontrast zu den immer lauter werdenden Forderungen von Investoren, Mitarbeitenden, Talenten und dem Gesetzgeber. Sie erwarten von Unternehmen zunehmend, dass diese nachhaltig wirtschaften.

Wie können sich Personalerinnen und Personaler nun aber am besten an das Thema heranwagen? Diese Fragen haben wir versucht, in unserer aktuellen Titelstrecke zum Thema „nachhaltiges Personalmanagement“ im Juni-Magazin der Personalwirtschaft zu beantworten. Die wichtigsten neun Learnings fassen wir hier für Sie zusammen.

Nachhaltigkeit für sich selbst definieren

Für das Wort Nachhaltigkeit gibt es je nach Kontext zahlreiche Definitionen. Mal wird von dem langfristigen Erhalt eines Systems gesprochen, mal von ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung), die gegeben sein müssen, damit ein Unternehmen nachhaltig wirtschaftet. Andere setzen Nachhaltigkeit mit dem langfristigen Erhalt der Arbeitsfähigkeit gleich. Die Vereinten Nationen wiederum verstehen darunter, sicherzustellen, dass derzeitige Bedürfnisse befriedigt werden, ohne dass zukünftige Generationen dadurch schlechter dastehen werden. Es gilt für den Arbeitgeber, sich auf bestimmte Kriterien festzulegen – welche auch immer der genannten er auswählt – um ein klares Ziel vor Augen zu haben und seine Handlung dementsprechend anpassen zu können. Für die Auswahl kann sich der Arbeitgeber an seinen anderen Unternehmenszielen orientieren oder schauen, in welchen Bereichen es derzeit Probleme gibt und mit welchem Definitionsmodell sie am besten gelöst werden könnten.

Verstehen, dass es sich um eine Haltung handelt

Nachhaltigkeit ist kein Endzustand, sondern eine Sichtweise und Haltung, mit der man jede einzelne Handlung im Unternehmen angeht. Das bedeutet: Einzelne Projekte für den Umweltschutz und die Gleichstellung von ethnischen Gruppen reichen beispielsweise nicht aus, um zum nachhaltig agierenden Unternehmen zu werden. Sie sind eher die Konsequenz daraus, dass alle Mitarbeitenden jeden Prozess und jede neue Lösung unter nachhaltigen Gesichtspunkten betrachten: Erhält dies langfristig die (ökologische und soziale) Umwelt, uns als Unternehmen sowie die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Mitarbeitenden? Und wenn nicht, was können wir tun, um das zu ändern?

Ist-Analyse durchführen

Wurde Nachhaltigkeit definiert, so kann HR beginnen, eigene Prozesse – aber auch die anderer Abteilungen – entsprechend zu analysieren. Dafür benötigen Personalerinnen und Personaler Daten – beispielsweise zu Kosten, ökologischem Fußabdruck, Mitarbeiterzufriedenheit, Diversity und Krankheitsausfällen.

Menschenzentriert denken

Die Ressource, für die HR verantwortlich ist, sind die Mitarbeitenden. Ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit gilt es langfristig zu sichern. Ihre Bedürfnisse und ihr Wohlergehen sollten deshalb im Fokus stehen. Um das tun zu können, muss HR regelmäßig in den Austausch mit den Beschäftigten gehen und sie bei Unternehmensentscheidungen mehr mitreden lassen und ihre Sicht einnehmen. Jeder Prozess sollte vom Mitarbeiter und der Mitarbeiterin aus gedacht werden.

Wissen aneignen und verbreiten

Von HR wird nicht erwartet, nur mit eigenen Ideen das Handeln im Unternehmen nachhaltiger werden zu lassen. Im Gegenteil: Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin sollte sich einbringen und beim eigenen Agieren ansetzen. Um den Beschäftigten Inspiration für Verhaltensänderungen zu geben, können Personaler und Personalerinnen Nachhaltigkeits-Workshops oder entsprechende Seminare und Weiterbildungen organisieren. Verfügen einzelne Beschäftigte bereits über Wissen zum Thema, kann HR sie bewusst als Multiplikatoren einsetzen, um Know-how zu verbreiten. Alternativ können Personalerinnen und Personaler beim Recruiting darauf achten, Talente mit Nachhaltigkeitsexpertise oder -interesse einzustellen und so Fachkenntnisse von extern ins Unternehmen zu holen.

Klar kommunizieren

Wenn Nachhaltigkeit zur Haltung des Unternehmens werden soll, muss sie in die Unternehmenskultur integriert werden. Dafür sollte unter anderem auch HR immer wieder nach innen und nach außen kommunizieren, dass man als Unternehmen nachhaltig agieren möchte. Die Kommunikation sollte konkret sein und die klare Botschaft transportieren, welchen Nachhaltigkeits-Beitrag die eigene Organisation leistet und warum sie das tut. Personalerinnen und Personaler sollten einzelne Projekte und Handlungen allerdings nicht aufbauschen. Macht HR letzteres beispielsweise beim Employer Branding, könnte dem Unternehmen (zurecht) Greenwashing vorgeworfen werden.

Situation erklären und Anreize schaffen

Menschen ändern ihre Gewohnheiten oftmals nur, wenn sie dazu gezwungen werden oder sie dafür etwas bekommen. HR sollte den Mitarbeitenden zum einen klarmachen, dass sich das Unternehmen aufgrund von Gesetzen und den Anforderungen von Investoren und Kunden nachhaltiger aufstellen muss. Zum anderen können Personalerinnen und Personaler Anreize für die Beschäftigten schaffen, ihr Verhalten zu ändern. Eine solche Motivation können Boni sein, die an die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen geknüpft sind.  

Vorrechnen

Ein nachhaltiger Unternehmensstil hat den Ruf, teurer zu sein als der bisherige. Dabei ist langfristig gesehen das Gegenteil der Fall. Melden sich beispielsweise Mitarbeitende immer wieder wegen Rückenschmerzen krank, ist es perspektivisch günstiger, wenn ihnen HR ein regelmäßiges Rückentraining organisiert. Denn die Kosten für die Fehlzeiten sind höher als die für den Gesundheitsworkshop. Personalerinnen und Personaler sollten dies der Geschäftsführung vorrechnen und auch dem Business klar kommunizieren.

Geduldig sein

Wer langfristig plant – und das muss man bei nachhaltigem Wirtschaften tun – der oder die wird Erfolge oftmals erst nach einer Weile verzeichnen. Wissen sollten Personalerinnen und Personaler auch, dass man niemals den Zustand erreichen wird, an dem das Unternehmen komplett nachhaltig ist und sich alle entspannt zurücklehnen können. Vielmehr muss nachhaltiges Handeln in jeder Situation wieder neu definiert und gelebt werden.

Wenn Sie tiefer ins Thema einsteigen möchten, können Sie hier unsere Titelstrecke lesen.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.